Allerdings setzte die deutliche Entspannung später ein als zunächst
erwartet. Auch im April und Mai blieb der Ölpreis erhöht. Erst gegen
Ende des zweiten Quartals sorgten Fortschritte bei den Verhandlungen und
zunehmende Öltransporte durch die Straße von Hormus für einen stärkeren
Rückgang.
Das war ein wichtiges makroökonomisches Signal des zweiten Quartals.
Sinkende Energiepreise entlasten Verbraucher, stärken die Margen der
Industrie und geben den Notenbanken perspektivisch wieder mehr
Handlungsspielraum. Genau das brauchten die Märkte, um Vertrauen
zurückzugewinnen.
Allerdings bleibt die geopolitische Lage fragil. Von einer dauerhaften Normalisierung kann deshalb noch nicht gesprochen werden.
Auch die Notenbanken haben ihren Kurs im zweiten Quartal angepasst.
EZB und Fed haben im ersten Halbjahr deutlich gemacht, dass die
Inflationsbekämpfung weiterhin Vorrang besitzt. Die Europäische
Zentralbank erhöhte ihre Leitzinsen im Juni, während die US-Notenbank
ihren Leitzins unverändert ließ. Beide Notenbanken verwiesen auf die
weiterhin erhöhten Inflationsrisiken und die Unsicherheit infolge der
Entwicklungen im Nahen Osten.
Damit hat sich die erhoffte schnelle Rückkehr zu einer lockereren
Geldpolitik zunächst verschoben. Entscheidend für das zweite Halbjahr
wird sein, ob sich der Rückgang der Energiepreise verstetigt und die
zugrunde liegende Inflation nachlässt. Erst dann könnten die Notenbanken
wieder größeren Spielraum für Zinssenkungen erhalten. Bis dahin dürfte
die Geldpolitik datenabhängig und von Sitzung zu Sitzung neu bewertet
werden.
Versicherer, Industrie und Spezialchemie: Qualität behauptet sich
Neben der selektiven Erholung im Software-Sektor war das Halbjahr
geprägt von der anhaltenden Stärke einiger Kernsektoren, die in unseren
Portfolios eine wichtige Rolle spielen.
Die Versicherer – allen voran SCOR – lieferten stabile Erträge,
wachsende Prämien und eine attraktive Ausschüttungspolitik. In einem
Umfeld, in dem viele Anleger nach planbaren Cashflows suchen, waren das
genau die Werte, die gefragt waren.
Ähnlich war das Bild in der Industrie und der Spezialchemie.
Interpump, IMCD, Croda, Diploma und Computacenter zeigten robuste
Geschäftsentwicklungen und konnten die zwischenzeitlichen Kursverluste
des ersten Quartals im zweiten Quartal weitgehend aufholen.
Auch hier bestätigt sich: Qualitativ hochwertige Geschäftsmodelle
setzen sich langfristig durch, auch wenn sie kurzfristig unter Druck
geraten. Langfristig entscheiden Ertragskraft, Wettbewerbsvorteile,
Bilanzqualität und die Fähigkeit, auch unter anspruchsvollen Bedingungen
freien Cashflow zu erwirtschaften.
Der Blick nach vorn: Die Rotation beginnt nicht mit einem Glockenschlag
Niemand läutet am Tiefpunkt eine Glocke. Ebenso wenig wird eine
beginnende Marktrotation offiziell angekündigt. Einige der möglichen
Katalysatoren werden jedoch zunehmend sichtbar.
Der enorme KI-Investitionsboom dürfte sich auf längere Sicht
normalisieren. Höhere Zölle und geopolitische Spannungen arbeiten sich
durch Lieferketten und Kostenstrukturen. Gleichzeitig zeigen sich erste
Anzeichen einer Abkühlung bei verschiedenen Konjunkturindikatoren.
Sollte sich das Wirtschaftswachstum weiter verlangsamen und zugleich
der Inflationsdruck nachlassen, könnte sich auch der geldpolitische
Spielraum wieder vergrößern. Historisch waren solche Phasen häufig ein
Umfeld, in dem stabile Gewinne, robuste Bilanzen und Preissetzungsmacht
wieder stärker honoriert wurden.
Benjamin Graham hat die Funktionsweise der Börse zeitlos beschrieben:
Kurzfristig ist der Markt eine Abstimmungsmaschine, langfristig eine
Waage.
