WisdomTree Macro Alert: Magere Konjunkturaussichten bremsen Erwartungen für Zinsanstieg im Euroraum

Konferenz

2019 mussten wir uns immer wieder mit veränderten Zinsaussichten, d.h. niedrigeren Zinsen in der Eurozone befassen.

29.05.2019 | 13:40 Uhr

Da wir uns nun bereits mitten im zweiten Quartal 2019 befinden, lohnt es sich, das Thema erneut aufzugreifen. Auch jetzt zählen wir nicht so schnell zu den Marktbeobachtern, die höhere Zinsen erwarten.

Es stimmt zwar, dass sich die Märkte genauso wie die EZB im Laufe des bisherigen Jahres scheinbar in dieses Terrain bewegt haben. EZB-Präsident Mario Draghi wiederholte nach der Sitzung vom 10. April erneut, dass die Wirtschaft der Eurozone nach wie vor eine Abwärtstendenz aufweist. Er schien bei Bedarf offen für die Möglichkeit zusätzlicher Anreizmaßnahmen zu sein. Das Problem besteht darin, dass die EZB in dieser Hinsicht möglicherweise über begrenzten Spielraum verfügt. Das TLTRO-III-Programm[1] ist der erste Schritt in Richtung Anreize. Draghi & Co. bleiben danach nicht mehr viele Möglichkeiten übrig, denn die Zinsen liegen bereits bei Null oder im negativen Bereich.

Selbstverständlich könnten sie das quantitative Lockerungsprogramm hochfahren, aber möchte die EZB den Kurs wirklich so schnell ändern, nachdem sie vor Kurzem das Ende neuer Anlagekäufe verkündete? Das einzige zur Verfügung stehende Instrument sind die Hinweise auf die künftige Zinspolitik. Sollten die Wirtschaftsdaten in den kommenden Monaten weiter enttäuschen und kaum Verbesserung zeigen, wird die EZB wahrscheinlich nicht mehr von einer Beibehaltung der Zinsen bis „mindestens Ende 2019“, sondern vielleicht bis „mindestens Mitte 2020“ sprechen.


[1] Ein dritter Teil des Finanzierungsprogramms der Europäischen Zentralbank.

Die Inhalte samt Grafik (Renditen 10-jähriger Bundesanleihen) können Sie sich hier herunterladen.

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