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Fondskolumne: Cannabis – ein Boommarkt von morgen

Cannabis ist ein Reizthema. Die einen lieben es, die anderen lehnen es ab. Klar ist aber auch, dass Cannabis für immer mehr Anwendungen zugelassen wird und das Geschäftsvolumen zunimmt. Für Anleger entwickelt sich ein Wachstumsmarkt, an dem sie über börsennotierte Unternehmen, Fonds und ETFs partizipieren können.

13.06.2019 | 08:08 Uhr

Nichts berauscht Anleger mehr als ordentliche Kursgewinne und eine attraktive Rendite für ihr Anlagekapital. Dafür halten sie Ausschau nach interessanten Anlageideen und vermeintlichen Wachstumsbranchen. Nach Megatrends einerseits – und andererseits, wenn es auch ein wenig kleiner sein darf, nach sich gerade öffnenden Märkten. Ein solcher ist der Hanfanbau bzw. die Cannabisproduktion.

Zur Begriffserklärung: Die Cannabis-Pflanze gehört zur botanischen Gattung der Hanfgewächse mit psychoaktiven Wirkstoffen. Will sagen, das THC-(Tetrahydrocannabinol)-haltige Cannabis ist in der Lage, Anleger zweifach in einen Rausch zu versetzen – durch den Genuss und durch ein Investment. Aber dazu später mehr.

Lange Tradition

Von Wikipedia ist zu erfahren, dass Cannabis eine der ältesten bekannten Nutz- und Heilpflanzen ist und etwa in China bereits im frühen 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung angebaut und für die Herstellung von Kleidern und Seilen verwendet wurde. Seit rund 4000 Jahren wird es auch als Heilmittel eingesetzt, ist aber zwischenzeitlich etwas in Vergessenheit geraten. Doch nun erlebt Cannabis in beiden Bereichen eine Renaissance.

Was die industrielle Verwendung betrifft, ist es interessant zu wissen, dass die ersten Jeans aus dem Hause Levi’s aus Hanffasern bestand. Seit 1996 dürfen Landwirte hierzulande wieder Nutzhanf anbauen und heute wiederum ist die Autobranche einer der größten Abnehmer an Hanfprodukten, für Türverkleidungen und Armaturenbretter.

Ein zweiter, relativ neuer Markt hat sich durch den pharmazeutischen Einsatz von Cannabis ergeben. Seit gut zwei Jahren akzeptiert der deutsche Gesetzgeber das Kraut, das von Landwirten wegen seiner Genügsamkeit geschätzt wird – es wächst, wie jeder weiß, der es einmal ausprobiert hat, auf den unterschiedlichsten Böden in fast allen Regionen der Welt –, als Medizin.

Die verschreibungspflichtige Verwendung ist vielseitig: Wie Ärzte und Pharmazeuten herausgefunden haben, ist Cannabis in der Lage Schmerzen zu lindern, den Appetit anzuregen, Übelkeit zu beseitigen, Verkrampfungen zu lösen, Ängste zu mildern und die Stimmung zu heben. Hinzu kommt, dass auch die Wellness-Industrie insbesondere die Vorteile des nicht berauschenden Cannabis-Wirkstoffs CBD (Cannabidiol) erkannt hat. Cannabis als Allzweckmedizin sozusagen. Mit stark steigender Nachfrage.

Weltweite Marktöffnung

In Kanada ist der medizinische Gebrauch von Cannabis bereits seit 2001 erlaubt und seit letztem Jahr auch der sogenannte Freizeitkonsum. „Also das Kiffen“, wie mein Münchner Bankerfreund präzisiert. In den USA wiederum ist der freie Konsum inzwischen in zehn Bundesstaaten möglich, die medizinische Nutzung in mehr als 30. Mit durchschlagender Wirkung für Firmen, die Cannabis gewerblich produzieren – und nicht in Kellern oder Garagen. Firmen, die außerdem an der Börse notiert sind, wie Canopy Growth, Aurora Cannabis oder auch Tilray. Damit wird Cannabis auch für Investoren interessant.

Ob nun in der industriellen, der medizinischen oder der freizeitbasierten Nutzung der Hanfpflanze die größten Chancen liegen, darüber werden die Analysten sicher noch reichlich diskutieren. Auf der Hand liegt aber, dass mit jeder weiteren staatlichen Erlaubnis das formelle Branchenwachstum zunimmt. So sind hierzulande die Versionen der Pflanze, die den psychoaktiven Wirkstoff THC enthalten, für den Freizeitkonsum noch immer verboten.

Doch die Lobbyarbeit ruht nicht und die Vorbilder aus Nordamerika zeigen, dass es auch anders funktionieren kann. Vor allem, weil sich die Marktöffnung nicht nur für die involvierten Unternehmen lohnt, sondern auch für den Staat. Basierend auf der Tatsache, dass sich Cannabis – trotz Verbots – in Deutschland und vielen anderen westlichen Industrienationen nach Alkohol zu dem am häufigsten konsumierten Rauschmittel entwickelt hat, ergibt sich eine gigantische potenzielle Nachfrage.

Für Deutschland hat andererseits Prof. Justus Haucap, Direktor des Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, berechnet, dass dem Staat durch Aufrechterhaltung der Prohibition Jahr für Jahr zweieinhalb Milliarden Euro verlorengehen. Einerseits durch fehlende Steuereinnahmen, die nicht erhoben werden, weil kein offizieller Handel stattfindet, und andererseits durch Kosten, die wegen der Illegalität als Verwaltungsaufwand bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichten entstehen.

Investitionsmöglichkeiten

Wagemutige Anleger setzen bereits auf das Milliarden-Business, das im Wesentlichen noch auf Nordamerika beschränkt ist. Etliche Cannabis-Fans aber wohl auch in der Hoffnung auf weitere Marktöffnungen mit entsprechenden Wachstumschancen. Ihnen stehen neben den genannten Cannabis-Aktien inzwischen auch erste ETFs als Investmentmöglichkeiten offen. Beispielsweise der Horizons Marijuana Life Sciences Index ETF mit einem Anlagevolumen von rund 850 Millionen Dollar oder auch der ETFMG Alternative Harvest ETF, der bereits 1,16 Milliarden Dollar schwer ist.

Seit Ende letzten Jahres ist mit dem ws-hc Fonds – Hanf Industrie Aktien Global auch der erste aktiv gemanagte Hanfaktienfonds am deutschen Markt erhältlich. Initiator ist die Hamburger Beratungsfirma ws-hc Stehr & Co., die den Fonds in Liechtenstein angemeldet hat. Der Asset-Manager ist die Baader Bank. Das Volumen des Fonds ist mit nicht ganz fünf Millionen Euro allerdings noch sehr überschaubar.

Bleibt abschließend festzustellen, dass der Cannabismarkt nicht nur große Wachstumsphantasien und Renditeträume weckt, sondern auch unseriöse Trittbrettfahrer auf den Plan ruft. So warnt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vor drei Online-Plattformen für Investments in Cannabis: Cannabis Software, Cannabis Millionaire und Weed Millionaire würden Kunden in Deutschland per E-Mail ansprechen und ihnen Finanzdienstleistungen zum Thema Cannabis anbieten, obwohl sie die dafür benötigte BaFin-Lizenz nach §32 des Kreditwesengesetzes nicht besitzen.

Für interessierte Anleger heißt es daher auch bei Cannabis-Engagements: Augen auf, die gegebene Vorsicht walten lassen und Risiken möglichst breit streuen!

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