
Die US-Notenbank hat den Leitzins wie erwartet um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Die Entscheidung fiel einstimmig.
17.09.2026 | 10:05 Uhr
Eric Winograd, Chefvolkswirt bei AllianceBernstein, sieht darin jedoch nicht den Auftakt zu einem längeren Zinserhöhungszyklus, sondern eine begrenzte geldpolitische Anpassung. Der zugleich veröffentlichte Dot Plot signalisiert, dass innerhalb des Offenmarktausschusses eine breite Erwartung für einen weiteren Zinsschritt um 25 Basispunkte in den kommenden Monaten besteht.
Gleichzeitig spricht vieles dafür, dass die Fed die aktuelle Straffung nicht als Beginn eines längeren Zinserhöhungszyklus versteht, sondern als begrenzte Anpassung. Kein Mitglied des FOMC erwartet, dass der Leitzins einschließlich des heutigen Schritts um mehr als insgesamt 75 Basispunkte steigt. Langfristig sehen alle Mitglieder das Zinsniveau zwischen drei und vier Prozent.
Ein weiterer Zinsschritt ist wahrscheinlich Ich erwarte, dass die Fed den Leitzins noch einmal anheben wird, voraussichtlich im Dezember. Bis Anfang kommenden Jahres dürfte der zugrunde liegende Inflationsdruck jedoch ausreichend nachgelassen haben, sodass die Notenbank wieder in eine abwartende Haltung übergehen kann.
Entscheidend bleiben die kommenden Inflationsdaten. Sollten die Ölpreise hoch bleiben und sich breiter auf das Preisniveau übertragen, könnte die Fed zu stärkeren Zinserhöhungen gezwungen sein als derzeit erwartet. Umgekehrt ist ebenso gut vorstellbar, dass der Preisdruck in den nächsten Monaten nachlässt und die Fed zu dem Schluss kommt, dass die aktuelle Anpassung bereits ausreichend ist. Aus meiner Sicht sind diese beiden Risiken derzeit weitgehend ausgeglichen.
Warsh setzt auf einen klareren geldpolitischen Rahmen
Fed-Chef Kevin Warsh wollte sich in der Pressekonferenz nicht auf einen konkreten Zinspfad festlegen. Stattdessen betonte er mehrfach, dass er sich an eine „Disziplin, nicht an eine Entscheidung“ gebunden sehe. Die Fed müsse überzeugt sein, dass sich die zugrunde liegende Inflation klar und mit ausreichender Geschwindigkeit in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels bewegt.
Diese Beschreibung der geldpolitischen Reaktionsfunktion ist sinnvoll. Es ist nicht notwendig, dass die Fed den Märkten im Voraus mitteilt, welche Entscheidung sie treffen wird. Entscheidend ist vielmehr, dass sie klar kommuniziert, welche Informationen für ihre Entscheidungen maßgeblich sind und wie sie darauf reagieren könnte. In dieser Hinsicht besteht heute deutlich mehr Klarheit als zu Beginn von Warshs Amtszeit.
Warsh machte zugleich deutlich, dass er sich nicht von einzelnen Datenpunkten leiten lassen will. Entscheidend seien mittelfristige Inflationstrends und nicht die Entwicklung in einem einzelnen Monat. Die Märkte dürften diese Aussage allerdings zunächst mit Skepsis betrachten, da der starke Verbraucherpreisbericht zu Monatsbeginn als wichtiger Auslöser für die heutige Zinserhöhung wahrgenommen wurde.
Die Frage nach dem neutralen Zins bleibt akademisch
Warsh erklärte, dass die heutige Entscheidung einen Teil der geldpolitischen Unterstützung aus der Wirtschaft genommen habe. Das deutet darauf hin, dass die Fed den bisherigen geldpolitischen Kurs im aktuellen Umfeld als expansiver eingeschätzt hat, als es auf den ersten Blick den Anschein hatte.
Das ist nicht zwingend ein Widerspruch zum Dot Plot. Der kurzfristige neutrale Zins kann vom langfristigen neutralen Zins abweichen, insbesondere wenn strukturelle Faktoren das Wachstum zeitweise erhöhen. Ein Beispiel wäre eine starke Investitionswelle im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz.
Grundsätzlich klingt Warsh in dieser Frage ähnlich wie sein Vorgänger Jerome Powell: Der neutrale Zins ist ein nützliches theoretisches Konzept, lässt sich aber in Echtzeit nicht präzise beobachten. Für die Geldpolitik ist daher entscheidender, wie sich die Wirtschaft tatsächlich entwickelt.
Gute Nachrichten für die Anleihemärkte
Die heutige Entscheidung und Warshs souveräner Auftritt in der Pressekonferenz sind aus meiner Sicht wichtige Voraussetzungen dafür, dass sich die Anleihemärkte stabilisieren können. Die Inflationserwartungen bleiben verankert. Das spricht dafür, dass die Märkte weder an der Glaubwürdigkeit der Fed bei der Inflationsbekämpfung noch an ihrer Unabhängigkeit zweifeln.
Zusammen mit der verbesserten Kommunikation Warshs dürfte dies dazu beitragen, dass Anleger weniger zusätzliche Risikoprämie in den Renditen verlangen.
Damit sind jedoch nicht alle Belastungsfaktoren für den Anleihemarkt verschwunden. Die Fiskalpolitik, die hohe politische Unsicherheit im In- und Ausland sowie die steigende Emissionstätigkeit großer Technologiekonzerne dürften Anleihen weiterhin belasten. Positiv ist aber, dass Sorgen um die Fed selbst vorerst nicht zu den zentralen Risiken für Bond-Investoren zählen müssen.
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