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Facebooks Libra-Monster

Die kommenden Libra-Paniken
07/2019
Stephen Grenville
Project Syndicate

@ Feedback an Redaktion

Facebooks Enthüllung einer neuen digitalen Währung, der Libra, hat eine Flutwelle skeptischer, kritischer und richtgehend feindseliger Reaktionen ausgelöst.

17.09.2019 | 08:15 Uhr

Das ist verständlich angesichts von Facebooks Ruf der Nachlässigkeit beim Schutz der Daten und Privatsphäre seiner Nutzer. Trotzdem wird die öffentliche Angst das Unternehmen, das einst mit dem Versprechen „Move fast and break things“ angetreten ist, nicht davon abhalten, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen und dabei möglicherweise komplette Volkswirtschaften zu zerstören.

Wir haben noch keinen ausführlichen Bericht darüber erhalten, wie die Libra funktionieren wird. Trotz allem revolutionären Hype könnte sie sich als lediglich eine neue Variante bestehender Zahlungssysteme erweisen. Apple Pay, PayPal, WeChat und andere Dienste bieten bereits jeweils grundlegende Zahlungsmethoden an, die u. a. verschiedene Komfortfunktionen umfassen, um Kunden und Unternehmen anzulocken. Doch substanziell handelt es sich bei diesen Diensten lediglich um ein zusätzliches Glied in der Kette bestehender Zahlungskanäle, die letztlich an das herkömmliche Bankensystem angebunden sind.

Selbst wenn die Libra lediglich mit diesen bestehenden Akteuren konkurriert, könnte das eine hochprofitable Angelegenheit für Facebook sein, und zwar nicht nur wegen der Überweisungs- und Wechselkursgebühren, sondern auch in Bezug auf die Datensammlung. Die Zahlungs- und Transaktionsdaten der enormen Nutzerbasis des sozialen Netzwerks wären allein schon ein glitzernder Preis.

Doch natürlich wird die Libra als viel mehr verkauft. Ein leitender Facebook-Manager hat es so formuliert: „Wir wollen, dass das Versenden von Geld so einfach wird wie der Versand einer SMS.“. Wie würde das angesichts der Tatsache, dass die Libra die Gestalt privaten Geldes mit Anbindung an einen Korb stabiler bedeutender Währungen annehmen wird, in der Praxis funktionieren?

Wenn die Menschen in Argentinien mit einem einzigen Antippen ihres Smartphones von Pesos auf einen Korb stabiler Währungen wechseln könnten, würden sie ihre Pesos dann nicht beim ersten Anzeichen von Problemen in der heimischen Wirtschaft in diesen sicheren Vermögenswert umwandeln? Eine gängige Analyse unter Heranziehung der Theorie effizienter Märkte ist bei der Beantwortung dieser Frage keine Hilfe, weil in perfekten Märkten derartige Kapitalströme selbstkorrigierend wirken würden.

Laut dieser Ansicht würde der Peso, falls die argentinische Bevölkerung ihre Peso-Bestände aufgäbe, abwerten, und es würden dann Arbitrageure eingreifen, um die jetzt unterbewertete Währung zu stützen. Der Peso würde wieder auf seinen ursprünglichen Wert klettern, und alles wäre gut. Daher ginge von reibungslosen internationalen Kapitalflüssen keine Gefahr für die Finanzstabilität aus, sondern sie brächten den „effizienten Markt“ par excellence hervor.

Leider funktioniert das in der realen Welt nicht so. Während einer Panikattacke innerhalb eines Landes folgen internationale Kapitalflüsse in einem System ohne so etwas wie eine Einlagensicherung eher der Logik eines Bankensturms. Wenn die Einleger einen Bankenzusammenbruch befürchten, heben die Vernünftigen unter ihnen ihr Geld ab. Wenn die Bank zusammenbricht, vermeiden sie einen Verlust; überlebt sie, können sie das Geld später ohne größere Kosten wieder einzahlen. Aber wenn genügend Einleger das Vernünftige tun und ihr Geld abheben, bricht die Bank zusammen.

Dieselbe Art selbsterfüllender Prophezeiung kann auch in einer Volkswirtschaft eintreten. Wenn eine Abwertung des Peso bevorzustehen scheint, werden alle rational denkenden Peso-Besitzer ihre Pesos gegen eine problemlos verfügbare stabile Währung eintauschen und so die von ihnen befürchtete rapide Abwertung selbst hervorrufen.

In der heutigen Welt sind derartige massive Verlagerungen zwischen Währungen selten, weil internationale Devisentransaktionen erheblichen Reibungen unterliegen. Selbst bei den wichtigsten Währungen beträgt die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs einer ausländischen Währung (für Privatkunden) in der Regel etwa 10%. Dazu kommen noch beträchtliche Überweisungsgebühren, wie sie etwa Western Union für die Auslandsüberweisungen von Gastarbeitern verlangt. Und obwohl große Akteure des Finanzsektors destabilisierende Transaktionen ausführen können und das – wie etwa beim „Taper Tantrum“ des Jahres 2013 – auch tun, werden die Devisenflüsse in diesen Fällen noch immer durch Regulierungsbeschränkungen begrenzt.

Wir wissen nicht genau, was passieren würde, wenn die Allgemeinheit plötzlich Zugriff auf eine preiswerte, unregulierte Methode zum Tausch einer volatilen lokalen Währung in einen Korb sicherer Währungen hätte. Doch die Risiken sind offensichtlich. Länder mit langer Tradition von Abwertungen wie Argentinien sowie jedes mittelgroße Land mit flexiblem Wechselkurs wären extrem anfällig für eine Kapitalflucht.

Die Anhänger der Theorie effizienter Märkte drängen seit langem auf reibungslosere Transaktionen, um Umfang und Nutzen des Preismechanismus zu maximieren. Doch bisher wurden wir gerade durch die Ineffizienzen des bestehenden Systems vor den katastrophalen Folgen reibungsloser internationaler Devisenströme geschützt. Exorbitante Transaktionsgebühren und Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche („Know-your-Customer“) haben genug Sand ins Getriebe geschüttet, um Fluchtbewegungen aus internationalen Währungen zu einem seltenen Ereignis zu machen.

Doch wenn Facebook nahtlose internationale Transaktionen für die Allgemeinheit einführt, werden derartige Ereignisse etwas ganz Normales werden. Die Regierungen werden dann unweigerlich eingreifen müssen, um eine neue Form der Reibung in das System einzuführen. Eine Teillösung wäre eine geringfügige universelle Steuer auf Finanztransaktionen von der Art, wie sie der Ökonom und Nobelpreisträger James Tobin vor 50 Jahren vorgeschlagen hat. Obwohl eine „Tobin-Steuer“ nicht alle den Datenschutz und die Finanzstabilität betreffenden Probleme lösen würde, könnte sie vor kurzfristigen spekulativen Kapitalbewegungen abschrecken, ohne die Anreize für nützlichere Transaktionen wie etwa ausländische Direktinvestitionen zu untergraben.

Die Politiker weltweit diskutieren eine Tobin-Steuer schon seit Jahrzehnten. Nun da am Horizont die Libra droht, ist es Zeit, diese Worte in die Tat umzusetzen – bevor Facebook seine Ankündigung wahr macht.

Stephen Grenville ist ehemaliger stellvertretender Gouverneur der Reserve Bank of Australia. Er ist Nonresident Fellow am Lowy Institute in Sydney.

Copyright: Project Syndicate

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