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Die Fed hat nicht allein Schuld an der Inflation

Die Fed hat nicht allein Schuld an der Inflation
05/2022
Kenneth Rogoff
Project Syndicate

@ Feedback an Redaktion

Eine wachsende Zahl von Kommentatoren gibt der US Federal Reserve die Schuld für die derzeit steil steigende Inflation in den USA. Doch ist ein großer Teil dieser Kritik unfassbar naiv was den politischen Druck angeht, den die Fed und andere Notenbanken weltweit in den letzten Jahren bewältigen mussten. Von Kenneth Rogoff

27.05.2022 | 06:03 Uhr

In den USA erreichte der Druck auf die Fed einen Höhepunkt, als die Demokraten, die eifrig darum bedacht waren, progressive Ideen in die Praxis umzusetzen, im Januar 2021 das Weiße Haus und den Kongress eroberten. Zwar verfügt die Fed in vieler Hinsicht durchaus über beträchtliche Unabhängigkeit, doch eine institutionelle Unabhängigkeit, wie sie etwa die Europäische Zentralbank genießt, hat sie bei weitem nicht.

Stattdessen ist die Fed eine Schöpfung des Kongresses, die theoretisch kurzfristig radikal umgestaltet werden kann. Bedeutsam ist, dass die Amtszeit des Notenbankchefs ein Jahr nach Amtsantritt eines neuen Präsidenten abläuft, und die Regierung von Präsident Joe Biden war zudem in der Lage, noch mehrere andere Fed-Ernennungen vorzunehmen. Obwohl die Idee, durch Schaffung neuer Positionen die Stimmenmehrheit bei der Notenbank zu verändern, nie Fuß gefasst hat, ist den Fed-Vertretern die Diskussion darüber, ob man der konservativen Mehrheit im US Supreme Court durch Erhöhung der Richterzahl begegnen sollte, bestimmt nicht entgangen.

Wie realistisch also war es wohl angesichts von Bidens Versuch, massive fiskalische Impulse zu setzen, zu glauben, dass die Fed in der ersten Jahreshälfte 2021, als die Inflation zu steigen begann, die Zinsen hätte anheben können? Die meisten Ökonomen betrachteten die Inflation damals noch nicht als größeres gesamtwirtschaftliches Problem. Man erinnere sich, dass, als mein Harvard-Kollege Lawrence Summers im Februar 2021 begann, sanft vor der Inflation zu warnen, viele Ökonomen eine dauerhafte Erholung von der COVID-19-Pandemie noch nicht als gegeben ansahen.

Darüber hinaus standen die Linken im Banne der Idee, dass die Verschuldung der US-Bundesregierung deutlich steigen könnte, ohne einen wesentlichen Anstieg der Inflation oder der Zinssätze auszulösen. Die moderne Geldtheorie (MMT), eine extreme Version dieser Idee, die forderte, dass die Fed die vom Finanzministerium ausgegebenen Staatsanleihen jeweils sofort aufkaufen sollte, hatte in Politik und Medien viele einflussreiche Anhänger. Noch im Februar 2022, als die jährliche Inflationsrate in den USA bereits bei 7,9 % lag, veröffentlichte die New York Times ein bewunderndes Profil der führenden MMT-Befürworterin Stephanie Kelton.

Hätte die Fed in der ersten Jahreshälfte 2021 begonnen, die Federal Funds Rate anzuheben – und sei es nur um einen Viertel- oder einen halben Prozentpunkt –, hätte die Biden-Regierung dafür gesorgt, dass die Notenbank für jeden darauf folgenden Abschwung die Schuld bekommen hätte. Und die MMT-Befürworter hätten gesagt, dass man ihrem Experiment nie eine Chance gegeben habe.

Angesichts der Tatsache, dass die Inflation so lange geschlummert hatte, wäre dies eine hocheffektive Kritik an der Fed gewesen. Von einigen extremen Fällen wie Argentinien und Venezuela abgesehen schien es vor der Pandemie, als sei die Inflation verschwunden. Zugleich führten die vorherrschenden niedrigen Zinsen dazu, dass sich viele Regierungen zu deutlich höheren Haushalsdefiziten ermutigt fühlten.