Im Abstimmungsmodus wurden zuletzt vor allem Momentum, künstliche
Intelligenz und einzelne zyklische Marktsegmente honoriert. Auf der
langfristigen Waage zählen dagegen Ertragskraft, Kapitalrenditen,
Bilanzstärke und nachhaltige Wettbewerbsvorteile. Dort liegen viele
Qualitätsunternehmen aus unserer Sicht weiterhin schwer.
Für langfristig orientierte Anleger ist diese Konstellation deshalb
nicht nur eine Bedrohung, sondern auch eine mögliche Ausgangslage für
neue Chancen: Während sich ein großer Teil des Kapitals auf wenige
populäre Marktbereiche konzentriert, werden zahlreiche profitable
Unternehmen – insbesondere in Europa – auf Bewertungsniveaus gehandelt,
die ihre langfristige Qualität aus unserer Sicht nur unzureichend
widerspiegeln.
Solche Bewertungsunterschiede können lange bestehen bleiben. Dauerhaft sind sie jedoch selten.
Was im zweiten Halbjahr entscheidend wird
Für das zweite Halbjahr sehen wir drei zentrale Themen.
Erstens: die weitere Entwicklung des Ölpreises. Bleibt er auf dem
aktuellen Niveau oder darunter, ist das ein positives Signal für
konjunktursensitive Werte und den europäischen Aktienmarkt insgesamt.
Eine nachhaltige Stabilisierung würde Verbraucher und Unternehmen
entlasten. Eine erneute Eskalation im Nahen Osten könnte hingegen die
Inflationssorgen rasch zurückbringen.
Zweitens: die Unternehmenszahlen. Die Q2-Berichtssaison, die im Juli
startet, wird zeigen, wie robust die Margen und Auftragsbestände
tatsächlich sind.
Gerade bei Unternehmen, deren Aktienkurse im ersten Halbjahr pauschal
abgestraft wurden, dürfte der Markt stärker zwischen intakten und
strukturell geschwächten Geschäftsmodellen unterscheiden.
Drittens wird sich zeigen, ob sich die große Bewertungslücke zwischen
Momentum-Aktien und bislang vernachlässigten Qualitätsunternehmen
allmählich schließt. Den genauen Zeitpunkt einer solchen Rotation kann
niemand zuverlässig vorhersagen. Wir sehen jedoch bei zahlreichen
Unternehmen attraktive Ausgangsbewertungen und damit deutlich
verbesserte langfristige Renditechancen.
Für Anleger heißt das: Nervosität wird uns auch im zweiten Halbjahr
begleiten. Aber Nervosität ist nicht Krise. Sie ist der Nährboden für
die nächsten Chancen.
Wer bei der Auswahl auf Qualität und langfristige Geschäftsmodelle
setzt, wird auch die kommenden Monate strukturiert durchstehen. Wer
zusätzlich auf solide Bilanzen und einen angemessenen Einstiegspreis
achtet, muss nicht den exakten Tiefpunkt treffen, um von einer späteren
Neubewertung profitieren zu können.
Der Rückblick auf unsere Frankfurter Fonds und den Modern Value ETF
Frankfurter Long-Term Value Fund – der Langfristige
Der Frankfurter Long-Term Value Fund
hat sich im ersten Halbjahr 2026 als das robusteste unserer Mandate
erwiesen. Nach einem Rückgang von rund vier Prozent im ersten Quartal
folgte im zweiten Quartal eine deutliche Erholung, sodass der Fonds das
Halbjahr mit minus 0,2 Prozent beendete *(Stand: 30.06.2026).
Der Multi-Manager-Ansatz mit fünf unabhängigen Fondsberatern hat sich
in diesem herausfordernden Umfeld bewährt: Die breite Streuung über
Branchen und Regionen hat sowohl in der Verkaufswelle als auch in der
Erholungsphase gut funktioniert.
Besonders positiv fielen die Beiträge aus Nordeuropa und den Emerging
Markets aus – Storebrand aus Norwegen, FEMSA aus Mexiko und Nu Holdings
aus Brasilien lieferten überdurchschnittliche Renditen. Auch der
spanische Pharmawert Rovi blieb trotz einer zwischenzeitlichen
technischen Korrektur ein Kernbaustein des Fonds und trug positiv zur
Halbjahresperformance bei.
Der Frankfurter Long-Term Value Fund zeigt damit, was ein gut
aufgestellter Multi-Manager-Ansatz leisten kann: Er kann Schwankungen
abfedern und zugleich den Zugang zu Renditechancen in verschiedenen
Regionen und Marktsegmenten erhalten.
Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen – der Klassiker
Unser Klassiker, der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, hat das erste Halbjahr mit einem Minus von 0,9 Prozent beendet *(Stand: 30.06.2026).
