TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: mögliche Kollateralschäden der geplanten Änderung bei der Besteuerung von Krypto-Gewinnen.
19.10.2026 | 07:15 Uhr von «Matthias von Arnim»
Der Staat gibt mehr aus, als er einnimmt. Also muss neues Geld herbeigeschafft werden. Neue Steuern braucht das Land. Das war schon immer so. Und es wird wohl auch immer so bleiben. Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass Regierende – gleich welcher Partei – grundsätzlich nicht in der Lage sind, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Steuereinnahmen auszukommen. Also erfinden sie neue Abgaben oder reformieren alte Steuergesetze so, dass sie potenziell zu höheren Einnahmen führen. Die aktuelle Bundesregierung bildet da keine Ausnahme. Im Gegenteil. Mit dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität sowie dem unbegrenzten Budget für den Verteidigungshaushalt hat sich die Regierungskoalition weit aus dem Fenster gelehnt. Jetzt müssen die Verantwortlichen dafür sorgen, dass der Staat die zukünftig zusätzlich anfallenden Zinsen bezahlen kann.
Die SPD sieht angesichts der angespannten Haushaltslage offensichtlich nun die Chance, ihre Herzensprojekte endlich durchzubringen. Dazu zählen eine verschärfte Erbschaftssteuer für Unternehmer, eine Vermögensteuer und höhere Steuereinnahmen auf Kapitalerträge. Während die Projekte Erbschafts- und Vermögensteuer noch am Widerstand der Koalitionspartner scheitern, konnten die Genossen beim Thema Krypto-Besteuerung eine Tür aufstoßen. Tatsächlich haben sie da einen Punkt. Warum Gewinne aus dem Kauf und Verkauf von Bitcoin und anderen Kryptowährungen nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei sind, wie derzeit geregelt, ist kaum zu begründen. Denn wer würde bezweifeln, dass die meisten Geschäfte dieser Art reine Spekulation sind. Zum langfristigen Vermögensaufbau oder als Absicherungsinstrument taugt diese hoch volatile Anlageklasse nicht. Dazu kommt, dass erwiesenermaßen viel Schwarzgeld über Tokens und Blockchains international über Ländergrenzen hinweg hin- und hergereicht wird.
Dass der Staat hier zumindest die Steuervorteile gegenüber anderen Assetklassen reduzieren will, ist nachvollziehbar. Und so hat die Bundesregierung Ende September einen Referentenentwurf erarbeitet, demzufolge Kryptogewinne künftig nicht mehr nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei sein sollen. Stattdessen sollen sie wie andere Anlageklassen auch pauschal mit der Abgeltungsteuer besteuert werden, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.
Natürlich stößt die Idee einer neuen Besteuerung bei den Betroffenen auf Ablehnung. Und so hat sich am vergangenen Montag der Petitionsausschuss des Bundestages mit einer Petition beschäftigen müssen, deren Unterzeichner dafür plädieren, die einjährige Haltefrist für private Kryptogeschäfte zu erhalten. Leider ging der Schuss der Antragsteller komplett nach hinten los. Nicht nur, dass es nun sogar noch wahrscheinlicher geworden ist, dass die Gewinne aus bestimmten Kryptowerten in Zukunft unabhängig von der Haltedauer als Kapitalerträge besteuert werden. Im Zuge der Diskussion kam auch die Frage auf, weshalb Bitcoin künftig anders behandelt werden sollte als physisches Gold. Dem Bericht des beteiligten Bitcoin Bundesverbands zufolge liebäugelten Ministeriumsvertreter in der Petitionsrunde mit der Idee, die geplanten steuerlichen Änderungen auch auf Gold auszuweiten. Darüber hinaus wurde auch eine allgemeine Abschaffung der Jahresfrist für andere Wirtschaftsgüter ins Gespräch gebracht. Grundsätzlich wäre dann auch physisches Silber betroffen.
Man darf sagen: Schlimmer hätte die Diskussion im Petitionsausschuss nicht laufen können: Anstatt ihr Ziel einer Wahrung der Spekulationsfrist für Kryptogeschäfte zu erreichen, haben die Petitionäre die Regierung sogar auf neue Ideen gebracht.
Noch dürfen Anleger, die Gold und Silbermünzen im Privatvermögen halten, hoffen, dass es nicht so weit kommt. Noch bleiben laut Paragraf 23 Einkommensteuergesetz nominale Wertzuwächse bei Gold und Silbermünzen ab einem Jahr Haltedauer steuerfrei. Zudem ist Anlagegold beim Kauf umsatzsteuerfrei. Doch das könnte sich bald ändern. Mit der Reform der Kryptosteuer ist ein Anfang gemacht. Das SPD-geführte Finanzministerium hat jetzt quasi den Fuß in der Tür. Und dabei geht es mehr ums Prinzip als um eine tatsächlich einträgliche Steuerquelle. Denn wie hoch die Mehreinnahmen durch eine Besteuerung von Kryptogeschäften sein könnten, wissen die Ministerialen überhaupt nicht. Das wurde bereits Anfang September deutlich, als die Fraktion Die Linke in einer sogenannten Kleinen Anfrage wissen wollte, wie hoch das Steueraufkommen aus Kryptowert-Transaktionen in Deutschland sei. Die Bundesregierung antwortete darauf, dass dies nicht gesondert erfasst oder ausgewiesen werde, da die Finanzverwaltung Kryptowerte nicht separat in ihren IT-Systemen statistisch differenziere.
