
Geopolitische Spannungen treiben die Inflation an - Folgewirkungen auf Energie, Lieferketten und Logistik dürften den Druck langfristig aufrechterhalten. Die Zentralbanken reagieren:
25.03.2026 | 09:10 Uhr
Die EZB könnte früher als erwartet und mehrfach die Zinsen anheben, während auch von der Fed keine Zinssenkungen mehr erwartet werden. Trotz dieser Neubewertung haben sich die Märkte bisher geordnet gezeigt. Die Kreditspreads erweisen sich als überraschend widerstandsfähig. Das globale Wachstum bleibt zwar relativ robust, doch die Kombination aus steigender Inflation und wachsender Unsicherheit sorgt für ein zunehmend turbulentes Umfeld.
Der Markt wirkt derzeit unruhig: Geopolitische Spannungen und Ölpreisschwankungen sorgen für Turbulenzen und die technische Unterstützung hat nachgelassen. In diesem Umfeld spielen Euro-Investment-Grade-Anleihen eine klare, pragmatische Rolle: sie federn Schocks ab und können Erträge erzielen, ohne unnötige Risiken einzugehen.
Fundamental sind wir konstruktiv eingestellt, aber in Bezug auf die nahe Zukunft ausdrücklich vorsichtig. Zwar bleiben die Fundamentaldaten solide und die Renditen sind im historischen Vergleich hoch, doch sind die Spreads mit rund +91 Basispunkten und einer Worst-Case-Rendite von fast 3,64 % relativ eng und lassen nur wenig Spielraum für Überraschungen. Der Sektor ist daher nicht immun gegen Phasen der Volatilität. Jede solche Phase könnte die Spreads deutlich ausweiten. Für Anleger liegt der Vorteil darin, dass Euro-Investment-Grade-Anleihen im Vergleich zu Bargeld und vielen traditionellen Sparoptionen hohe Erträge bieten und gleichzeitig eine hohe Bonität aufweisen. Diese Kombination kann die Anlageklasse zu einer nützlichen, defensiven Ertragskomponente in einer Multi-Asset-Allokation machen – vorausgesetzt, die Anleger akzeptieren das Potenzial für episodische Volatilität und vermeiden es, Renditen in Anleihen mit niedrigerem Rating hinterherzujagen.
Breite als Vorteil in einem sich wandelnden Marktumfeld
Das Euro-IG-Universum ist breit gefächert und umfasst Versorger, Finanzwerte, Industriewerte und weitere, darunter auch internationale Emittenten, die ihre Finanzierungsquellen diversifizieren und ihre Anlegerbasis erweitern möchten. Vor dem Hintergrund von Zöllen, branchenweiten Umbrüchen und politischer Fragmentierung verringert diese Breite das Konzentrationsrisiko und hilft dabei, eine übermäßige Abhängigkeit von einem einzelnen Markt oder Thema zu vermeiden. Unsere Research-Ergebnisse zeigen, dass Versorger ein relativ breit aufgestellter und defensiven Sektor sind. Wir empfehlen einen selektiven Ansatz bei Finanzwerten und bleiben gegenüber Titeln mit geringerer Qualität weiterhin vorsichtig.
Wenn Märkte eine Autobahn sind, dann ist die Duration die Geschwindigkeit, mit der man fährt. In einem Umfeld mit längerfristig höheren Zinsen bevorzugen wir eine angemessene Geschwindigkeit – genügend Duration, um Erträge zu erzielen, aber nicht so viel, dass ein plötzlicher Anstieg der Renditen die Anleger ungeschützt lässt. Unsere Analyse identifiziert den Bereich von 4 bis 7 Jahren als pragmatischen Sweet Spot. Wir bevorzugen eine Verbesserung der Bonität gegenüber Investitionen in Anleihen mit niedrigerem Rating, um Rendite zu erzielen. Diese Kombination zielt darauf ab, Erträge zu erzielen und gleichzeitig das Abwärtsrisiko zu begrenzen, falls die Volatilität sprunghaft ansteigt.
Markt verfügt nur über einen begrenzten Puffer
Die deutlichsten Negativszenarien zeigen sich im Energiesektor: Anhaltend hohe Öl- oder Gaspreise könnten die Inflation erneut beschleunigen und die Arbeit der EZB erschweren. Dies würde den Renditen Aufwärtsdruck ausüben und die Spreads ausweiten. Auch technische Faktoren spielen eine Rolle: Eine schwächere Nachfrage oder Zwangsverkäufe aufgrund von Problemen bei privaten Krediten könnten die Entwicklungen an den öffentlichen Märkten verstärken. Da die Spreads derzeit nicht besonders breit sind, verfügt der Markt nur über begrenzte Puffer. Jede negative Überraschung könnte sich daher schnell in einer deutlichen Ausweitung der Spreads niederschlagen. Wir beobachten diese Risiken genau und dimensionieren die Engagements so, dass die Portfolios in allen ungünstigen Szenarien widerstandsfähig sind. Ein Anstieg der Spreads auf ein deutlich höheres Niveau wäre aus unserer Sicht eine unwillkommene kurzfristige Entwicklung. Gleichzeitig würde eine solche Ausweitung wahrscheinlich attraktive Chancen für geduldige Anleger schaffen, sofern die Fundamentaldaten der Emittenten solide bleiben. In der Praxis bedeutet dies, dass wir derzeit defensiv bleiben, uns aber die Möglichkeit offenhalten, hochwertige Euro-Investment-Grade-Anleihen zu besseren Einstiegsniveaus zu kaufen, sollten sich überzeugende Wertchancen durch Marktverwerfungen ergeben.
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