BNP Paribas: Kein Grund zur Nervosität bei Aktien und Anleihen

"Wir sehen aktuell nicht, was bald einen nachhaltigen Rückgang an den internationalen Börsen auslösen könnte", erklärt Daniel Morris, Senior Investment Strategiest bei BNPP AM, zum angeblichen Abschwung der Wirtschaft und den Aussichten für Aktien.

20.12.2018 | 11:02 Uhr

Einer ökonomischen Regel zufolge bricht die Industrieproduktion weltweit alle drei bis vier Jahre ein – nach dem letzten Einbruch 2015 sollte 2019 nun eigentlich das nächste Schwächejahr folgen. Doch auch wenn der Zyklus in die Jahre kommt, ist es für Unkenrufe noch zu früh.

Neben der stressigen Lage an den Aktienmärkten lässt nun auch der Ausverkauf an den Kreditmärkten einen Abschwung der Wirtschaft für 2019 vermuten. Aber: „Sieht man sich etwa die klassischen Kennzahlen für den Kreditzyklus an, zum Beispiel das Verhältnis aus Rating-heraufstufungen und -herabstufungen oder die Ausfallquoten, scheint weiterhin alles in Ordnung“, beruhigt Daniel Morris, Senior Investment Strategist bei BNP Paribas Asset Management. „In den USA hat sich das Verhältnis zuletzt verbessert. Es gibt keine Anzeichen für eine Verschlechterung, wie sie Rezessionen meist vorausgeht. Auch in Europa ist das Verhältnis recht gut.“

Investmentgrade-Anleihen, Verhältnis von Herauf- zu Herabstufungen, 2000 - 2018

Investmentgrade-Anleihen, Verhältnis von Herauf- zu Herabstufungen, 2000 - 2018
Investmentgrade-Anleihen, Verhältnis von Herauf- zu Herabstufungen, 2000 - 2018

Dennoch sind viele Anleger aktuell nervös: „Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis Investoren ein schwächeres Wachstum befürchten und deshalb Staatsanleihen den Unternehmensanleihen vorziehen. Uns bereitet die mangelnde Disziplin der Unternehmensanleiheemittenten Sorgen“, erklärt Morris. „Die Auswirkungen der US-Steuersenkungen dürften allmählich nachlassen. Und die Fed wird die Zinsen vermutlich weiter erhöhen, um einen Inflationsanstieg zu verhindern. Dann könnte der starke Anstieg der Unternehmensverschuldung in den letzten Jahren für die CFOs der Unternehmen zum Problem werden.“ Seit 2017 sind die Mittelzuflüsse in diese Assetklasse drastisch zurückgegangen, da Investoren mit steigenden Zinsen rechnen.

Und an den Aktienbörsen?

Nicht nur die Kreditmärkte sind unter Druck: Angesichts fallender Kurse fragen sich viele Anleger, ob Aktien weltweit ihren Höchststand bereits hinter sich haben. Doch auch hier ist Morris positiv gestimmt: „In den übrigen Industrieländern abseits USA ist eine Rezession noch unwahrscheinlicher. Im Vergleich zu den USA hat sich der Euroraum ja bislang erst leicht erholt. Die Inflation bleibt deutlich unter dem Zielwert der Europäischen Zentralbank und von Kapazitätsengpässen kann noch keine Rede sein.“

Zwar seien Aktien in einigen Ländern hoch bewertet, doch nur wenige Märkte wirklich stark überteuert. Den Kennzahlen zufolge entsprechen die Bewertungen einer Reihe von Märkten etwa ihrem Langfristdurchschnitt – also einem Z-Score von null. Und hohe Bewertungen allein sind nur selten ein Grund für Kurseinbrüche. Sie fallen erst dann, wenn die Gründe für die hohen Bewertungen wegbrechen.

Relative Bewertung von Aktienmärkten
Relative Bewertung von Aktienmärkten

„Aktuell sehen wir nichts, was in nächster Zeit einen nachhaltigen Rückgang an den internationalen Aktienmärkten auslösen könnte. Am ehesten könnte eine Rezession in den USA einen allgemeinen Kursverfall auslösen“, sagt Morris. Doch die Prognosen für das BIP-Wachstum betragen 2,5 Prozent für 2019 und 2,0 Prozent für 2020; Volkswirte rechnen also nicht mit einer Rezession. „Irgendwann wird es natürlich so weit sein. Aber da die US-Steuersenkungen und die hohen Staatsausgaben das Wirtschaftswachstum 2019 immernoch antreiben und sich die US-Inflation in Grenzen hält, so dass die Fed die Zinsen wohl nur maßvoll anhebt, scheint dies noch in weiter Ferne.“

Hinzu kommt, dass die Gewinnrevisionen für alle größeren Märkte noch immer sehr erfreulich sind. USTechnologieaktien liegen hier an der Spitze, gefolgt von Emerging-Market-Titeln. „Die Erwartungen für den übrigen US-Markt sind moderater und entsprechen denen für Europa ohne Großbritannien. Dennoch besteht die Aussicht auf weitere Kursgewinne“, so Morris.

Gewinnerwartungen, Oktober 2017 bis Oktober 2018
Gewinnerwartungen, Oktober 2017 bis Oktober 2018


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