Nach der Herabstufung von Oracle wurde bekannt, dass OpenAI rund die
Hälfte der 638 Milliarden Dollar an offenen Vertragsverpflichtungen von
Oracle ausmacht. Ein Unternehmen mit minimalen Umsätzen und massiven
Verlusten ist damit systemrelevant für einen der größten Cloud-Anbieter
der Welt geworden – ohne dass es dafür einen regulatorischen Rahmen
gibt.
Sollte sich diese Wette nicht auszahlen, ist eine staatliche
Beteiligung an OpenAI kein Extremszenario mehr, sondern ein plausibler
nächster Schritt. Genau diese Verflechtung eines einzelnen, kaum
profitablen Unternehmens mit dem gesamten Cloud-Ökosystem halte ich für
unterschätzt – nicht weil sie morgen eskaliert, sondern weil sie im
Ernstfall kaum isoliert werden könnte.
Was mich nicht beunruhigt
1. Die Angst vor massenhaftem KI-bedingtem Jobabbau.
Die Daten zeigen bislang das
Gegenteil: Unternehmen mit hoher KI-Durchdringung stellen mehr ein,
nicht weniger – Einstiegsjobs plus 12 Prozent, Gesamteinstellungen plus
10 Prozent. Die Arbeitslosigkeit unter Berufseinsteigern sinkt seit
Beginn der breiten KI-Nutzung, und Unternehmensgründungen sind um 30
Prozent gestiegen. Das heißt nicht, dass einzelne Berufsbilder verschont
bleiben – aber die These vom unmittelbaren gesamtwirtschaftlichen
Jobschock lässt sich in den Zahlen schlicht nicht finden.
2. Der Energiesektor.
Vor wenigen Jahren hieß es, Öl und
Gas seien ein Auslaufmodell. Diese Erzählung ist leiser geworden – aus
gutem Grund. Die Stromknappheit, die der KI-Ausbau erzeugt, lässt sich
ohne fossile und andere Energieträger nicht lösen, und geopolitisches
Gewicht lässt sich ohne Energiehebel kaum aufbauen. Wer den Sektor nur
über den Ölpreis und die Straße von Hormus betrachtet, verpasst den
eigentlichen strukturellen Punkt.
3. Software ist nicht tot.
Die Bewertungsmultiples des Sektors sind auf Zehnjahrestief gefallen,
weil einige wenige überteuerte Schwergewichte den Gesamtindex
verzerren.
Der mediane Softwarewert hat sich deutlich besser entwickelt als der
Sektor insgesamt. Es gibt keine bequeme, einheitliche Erzählung mehr –
manche Unternehmen profitieren von KI, manche leiden zunächst und
profitieren später, manche haben Moat und Daten, manche nicht. Genau das
ist eine gute Nachricht für aktive, fundamentale Investoren.
Mein Fazit: Weder Euphorie noch Absturz
Die drei Sorgen und die drei Beruhigungen widersprechen sich nicht –
sie beschreiben denselben Markt aus zwei Blickwinkeln. Konzentration,
Verschuldung und systemische Abhängigkeiten sind reale Risiken, die man
nicht wegdiskutieren sollte. Gleichzeitig sind Weltuntergangsnarrative
zu Arbeitsmarkt, Energie und Software bislang nicht durch Daten gedeckt.
Für uns als wertorientierte Investoren bedeutet das: kein pauschales
Urteil über "den Markt", sondern die unbequeme, aber notwendige Arbeit,
jedes Geschäftsmodell einzeln zu prüfen. Genau dafür gibt es keine
Abkürzung – auch nicht in dieser Marktphase. Wer das leistet, wird von
der Konzentration weniger Namen nicht überrascht, sondern profitiert von
den Chancen, die abseits davon liegen.
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