Nach dem Rückgang von rund sechs Prozent im ersten Quartal – belastet
durch den Krieg im Nahen Osten und die Softwarekorrektur – folgte eine
schrittweise Erholung im zweiten Quartal.
Getragen wurde die Erholung insbesondere durch die Versicherer SCOR
und Münchener Rück, die im gesamten Halbjahr überzeugten. Auch die
Spezialchemiewerte IMCD und Croda konnten die zwischenzeitlichen
Kursverluste aus dem ersten Quartal weitgehend aufholen.
Auf der Technologieseite bestätigten Microsoft und SAP mit soliden
Q1-Zahlen unsere Einschätzung, dass die Softwarekorrektur bei einzelnen
Unternehmen überzogen war.
Wir haben die Marktphasen für gezielte Umschichtungen genutzt: Bei
CTP, Interpump, SAP und Fielmann haben wir aufgestockt, bei DiaSorin
haben wir uns getrennt und bei Computacenter, Storebrand sowie Diploma
haben wir Gewinne mitgenommen.
Der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen bleibt damit unser
Kernmandat für eine ausgewogene, langfristig ausgerichtete Aktienanlage
über alle Marktphasen hinweg.
Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value – der Systematische
Der Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value hat die stärkste Erholungsdynamik aller unserer Mandate im zweiten Quartal gezeigt.
Nach dem Rückgang von 8,4 Prozent im ersten Quartal – geprägt durch
die Techschwäche – legte der ETF im April um fünf Prozent zu und setzte
den Aufwärtstrend im Mai fort. Zum Halbjahresende steht er bei minus 3,5
Prozent *(Stand: 30.06.2026).
Der regelbasierte Investmentprozess wurde auch in der volatilen
Marktphase konsequent fortgeführt. Wir haben mit dem Juni-Rebalancing
zwei Titel neu ins Portfolio aufgenommen – Alphabet und Deutsche Börse –
Gleichzeitig haben Amazon und DiaSorin den Index verlassen.
Aktuell bilden die 25 nach unserem systematischen Auswahlprozess aussichtsreichsten Titel der Investment-Watchlist den ETF.
Besonders positive Beiträge zur H1-Performance lieferten
Computacenter, Amazon, Diploma, Sunbelt Rentals und IMCD. Belastet haben
bioMérieux und Sartorius Stedim.
Insgesamt zeigt sich: Der ETF ist so konzipiert, dass er Marktphasen
abbildet, statt sie zu vermeiden – und genau das hat er im ersten
Halbjahr getan.
Der ETF versucht nicht, kurzfristige Marktbewegungen taktisch
vorherzusagen. Stattdessen setzt er den definierten Auswahl- und
Rebalancingprozess konsequent um – auch in Phasen erhöhter Schwankungen.
Frankfurter Value Focus Fund – der Offensive
Am volatilsten unter unseren Mandaten hat sich der Frankfurter Value Focus Fund
entwickelt – was bei einem stark fokussierten Mandat mit wenigen
Einzelwerten in einer Marktphase wie dieser aber wenig überrascht.
Nach dem Rückgang von 8,6 Prozent im ersten Quartal folgte eine
moderate Erholung im zweiten Quartal, sodass der Fonds das Halbjahr mit
minus 6,6 Prozent abschließt *(Stand: 30.06.2026).
Die Konzentration zeigt sich hier im Guten wie im Schlechten:
INTERSHOP, secunet Security Networks und SCOR gehörten zu den stärksten
Beiträgen des Halbjahres, während der spanische Pharmawert Rovi und
Fielmann für zwischenzeitliche Belastung sorgten.
INTERSHOP, secunet und SCOR liegen weiterhin deutlich über der
10-Prozent-Marke; Rovi ist nach der April-Korrektur wieder mit 8,9
Prozent gewichtet.
In diesem Mandat bleibt die Positionierung bewusst konzentriert. Wer
diese Struktur wählt, muss mit höherer Volatilität leben – bekommt dafür
aber die volle Renditewirkung einzelner Erfolgspositionen.
Mit der Konzentration geht zugleich ein höheres
unternehmensspezifisches Risiko einher. Erfolgreiche Einzelpositionen
haben im Gegenzug einen entsprechend größeren Einfluss auf die
Gesamtentwicklung.
Der Frankfurter Value Focus Fund ist damit unser Mandat für Anleger,
die aktive Titelauswahl und Konzentration explizit suchen und die damit
verbundenen höheren Schwankungen tragen können.
*
Die frühere Wertentwicklung lässt nicht auf zukünftige Renditen schließen.
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