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Eine angebotsseitige Lösung für die Stagflation

David Malpass ist Präsident der Weltbank-Gruppe
Eine angebotsseitige Lösung für die Stagflation
06/2022
David Malpass
Project Syndicate

@ Feedback an Redaktion

Nur zwei Jahre, nachdem COVID-19 die schwerste globale Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg verursachte, ist die Weltwirtschaft erneut in Gefahr. Diesmal ist sie gleichzeitig mit hoher Inflation und niedrigem Wachstum konfrontiert.

20.06.2022 | 07:30 Uhr

Diesmal ist sie gleichzeitig mit hoher Inflation und niedrigem Wachstum konfrontiert. Selbst wenn sich eine globale Rezession vermeiden lässt, ist – sofern nicht eine starke Erhöhung des Angebots erreicht wird – eine mehrjährige schmerzhafte Stagflation mit potenziell destabilisierenden Folgen für Länder niedrigen und mittleren Einkommens möglich.

Angesichts des Krieges in der Ukraine, steil steigender Inflation und steigender Zinssätze ist 2022 ein Rückgang des weltweiten Wirtschaftswachstums zu erwarten. Die aktuellen, heute veröffentlichten Prognosen der Weltbank spiegeln eine deutliche Verschlechterung der Aussichten wider: Erwartet wird ein steiles Absinken des globalen Wachstums von 5,7 % im Jahr 2021 auf 2,9 % in diesem Jahr. Dies stellt zugleich eine Absenkung der Prognose vom Januar 2022, die für dieses Jahr noch von 4,1 % ausging, um fast ein Drittel dar. Der größte Teil dieser Verringerung ist auf den steilen Anstieg der Energie- und Nahrungsmittelpreise sowie die durch den Krieg in der Ukraine ausgelösten Verwerfungen beim Angebot und im Handel und auf die derzeitige notwendige Zinsnormalisierung zurückzuführen.

COVID-19 hat bereits zu einem starken Rückschlag für das Einkommenswachstum und die Verringerung der Armut in den Entwicklungsländern geführt. Die Folgen des Krieges in der Ukraine verschärfen die Herausforderungen für viele von ihnen. Es wird erwartet, dass sie 2022 mit Mühe ein Wachstum von 3,4 % erzielen werden – knapp halb so viel wie 2021 und deutlich weniger als der Durchschnitt der Jahre 2011-2019. In ähnlicher Weise wurde die Wachstumsprognose für die Länder mittleren Einkommens für 2022 steil reduziert; sie liegt nun 1,3 Prozentpunkte unter der Prognose vom Januar.

Die Realeinkommen pro Kopf werden 2023 in etwa 40 % der Entwicklungsländer unter dem Niveau vor COVID-19 verharren. In vielen Ländern wird sich eine Rezession kaum vermeiden lassen. Angesichts des beschränkten Erdgasangebots insbesondere für den Einsatz in der Düngemittelproduktion und der Stromerzeugung der ärmeren Länder werden Ankündigungen erheblicher Produktionssteigerungen weltweit unverzichtbar sein, um ein nicht inflationäres Wachstum wiederherzustellen.

Die Gefahr überdurchschnittlicher Inflation und unterdurchschnittlichen Wachstums über mehrere Jahre hinweg – ein Phänomen, das wir seit den 1970er Jahren nicht erlebt haben – ist beträchtlich. Zwischen 2021 und 2024 wird sich das weltweite Wachstum den Prognosen zufolge um 2,7 Prozentpunkte verringern; das ist ein mehr als doppelt so starker Rückgang wie zwischen 1976 und 1979. Das Wachstum wird aufgrund schwacher Investitionen in den meisten Teilen der Welt voraussichtlich für den größten Teil des Jahrzehnts gering bleiben. Da die Inflation inzwischen in vielen Ländern den höchsten Stand seit Jahrzehnten erreicht hat und das Angebot nur langsam steigen dürfte, besteht ein Risiko, dass die Preissteigerungsrate länger höher bleiben wird als derzeit erwartet.

Darüber hinaus liegt die staatliche Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer heute auf Rekordniveau. Diese Schulden bestehen überwiegend gegenüber privaten Kreditgebern und sind häufig variabel verzinst, sodass sie plötzlich in die Höhe schießen könnten. Angesichts von sich verschärfenden weltweiten Finanzierungsbedingungen und Währungsabwertungen greifen die bisher auf einkommensschwache Länder beschränkten Überschuldungsprobleme nun auf die Länder mittleren Einkommens über.

Es geht von der Beendigung der akkommodierenden Geldpolitik in den USA und anderen hochentwickelten Volkswirtschaften und dem darauf folgenden Anstieg der globalen Kreditkosten ein neuerlicher erheblicher Gegenwind für die Entwicklungsländer aus. Darüber hinaus wird im Laufe der nächsten zwei Jahre die in 2020 zur Bekämpfung der Pandemie gewährte fiskalpolitische Unterstützung größtenteils auslaufen, auch wenn die Schuldenstände weiterhin erhöht bleiben werden. Angesichts der Beendigung der akkommodierenden Geldpolitik wird es wichtig sein, die Ungleichheit durch Einsatz von die Lieferketten, Kleinunternehmen und den Prozess der Kapitalallokation stärkenden fiskal- und geldpolitischen Instrumenten zu verringern und sich um höhere Einkommen für alle zu bemühen.