Mit anderen Worten: Die Bunderegierung handelt beim Thema Kryptobesteuerung nach dem Prinzip „Einfach mal machen. Wird schon Geld bringen“. Und weil man schon mal dabei ist, denkt man auch schon über das aktuelle Besteuerungsvorhaben hinaus. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Zug nicht ungebremst weiterfährt. Gold gilt bisher als sicherer Hafen, als Schutz vor Inflation und als Reservewährung, wenn zu viele Menschen dem Papiergeld nicht mehr trauen. Hier den Steuerhebel anzusetzen, wäre definitiv das falsche Signal. Das Gegenteil wäre richtig. Mehr Erleichterung, mehr Handels- und Handlungsfreiheit. Dabei muss es nicht einmal um Steuersenkungen gehen. Zum Beispiel die Abschaffung der Sonderregeln für die Besteuerung und Verlustverrechnungs-Möglichkeiten von Aktiengeschäften wäre ein Anfang. Ist nur so eine Idee.
Am Dienstag findet in Berlin die acatech Festveranstaltung 2026 statt. Hinter dem Namen acatech (eine Wortschöpfung aus der Kombination von Academia und Technik) verbirgt sich die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften. Die Akademie will die Festveranstaltung nutzen, um auf Herausforderungen und mögliche Lösungen für unsere technologisch anspruchsvolle Zeit aufmerksam zu machen. Aktuelle Themen sind dem Veranstalter zufolge Souveränität, Resilienz und Sicherheit. Die Akademie beklagt, dass Deutschland im Innovationswettlauf an Boden verliert und stellt gleichzeitig die offene Frage, wie sich diese Dynamik wohl umkehren lässt. Wie kann Deutschland es schaffen, in zentralen Technologie-Bereichen eine Innovationsführerschaft zu erreichen? Wie kann Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität stärken? acatech Präsidentin Claudia Eckert und acatech Präsident Siegfried Russwurm diskutieren mit Christoph M. Schmidt (Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, acatech Präsidium) und Irene Bertschek (Vorsitzende der Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung, EFI) über volkswirtschaftliche Perspektiven für ein zukunftsfestes Innovationssystem. Im Anschluss geht es in einem Deep Dive zu Quantentechnologien mit Jochen Hanebeck (CEO Infineon Technologies AG) und Alexander Glätzle (CEO & Co-Founder PlanQC GmbH) – und auch darum, Chancen für eine langfristige Innovationsführerschaft zu erkennen und zu nutzen.
Am Mittwoch und Donnerstag geht es auch in Hessen auf dem Frankfurt Finance & Future Summit um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschland. Unter dem Leitthema „Get stronger, Europe“ kommen Vertreter der Finanz- und Realwirtschaft zusammen. Im Mittelpunkt stehen den Angaben zufolge unter anderem die Finanzierung von Wachstum sowie die wirtschaftlichen und technologischen Herausforderungen für den Investitionsstandort Deutschland in den kommenden Jahren. Die fünf Veranstaltungen finden im Städel Museum, Kap Europa, TAJ Hessischer Hof und Meliã Frankfurt City statt.
Am Freitag findet in Irland ein informelles Treffen der Handelsminister der EU-Staaten statt. Man trifft sich in lockerer Runde, um bei gutem Essen und in entspannter Atmosphäre darüber zu reden, wie man mit ein paar aktuellen Problemchen umgehen könnte. Dazu zählen untern anderem die Zollpolitik und die Unberechenbarkeit eines bekannten Potentaten jenseits des Atlantiks, der ab und zu Kriege anfängt, mit Putin kuschelt und in diesem Jahr eine goldene Statue von sich selbst auf seinem Golfplatz hat aufstellen und von einem Priester segnen lassen. Verrückt. Thema ist vielleicht auch die hohe Inflation in der EU. Oder der hohe Schuldenstand – insbesondere in Frankreich, wo demnächst vielleicht eine Freundin des westatlantischen Möchtegern-Königs regiert, mon dieu. Und was ist eigentlich in Berlin los? Der Reichstag, ein Tollhaus, wie es scheint. Wie das enden kann, darf man derzeit im Magedeburger Landtag besichtigen, wo keine Argumente und Fakten mehr zählen, sondern nur noch Lautstärke. Ach, und dann wären da noch die hohen Energiepreise in Europa. Auch das könnte ein Thema in der geselligen EU-Runde in Dublin werden. Bei einem guten Glas Guinness kommt man vielleicht zu kreativen Lösungen. Na dann, prost! Oder wie man auf Gälisch sagt: Sláinte! Dazu noch ein gälischer Trinkspruch: Go raibh tú i Neamh, leathuaire os comhair a bhfuil a fhios ag an diabhal atá tú marbh. Mögest du eine halbe Stunde im Himmel sein, bevor der Teufel weiß, dass du tot bist.
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