
Das Akronym TACO („Trump Always Chickens Out“) tauchte im Sommer 2024 auf und beschrieb zunächst die Kehrtwenden des republikanischen Kandidaten im Wahlkampf.
31.03.2026 | 08:37 Uhr
2025 wurde es an den Märkten zum Synonym für Donald Trumps wiederholte Rückzieher, vor allem bei der Erhöhung der Zölle. Der „TACO-Trade“ stand damit für die Erwartung, dass marktbelastende Ankündigungen des US-Präsidenten früher oder später relativiert würden – und risikoreiche Anlagen sich entsprechend erholen. Diese Logik funktionierte im Jahr 2025 perfekt und nährte besonders bei Privatanlegern den Reflex, Kursrückgänge zum Einstieg zu nutzen.
Trumps Kehrtwenden können Märkte nicht mehr beruhigen
Im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg greift dieses Muster zwar noch teilweise, doch es verliert erkennbar an Wirkung. Nachdem Donald Trump am Wochenende vom 21. bis 22. März gedroht hatte, die iranische Energieinfrastruktur zu zerstören, sollte die Straße von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden wieder geöffnet werden, kündigte er am Montag, dem 23. März, eine Verlängerung dieser Frist um fünf Tage an und verwies auf „sehr produktive Gespräche“. Nach dieser Ankündigung legten die Terminkontrakte an den US-Märkten innerhalb weniger Minuten um bis zu 4 % zu – gaben diese Gewinne in den folgenden drei Tagen jedoch vollständig wieder ab.
Am Donnerstag, dem 26. März, verschob Donald Trump die Frist für seine Drohung erneut, diesmal um zehn Tage – „auf Wunsch der iranischen Regierung“, wie er es formulierte. Diesmal legten die Terminkontrakte auf den S&P 500 nur um etwas mehr als 1 % zu und verloren auch diesen Zuwachs innerhalb weniger Stunden wieder.
US-Präsident nicht mehr alleiniger Taktgeber
Dieses Nachlassen des „TACO-Trades“ ist im Grunde genommen nicht überraschend. Die Anleger erkennen einfach eine Tatsache, die dem Bewohner des Weißen Hauses offenbar noch immer entgeht: In dieser Angelegenheit ist er, anders als bei der Zoll-Episode, nicht mehr der alleinige Entscheidungsträger. Parallel zu Donald Trumps Beteuerungen, dass „die Gespräche sehr gut laufen“, tauschen der Iran und Israel weiterhin Raketenangriffe aus, die Spannungen in den anderen Golfstaaten verschärfen sich und vor allem bleibt die Straße von Hormus weitgehend unpassierbar.
Genau darin liegt der entscheidende Punkt. Unabhängig davon, wie sehr der US-Präsident von seiner Drohung gegen die iranische Infrastruktur abrückt und wie positiv er den Verlauf der Verhandlungen darstellt, werden die Märkte erst durch eine offizielle Wiederöffnung der Straße von Hormus nachhaltig beruhigt werden können.
Die Realität setzt sich durch
Und die Zeit drängt. Jeder weitere Tag, an dem die Meerenge geschlossen bleibt, erhöht das Risiko einer Überlastung der Öllagerkapazitäten am Golf und damit auch das Risiko einer Kettenreaktion von Produktionsausfällen. Der Irak ist bereits mit dieser Situation konfrontiert. Die Produktion der Ölfelder im Süden des Landes ist auf etwa 800.000 Barrel pro Tag gesunken, gegenüber mehr als 4 Millionen vor Beginn des Konflikts, während die Lagerbestände kritische Grenzen erreichen.
Auch in Kuwait spitzt sich die Lage zu, wie die jüngste Ankündigung einer Produktionskürzung durch das staatliche Unternehmen Kuwait Petroleum Corporation zeigt. Zwar verfügen die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien kurzfristig über etwas mehr Umgehungskapazitäten über ihre Ölpipelines, doch wird dies langfristig nicht ausreichen. Auch die Umgehung über das Rote Meer ist gefährdet, da die Gefahr von Angriffen durch die mit dem Iran verbündeten Huthi zunimmt.
Der „TACO-Trade“ stößt heute an die physische Realität. Donald Trumps Kehrtwenden erweisen sich angesichts der überfüllten Lagerbestände und Produktionsausfälle als machtlos. Für Investoren muss sich die Strategie daher radikal ändern: Es geht nicht mehr darum, auf die Psychologie des US-Präsidenten zu setzen, sondern auf die tatsächliche Entwicklung der Kohlenwasserstoffströme aus dem Nahen Osten zu schauen. Dabei ist eines sicher: die Uhr tickt.
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