Doch unterscheidet sich die aktuelle Lage in mehrfacher wichtiger Hinsicht von den 1970er Jahren. Der in den 1970er Jahren extrem schwache Dollar ist heute stark. Die Ölpreise haben sich 1973-74 vervierfacht und 1979-80 verdoppelt; heute beträgt das Niveau der Ölpreise inflationsbereinigt nur zwei Drittel des Niveaus von 1980. Und die Bilanzen der wichtigen Finanzinstitute sind im Allgemeinen stark, während sie in den 1970er Jahren ein Risiko darstellten.

Volkswirtschaften überall auf der Welt sind zudem flexibler als in den 1970er Jahren. Sie weisen, was Löhne und Arbeitsmärkte angeht, weniger strukturelle Rigiditäten auf, und die Politik ist heute besser aufgestellt, stagflationärem Gegenwind standzuhalten. Die geldpolitischen Rahmenbedingungen sind glaubwürdiger: Die Notenbanken in den hochentwickelten Volkswirtschaften und in vielen Schwellenländern operieren im Rahmen eindeutiger Mandate zur Wahrung der Preisstabilität. Zusammen mit der Tatsache, dass bestehende Technologien und vorhandenes Kapital die Möglichkeit zur massiven Ausweitung des Angebots bieten, hat dies zu einer Verankerung der langfristigen Inflationserwartungen beigetragen.

Eine Verringerung des Stagflationsrisikos wird zielgerichtete Maßnahmen der politischen Entscheider weltweit erfordern. Sie müssen ihre Bemühungen in dieser außergewöhnlichen Zeit einander überlappender globaler Krisen auf fünf zentrale Bereiche konzentrieren.

Erstens müssen sie den Schaden für die vom Krieg in der Ukraine betroffenen Menschen begrenzen. Dies erfordert eine koordinierte Krisenreaktion, einschließlich der Lieferung von Nothilfen – Nahrungsmitteln und medizinischer und finanzieller Hilfe – für kriegsverheerte Gebiete und des Teilens der Belastungen für die Unterbringung, Unterstützung und ggf. die Umsiedlung von Flüchtlingen und Binnenvertriebenen.

Zweitens müssen die Politiker etwas gegen den steilen Anstieg der Öl- und Nahrungsmittelpreise tun.Es ist unverzichtbar, das Angebot an wichtigen Nahrungsmittel- und Energierohstoffen zu steigern. Märkte sind zukunftsorientiert; daher würden selbst bloße Ankündigungen eines künftigen Angebots die Preise und Inflationserwartungen senken. Alle Länder sollten ihre sozialen Netze stärken und Preiserhöhungen verstärkende Export- und Importbeschränkungen vermeiden.

Drittens besteht eine dringende Notwendigkeit, die Bemühungen um Schuldenerlasse auszuweiten.Schon vor der Pandemie waren die einkommensschwachen Länder akut überschuldungsgefährdet. Ohne rasche, umfassende und beträchtliche Entlastungsmaßnahmen werden die Risiken für die Weltwirtschaft nun, da sich die Schuldennotstände auf Länder mittleren Einkommens ausweiten, zunehmen.

Viertens müssen Regierungen und Behörden die gesundheitliche Vorbeugung verbessern und die Bemühungen zur Eindämmung von COVID-19 verstärken. Der Ausweitung der Impfmaßnahmen in einkommensschwachen Ländern, einschließlich von COVID-19-Impfungen, muss weltweit hohe Priorität eingeräumt werden.

Fünftens muss die Umstellung auf kohlenstoffarme Energieträger beschleunigt werden.Die Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen erfordert die Ausweitung der Investitionen in Stromnetze, sauberere Energieträger und die Steigerung der Energie-Effizienz. Die nationalen politischen Entscheidungsträger sollten klimafreundliche Regulierungssysteme erstellen, die Anreizstrukturen anpassen und die Regulierung der Landnutzung verstärken.

Die Wiederherstellung von langfristigem Wohlstand ist von einer Rückkehr zu stärkerem Wachstum und einem stabileren, stärker regelgestützten politischen Umfeld abhängig. Es gibt gute Gründe, zu erwarten, dass nach Beendigung des Krieges in der Ukraine die Bemühungen zum Wiederaufbau der ukrainischen Wirtschaft und zur Wiederbelebung des weltweiten Wachstums – u. a. durch die Weltbank-Gruppe – verstärkt werden. In der Zwischenzeit müssen die Politiker die anderen Bedrohungen für die weltweite Entwicklung abmildern: steil steigende Nahrungsmittel- und Energiepreise, anhaltenden Stagflationsdruck, zunehmend gefährliche Schuldenüberhänge, wachsende Ungleichheit und Instabilität und die unzähligen aus dem Klimawandel rührenden Risiken.

Dieser Kommentar beruht auf dem Bericht Global Economic Prospects vom Juni 2022 der Weltbank-Gruppe.

Copyright: Project Syndicate

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