Angesehene zentristische Ökonomen wie Olivier Blanchard hatten argumentiert, dass die Regierungen sich viel weniger Sorgen um die Verschuldung machen sollten als in der Vergangenheit, weil die Zinssätze im Verhältnis zum BIP-Wachstum sehr niedrig bleiben würden. Andere betonten, dass die Regierungen in Rezessionen und Krisen einen Anstieg der Schulden zulassen sollten, aber sich keine großen Sorgen darüber machen sollten, diese in Boomphasen aktiv wieder abzubauen. Die Inflation, so schien es, war kein großer Anlass zur Sorge mehr.

Tatsächlich wurde sogenanntes „Helikoptergeld“ – d. h. die Finanzierung von Haushaltsdefiziten über die Notenbanken – weithin als Methode propagiert, um Konjunkturimpulse zu setzen, wenn die Geldpolitiker die bereits in Nullnähe liegenden Zinsen nicht weiter senken konnten. Obwohl einige von uns kraftvoll argumentierten, dass die MMT und selbst ihre weniger extremen Varianten zutiefst fehlgeleitet seien, war sie eine verführerische Idee, und solange die Inflation nicht tatsächlich außer Kontrolle geriet, ließen sich ihre Fehler nur schwer deutlich aufzeigen. In gewisser Weise war das Experiment der Biden-Regierung mit starken Wachstumsimpulsen in einer wachsenden Konjunktur etwas, das danach schrie, ausprobiert zu werden, und die Linke hätte die Fed zur Zielscheibe gemacht, wenn sie sich dem in den Weg gestellt hätte.

Doch während das erklären könnte, warum die Fed anfänglich von Zinsanhebungen absah: Warum weigerte sie sich noch immer, zu handeln, als sich Ende 2021 der Preisanstieg beschleunigte? Teilweise lässt sich das womöglich damit erklären, dass die Fed-Ökonomen dachten, dass der Inflationsdruck vorübergehender Art sei. Doch Bidens Entscheidung, eine Bestätigung von Notenbankchef Jerome Powell im Amt bis Ende November hinauszuschieben, spielte ebenfalls eine einflussreiche Rolle. Hätte die Fed begonnen, die Zinssätze in der zweiten Jahreshälfte 2021 anzuheben, hätte der Präsident Powell vermutlich durch jemanden ersetzt, der eine stärker akkommodierende Haltung vertrat, und die Märkte hätten die Zinserhöhungen umgehend abgetan.

Gibt es eine Möglichkeit, wie sich die Fed künftig besser gegen derartigen Druck wappnen kann? Ich werfe der Fed nicht vor, dass sie die Idee einer Politik stark negativer Zinsen als Möglichkeit zur Abfederung einer Deflation 2019 nicht ernstgenommen hat. Man muss fairerweise sagen, dass auch der Berufsstand der Ökonomen in dieser Hinsicht hinter der Zeit zurück ist. Ein großer Teil des intellektuellen Widerstands gegen stark negative Zinssätze ist seltsam oberflächlich und muss, wenn die Fed das nächste Mal ihren geldpolitischen Rahmen überprüft, angesprochen werden.

Hätte die Fed ein stärkeres Instrument zur Deflationsbekämpfung, wäre sie vermutlich mutiger gewesen und hätte die Zinsen erhöht, sobald die Inflation zu steigen begann. Bis die Geldpolitik voll auf die Inflation durchschlägt, dauert es in der Regel ein paar Quartale, und die Fed muss überzeugt sein, flexibel handeln zu können.

Summa summarum scheint die Fed mit Sicherheit eine Mitschuld an der hohen Inflation der 2020er Jahre zu tragen. Doch haben der starke politische Druck von links und übertrieben optimistische Analysen einer Schuldenpolitik mit offenem Ende, von echten Unsicherheiten über die Inflation und die Realzinsen ganz zu schweigen, ebenfalls eine sehr große Rolle gespielt.

Copyright: Project Syndicate

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