
Angesichts der Rückkehr von Donald Trump mit seiner „America-First“-Politik hatten zahlreiche Marktbeobachter 2025 ein schwieriges Jahr für die Schwellenländer vorhergesagt.
26.02.2026 | 08:39 Uhr
Die tatsächliche Entwicklung sorgte jedoch für Überraschung. Mit einem Plus von 31 % in US-Dollar übertraf der MSCI Emerging Markets die Industrieländer um 11 %.[1] Anleger investieren nicht mehr nur reflexartig in Schwellenländer, wenn der US-Dollar abwertet. Zunehmend sehen sie diese Märkte als strukturelle Gewinner einer multipolaren Welt. Diese taktische Vorgehensweise könnte durchaus in eine langfristige strategische Allokation münden.
Das Entstehen einer neuen, multipolaren wirtschaftlichen Weltordnung ermöglicht den Schwellenländern, ihre Partnerschaften zu diversifizieren. Mittlerweile entfallen fast 50 % ihrer Exporte auf andere Schwellenländer, während es vor zehn Jahren noch knapp über 30 % waren.[2] Die von Donald Trump so geschätzten Handelsabkommen haben sich sowohl zwischen den verschiedenen Schwellenländern als auch im Verhältnis zu den Industrieländern vervielfacht, wie das jüngst geschlossene historische Abkommen zwischen der Europäischen Union und Indien einmal mehr verdeutlicht.
China ist bereits Brasiliens wichtigster Handelspartner und hat seine Beziehungen angesichts der Spannungen mit Washington weiter ausgebaut. Beim Besuch von Lula da Silva in China im vergangenen Mai unterzeichneten er und Xi Jinping rund zwanzig Abkommen rund um Sektoren, die in den kommenden 50 Jahren strategisch wichtig sein werden. Der Besuch führte außerdem zu chinesischen Investitionszusagen in Höhe von rund 27 Milliarden Real.[3]
Paradoxerweise führten die von der US-Regierung verhängten Zollschranken zu einer Beschleunigung der Innovationen in den Schwellenländern. Nachdem China der Zugang zu Spitzentechnologien verwehrt worden war, verstärkte es seine Anstrengungen, um seinen Rückstand aufzuholen. Die Einführung von Deepseek im Jahr 2025, das als ernstzunehmende Alternative zu OpenAI wahrgenommen wird, sorgte für großes Aufsehen unter Marktteilnehmern. Im Bereich humanoide Robotik hat China offensichtlich sogar einen Vorsprung: So wurden im Jahr 2025 vier von fünf humanoiden Robotern im Reich der Mitte produziert.[4] Gleichzeitig werden koreanische und taiwanesische Unternehmen im Zuge der technologischen Ambitionen der USA noch unverzichtbarer, da Washington mittlerweile die Ansiedlung von TSMC, Samsung Electronics und SK Hynix auf amerikanischem Boden subventioniert.
Mit fast zwei Dritteln der Weltbevölkerung verfügen die Schwellenländer über einen riesigen Binnenmarkt. Dieser ist in der Lage, eine Abschwächung des Welthandels abzufedern. Darüber hinaus hat sich eine Gruppe lokaler Investoren herausgebildet, die ihre Märkte unterstützen. In Indien befinden sich inzwischen mehr als 20 % des Aktienmarkts im Besitz einheimischer Privatanleger. Vor zehn Jahren waren es noch lediglich 5 %.[5]
Diese strukturellen Faktoren werden durch konjunkturelle Elemente verstärkt: die erwartete weitere Abschwächung des US-Dollars, die anhaltende Untergewichtung der Schwellenländer durch globale Anleger, nach wie vor attraktive Bewertungen und ein für 2026 erwartetes Gewinnwachstum von über 20 %.[6]
Obwohl der Beitrag der Schwellenländer zur Weltwirtschaft wächst – laut Schätzung des IWF werden sie bis 2030 für 60 % des globalen Wachstums verantwortlich sein – spiegelt ihr Gewicht in den globalen Indizes ihre tatsächliche Bedeutung in einer multipolaren Welt noch nicht angemessen wider. Die jüngste Wertentwicklung zeigt jedoch, dass Schwellenländer wieder zunehmend in das Bewusstsein internationaler Investoren rücken.
[1] Bloomberg, Dezember 2025
[2] IWF, August 2025
[3] Brasilianische Regierung, Juni 2025
[4] Omdia, Januar 2026
[5] AMFI – Association of Mutual Funds in India, September 2025
[6] IBES, Januar 2026
Den ausführlichen Beitrag finden Sie im angehängten PDF.
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