Die Fed hält still – doch die Zinserhöhung rückt näher

Eric Winograd, US-Chefvolkswirt bei AllianceBernstein
Geldpolitik

Die US-Notenbank hat den Leitzins unverändert belassen, doch eine Zinserhöhung im Dezember wird wahrscheinlicher.

29.10.2026 | 12:05 Uhr

Eric Winograd, US-Chefvolkswirt bei AllianceBernstein, analysiert die Signale der Fed, die Rolle neuer Konjunkturdaten und den künftigen Kommunikationskurs von Notenbankchef Warsh.

Die US-Notenbank (FOMC) hat den Leitzins wie erwartet unverändert in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent belassen. Die begleitende Erklärung enthielt eine bemerkenswerte Begründung für diese Entscheidung: Der Ausschuss geht davon aus, dass weitere Daten helfen werden, den angemessenen geldpolitischen Kurs zu bestimmen. Das ist ein recht klares Signal, dass die Fed nach Auswertung weiterer Daten im Dezember eine Zinserhöhung erwartet – im Einklang mit meiner Prognose und den Markterwartungen.

Abwarten trotz deutlicher Inflationsrhetorik
Bei der Begründung der Entscheidung betonte Notenbankchef Warsh wiederholt, dass bis zur Sitzung im Dezember noch zahlreiche neue Informationen vorliegen werden – zunächst zwei Inflationsberichte und zwei Arbeitsmarktberichte. Das ist ein durchaus nachvollziehbarer Grund, die Entscheidung zu vertagen, zumal zwischen der letzten Sitzung und der aktuellen nur jeweils ein neuer Datenpunkt zu Inflation und Beschäftigung vorlag. Dennoch fällt erneut die Diskrepanz zwischen seiner sehr deutlichen Rhetorik im Kampf gegen die Inflation und der Entscheidung des Ausschusses auf, zunächst nicht zu handeln. Mein Eindruck ist, dass Warsh Zinserhöhungen möglichst vermeiden möchte. Sollten die Daten ihn dazu zwingen, wird er handeln. Die Hürde für eine Zinserhöhung scheint für ihn jedoch höher zu liegen als die für eine Beibehaltung des Zinsniveaus.

Auch bei seiner Pressekonferenz blieb Warsh ausweichend. Wie gewohnt setzte er auf allgemeine Aussagen und umging konkrete Fragen. Dabei riskierte er erneut, das Inflationsziel der Fed abzuschwächen. Er sagte, bei der Eindämmung der Inflation gehe es „nicht um ein bestimmtes Datum im Kalender oder einen bestimmten Datenpunkt“. Ein Ziel bezieht sich jedoch zumindest teilweise auf beides. Sich auf keines von beiden festzulegen, lässt eine gewisse Unschärfe erkennen, die im deutlichen Kontrast zu seiner häufigen Zusicherung steht, die Preisstabilität wiederherstellen zu wollen. Er versucht, die Bedeutung des Inflationsziels zu unterstreichen und zugleich dessen Präzision zu verringern. Dieser Spagat ist schwierig.

Warsh sucht einen Mittelweg in der Kommunikation
Deutlich mehr erfahren haben wir darüber, wie die Fed unter Warsh künftig mit den Finanzmärkten umgehen will. Warsh hat sich vehement gegen eine geldpolitische Forward Guidance ausgesprochen, weil sie seiner Ansicht nach das Signal verzerrt, das die Fed aus den Finanzmärkten ablesen kann. Vor der aktuellen Sitzung hatten jedoch öffentliche Äußerungen mehrerer Fed-Vertreter die Markterwartungen erheblich beeinflusst. Sie hatten jeweils erklärt, dass es besser sei, zunächst abzuwarten, statt die Zinsen anzuheben. Daraufhin sank die vom Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung von 90 auf rund 15 Prozent. Tatsächlich hob die Fed die Zinsen nicht an.

Nun wissen wir, dass Warsh wie seine Vorgänger überraschende geldpolitische Entscheidungen vermeiden möchte. Weichen die Markterwartungen von der Einschätzung der Fed ab, ist daher damit zu rechnen, dass die Notenbank versucht, diese Fehlwahrnehmung zu korrigieren. Das ist für die Fed grundsätzlich nicht neu, wohl aber die Erkenntnis, dass auch Warsh auf diese Weise vorgehen will.

Geldpolitische Entscheidungen werden seltener
Die Änderungen in der Kommunikation fallen insgesamt weniger grundlegend aus als erwartet. Trotz Warshs angekündigtem „Regimewechsel“ sind die Neuerungen nicht so weitreichend, wie man hätte vermuten können. Er kündigte allerdings Änderungen am Sitzungskalender der Fed an: Ab Herbst nächsten Jahres soll eine der acht jährlichen Sitzungen der „langfristigen Strategie“ statt der Geldpolitik gewidmet sein. Bei dieser Sitzung wird nicht über die Leitzinsen abgestimmt; im Mittelpunkt stehen längerfristige Fragen. Im Jahr 2028 sollen zwei der acht Sitzungen diesem strategischen Schwerpunkt dienen. Das entspricht Warshs Wunsch, geldpolitische Entscheidungen seltener zu treffen, und verdeutlicht zugleich, dass er langfristigen Themen mehr Aufmerksamkeit schenken will. Kurzfristig erwarte ich daraus keine Auswirkungen auf die Märkte.

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