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Reden ist billiger als Emissionen zu mindern

CO2-Emissionen
Reden ist billiger als Emissionen zu mindern
06/2019
Bjørn Lomborg
Project Syndicate

@ Feedback an Redaktion

Anfang Mai 2019 erklärte das britische Parlament, der Planet stehe vor einem „ Klimanotstand“. Damit war Großbritannien nach Städten wie Los Angeles, London, Vancouver und Basel das erste Land, das einen solchen Schritt unternahm.

26.06.2019 | 06:00 Uhr

Dies fasst all das zusammen, was an der Klimapolitik falsch ist: Politiker geben pompöse, Furcht erzeugende Erklärungen ab, die von der wirtschaftlichen Realität völlig abgetrennt sind – und auch von der Lösung der Probleme, zu der sie angeblich beitragen sollen.

Politische Rhetorik ist billig zu haben, aber drastische Einschnitte bei den Kohlendioxidemissionen bleiben weiterhin extrem teuer und technisch anspruchsvoll. Emissionsminderungen werden immerhin bereits seit dem „Erdgipfel“ in Rio de Janeiro im Jahr 1992 versprochen (und größtenteils nicht umgesetzt).

Das ehrgeizige Ziel ökologischer Protestgruppen wie Extinction Rebellion und von Politikern in aller Welt, darunter auch mehrerer US-Präsidentschaftskandidaten, besteht darin, die CO2-Emissionen bis 2050 oder sogar viel früher auf Nettonull zu reduzieren. Diese Demonstranten und Politiker bekommen erhebliche Aufmerksamkeit, aber ihre Vorschläge würden viel mehr Geld kosten, als die Wähler jemals zu bezahlen bereit wären.

Obwohl Meinungsumfragen zeigen, dass Menschen den Klimawandel ernst nehmen und relativ geringe Summen zahlen würden, um ihn zu bekämpfen, möchten sie mehr für Ausbildung, Gesundheit, Arbeitsplätze und soziale Sicherheit ausgeben. Die meisten Amerikaner sind beispielsweise bereit, jährlich bis zu 200 Dollar gegen den Klimawandel auszugeben, und in China liegt die entsprechende Summe bei etwa 30 Dollar. Die Briten sind für den Kampf gegen den Klimawandel hingegen nicht bereit, ihre Autofahrten, die Anzahl ihrer Flüge und ihren Fleischkonsum deutlich zu verringern. Und obwohl das deutsche Kabinett dem Klimaschutz so große Priorität einräumt, dass es ein „Klimakabinett“ ins Leben gerufen hat, unterstützt nur ein Drittel der Deutschen einen kontroversen Steuervorschlag zur Verringerung der globalen Erwärmung.

Am tiefsten ist die Kluft zwischen den Politikern und der Bevölkerung in Frankreich. Die Regierung dort hat versprochen, die CO2-Emissionen bis 2050 stark zu reduzieren – aber peinlicherweise hat sich dies als leeres Versprechen herausgestellt: Unter Präsident Emmanuel Macron wurden fast keine bedeutsamen Maßnahmen beschlossen. Dies liegt daran, dass die Gelbwesten-Bewegung auf die Straße gegangen ist, um gegen die Benzinsteuer der Regierung zu protestieren, unter der die autoabhängige Landbevölkerung überproportional gelitten hätte.

Wenn es darum geht, große Versprechen abzugeben und sie dann zu vernachlässigen, steht Frankreich nicht allein da. Aktuelle Analysen zeigen, dass von den 185 Ländern, die 2015 das Pariser Klimaabkommen ratifiziert haben, nur 17 – darunter Algerien und Samoa – ihre Verpflichtungen tatsächlich erfüllen.

Das Ziel der Nettonullemissionen zu erreichen würde nicht nur etwas mehr kosten, als die Menschen zu zahlen bereit sind, sondern extrem viel mehr. Beispielsweise schätzen die größten ökonomischen Modelle zur Bewertung des Plans der Europäischen Union, die Emissionen bis 2050 „nur“ um 80% zu reduzieren, die jährlichen Kosten dafür auf mindestens 1,4 Billionen USD. Das kaum ehrgeizige mexikanische Versprechen, die Emissionen bis 2050 um 50% zu verringern, würde dort wahrscheinlich 7-15% des BIP kosten.

Und laut einem Bericht der neuseeländischen Regierung, der ihr Versprechen untersucht, bis 2050 Kohlenstoffneutralität zu erreichen, liegen die jährlichen Kosten dafür höher als der gesamte Jahreshaushalt des Landes. Darüber hinaus geht diese Schätzung davon aus, dass entsprechende Maßnahmen so effizient wie möglich umgesetzt werden. In Wirklichkeit schafft dies keine Regierung – also könnten sich die Kosten der Kohlenstoffneutralität vielleicht sogar verdoppeln. (Und trotzdem macht die neuseeländische Regierung mit ihrer Politik weiter.)

Die Kosten erheblicher Emissionsminderungen sind so hoch, weil wir alle zutiefst von fossilen Energieträgern abhängig sind. Grüne Alternativen wie Solar- und Windenergie sind allgemein noch nicht wettbewerbsfähig. Daher haben Maßnahmen, die Menschen und Unternehmen in unausgereifte Technologien zwingen, eine Verlangsamung des Wachstums und die Verstärkung der Energiearmut zur Folge.

Dies ist auch der Grund, warum die Welt viel weiter hinter ihrer „Energiewende“ herhinkt, als die meisten Menschen wissen. Sonne und Wind liefern momentan erst etwa 1% der weltweiten Energie, und die Internationale Energieagentur schätzt, bis 2040 werde dieser Anteil auf nur 4,1% steigen. Vaclav Smil, der Lieblingsenergieexperte von Bill Gates, sagt: „Behauptungen, ein Übergang zu einer kohlenstofffreien Gesellschaft könne schnell gehen, sind völliger Unsinn“. Er fügt hinzu: „Sogar ein stark beschleunigter Wandel in Richtung erneuerbarer Energien wäre nicht in der Lage, die fossilen Energieträger bei der globalen Energieversorgung sehr bald zu einer Minderheit zu machen, und sicherlich nicht bis 2050.“

Viele der panischen politischen Erklärungen und Klimaproteste der heutigen Zeit werden durch die gängige Ansicht gefördert, der Weltklimarat IPCC der Vereinten Nationen habe erklärt, um den Planeten zu retten, blieben uns nur noch zwölf Jahre. Betrachtet man, was der IPCC wirklich gesagt hat, stellt sich dies bestenfalls als grundlegendes Missverständnis heraus. Das Gremium wurde gebeten zu ermitteln, welche Maßnahmen erforderlich sind, um das beinahe unmögliche Ziel zu erreichen, den Temperaturanstieg auf unter 1,5°C zu begrenzen. Der IPCC antwortete, dies sei in der Tat fast unmöglich, da es einen völligen wirtschaftlichen Wandel innerhalb der nächsten zwölf Jahre erfordere.

Tatsächlich heißt es im letzten großen Bericht des IPCC, wenn wir nichts gegen den Klimawandel unternähmen, entspreche dies einer Verringerung der allgemeinen Einkommen um 0,2-2% bis in die 2070er Jahre – was etwa dem Effekt einer einzigen wirtschaftlichen Rezession gleichkommt.

Statt teure und unrealistische Emissionsminderungsziele zu verfolgen, sollten wir auf den Klimawandel reagieren, indem wir grüne Energien zukünftig billiger als fossile Energieträger machen, damit sich alle eine Umstellung leisten können. Ein echter Wandel erfordert Investitionen in die Forschung und Entwicklung grüner Energien.

Copenhagen Consensus, das Zentrum, das ich leite, bat ein Expertengremium von Ökonomen, darunter drei Nobelpreisträger, Lösungen gegen den Klimawandel zu diskutieren. Das Gremium empfahl, die Ausgaben für Erforschung und Entwicklung grüner Energien drastisch auf 0,2% des weltweiten BIP zu erhöhen. Dies wäre ein wirtschaftlich viel schmerzloserer und effektiverer Weg, das Klimaproblem zu lösen.

Einen „Klimanotstand“ auszurufen erzeugt Schlagzeilen und ermöglicht es den Politikern und Aktivisten, sich besser zu fühlen. Aber leere Rhetorik, die die wirtschaftliche Realität und den gesunden Menschenverstand ignoriert, wird dem Planeten nicht helfen.

Bjørn Lomborg
Bjørn Lomborg
Bjørn Lomborg

Bjørn Lomborg, Gastprofessor an der Copenhagen Business School, ist Direktor des Copenhagen Consensus Center.

Copyright: Project Syndicate

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