TiAM FundResearch blickt auf die Woche zurück und gibt einen Ausblick auf die kommenden Tage. Diesmal im Fokus: Was passiert, wenn Anleger den USA nicht mehr vertrauen.
25.08.2025 | 07:15 Uhr von «Matthias von Arnim»
Rückblick auf die vergangene Woche
Die Preise für Gold und Bitcoin bewegen sich nach wie vor auf Rekordniveau. In den vergangenen sechs Monaten hat sich Gold um 14 Prozent verteuert. Der Bitcoin hat zwischenzeitlich sogar ein Rekordhoch erreicht. Davon hat sich die Kryptowährung zwar wieder entfernt, notiert aber immer noch 15 Prozent über dem Stand von vor einem halben Jahr. Und was macht der S&P 500 Index so? Das Vorzeigebarometer der US-Wirtschaft hat im selben Zeitraum gerade einmal etwas mehr als vier Prozent an Wert zugelegt. Aus Sicht ausländischer Investoren, zum Beispiel aus dem Euroraum, ist das weniger als nichts. Denn der US-Dollar hat im zurückliegenden Halbjahr elf Prozent an Außenwert gegenüber dem Euro eingebüßt. Wer hierzulande US-Aktien im Depot hat, darf sich ärgern. Und daran zweifeln, dass es bald wieder besser wird. Denn die US-Regierung zeigt nicht das geringste Interesse daran, an dem Trend etwas zu ändern. Im Gegenteil. Ein schwacher Dollar gilt Trump und seinem Kabinett als Segen. Seit Wochen setzt der US-Präsident deshalb die eigene Notenbank unter Druck. Die Zinsen sollen auf ein Prozent sinken. Wer im Notenbankgremium diese Forderung nicht unterstützt, soll gehen. Die Idee dahinter: Die Schuldenaufnahme der Regierung würde durch niedrigere Zinsen erleichtert werden. Zwar wären neue US-Anleihen damit auf dem Weltmarkt fast unverkäuflich. Doch ein der Regierung treu verbundenes US-Notenbankgremium würde höchstwahrscheinlich umso willfähriger einspringen und in großem Stil Staatspapiere kaufen.
Interessanter Nebeneffekt, falls dieser Plan aufgehen würde: Wie in der vergangenen Woche bekannt wurde, hat Donald Trump persönlich zuletzt etwa 100 Millionen US-Dollar in US-Bonds investiert. Sänke der US-Leitzins tatsächlich plötzlich auf ein Prozent, würden Trumps höher verzinste US-Anleihen über Nacht massiv im Wert steigen. Auch der Höhenflug des Bitcoins hat dem selbsternannten Dealmaker bereits enorme Gewinne beschert, da die US-Notenbank ihre Bitcoin-Reserven aufgrund eines Trump-Dekrets derzeit aufstocken muss. Man kann dem US-Präsidenten also nicht vorwerfen, er wüsste nicht, was er tut. Seine persönliche Gewinnmaximierung treibt er im Amt konsequent voran.
Verlierer in diesem Spiel ist das Vertrauen in den US-Dollar – und damit in den US-amerikanischen Kapitalmarkt. Die internationale Investorengemeinde hat ihr Urteil darüber bereits gefällt und sucht nach Anlagealternativen außerhalb des Dollar-Raums. Deshalb ist es kein Zufall, dass nicht nur Gold und Bitcoin boomen, sondern auch Aktien und Anleihen in Schwellenländern. Aus US-Investorensicht waren selbst brasilianische Anleihen in den vergangenen sechs Monaten ertragreicher als Anlagen in S&P 500-Indexfonds. Vom Vergleich des US-Index mit dem Aktienindex Bovespa wollen hier erst gar nicht anfangen.
Bevor Sie sich nun die Hände genussvoll und zufrieden reiben, weil Sie als Euroraum-Anleger selbst gerade US-Aktien aus Ihrem Depot geschmissen und dafür Gold gekauft haben, sollten Sie diese Warnung mit auf den Weg nehmen: Die gute Nachricht ist zwar, dass Sie mit Ihren US-Dollar-Fluchtgedanken nicht allein sind. Nicht nur die internationale Anlegergemeinde, sondern auch die Notenbanken rund um den Globus suchen ihr Heil derzeit verstärkt im gelbglänzenden Edelmetall. Die Notenbanken haben zuletzt ihre Goldkäufe im Vergleich zum Durchschnitt des vergangenen Jahrzehnts verdoppelt. Auch das treibt den Goldpreis. Doch ein unangenehmer Nebeneffekt des massiven Goldhortens, das in diesem Jahr eine neue Dynamik entwickelt hat, ist erstens, dass viel Geld in Goldkäufe anstatt in Investitionen fließt. Das ist nicht gut für die Weltwirtschaft. Gleichzeitig sorgt der schwächere US-Dollar dafür, dass Sie als europäischer Anleger von einem weiteren Anstieg des Goldpreises nur dann profitieren, wenn der Goldpreis schneller steigt als der US-Dollar gegenüber dem Euro an Wert verliert. Dieses Wissen teilen Sie dann übrigens auch mit den zahlreichen Notenbanken, die zuletzt viel Gold in ihre Tresore geladen haben. Die Gefahr: Größere Abverkäufe von dieser Seite könnten schnell zu Preiskorrekturen bei Gold führen. Deshalb gilt, wie immer: Setzen Sie nicht alles auf eine Karte. Gold im Depot ist eine gute Idee, aber kein Allheilmittel.
Interessante Termine in den kommenden TagenAm Dienstag erklärt Holcim Deutschland, die Tochtergesellschaft des weltweit agierenden Baustoffherstellers Holcim Ltd., wie die deutsche Industrie auf dem Weg zu Net-Zero vorankommt. Hintergrund: Die Europäische Union hat mit dem Net-Zero Industry Act (NZIA) einen Rechtsrahmen geschaffen, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu stärken und für deren Dekarbonisierung entscheidende Technologien zu fördern. Dass ausgerechnet ein Baustoffhersteller sich dieses Themas annimmt, ist beachtenswert.
Am Mittwoch wird in Unterlüß in Niedersachsen das neue Artilleriewerk von Rheinmetall eingeweiht. Erwartet werden unter anderem der Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD), der Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sowie der NATO-Generalsekretär Mark Rutte. In dem Werk soll Artilleriemunition und später auch Raketenartillerie hergestellt werden. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf fast 500 Millionen Euro. Es sollen mehr als 500 Arbeitsplätze entstehen.
Am Donnerstag wird in Oppenheim in Rheinland-Pfalz der Nationale Vitævino-Day 2025 gefeiert. Bei der zentralen Veranstaltung der europäischen Initiative Vitævino in Deutschland geht es um die Bewahrung und Weiterentwicklung der Weinkultur als Kulturgut, Wirtschaftsfaktor und Ausdruck eines maßvollen Lebensstils. Na dann, prost!
Am Freitag gibt das Statistische Bundesamt in Wiesbaden seine erste Schätzung zur Inflationsrate in Deutschland für August 2025 bekannt. Nüchternes Zahlenwerk. Aber wer weiß. Von Oppenheim bis Wiesbaden sind es nur 43 Minuten Wegstrecke. Wenn man noch fahren darf.
Diesen Beitrag teilen: