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Was wird COVID-19 mit dem Bankensektor machen?

Was wird COVID-19 mit dem Bankensektor machen?
Was wird COVID-19 mit dem Bankensektor machen?
07/2020
Xavier Vives
Project Syndicate

@ Feedback an Redaktion

Die COVID-19-Krise hat gezeigt, dass die Banken zur Abwechslung einmal nicht Teil des Problems, sondern der Lösung sind.

22.07.2020 | 08:00 Uhr

Sie haben sich, primär aufgrund ihnen im Gefolge der globalen Finanzkrise von 2007-2009 auferlegter Kapital- und Liquiditätsvorgaben, bisher als widerstandsfähig erwiesen. Heute nutzen viele Regierungen die Banken, um Gelder an die von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie getroffenen Haushalte und Unternehmen zu leiten.

Darüber hinaus haben die Regierungen den Banken ein vorübergehendes Moratorium in Bezug auf die Umsetzung strengerer Regulierungs- und Aufsichtsstandards gewährt, um die potenzielle Prozyklizität der in den letzten beiden Jahrzehnten eingeführten Maßnahmen zu verringern und eine Kreditverknappung zu vermeiden. Infolgedessen haben die Banken nun Gelegenheit, den während der Finanzkrise erlittenen Reputationsschaden wieder gutzumachen.

Aber sie sind noch nicht aus den Schwierigkeiten heraus. Das liegt u. a. daran, dass die Krise das Volumen notleidender Kredite stark erhöhen wird. Zudem zeigt ein aktueller Bericht, dessen Mitverfasser ich bin, dass die Pandemie den bereits vorher bestehenden, insbesondere von niedrigen Zinsraten und digitaler Disruption ausgehenden Druck auf die Rentabilität der Banken noch verschärfen wird.

Die Digitalisierung wird sich nun stark beschleunigen, denn sowohl Banken als auch Kunden haben erkannt, dass sie remote auf sichere und effiziente Weise arbeiten und agieren können. Insbesondere in Europa wird die resultierende Zunahme von Investitionen in die Informationstechnologie die übergroßen Filialnetze vieler Banken früher als von den Banken erwartet obsolet machen. Dies wird eine tiefgreifende Umstrukturierung des Sektors erforderlich machen.

Mittelgroße Banken werden leiden, weil sie sich schwertun werden, die Kosteneffizienzen und IT-Investitionen zu erreichen, die das neue Umfeld erfordert. Eine Konsolidierung unter Druck stehenden Banken könnte einen Ausweg bieten. Doch dürften sich in mehreren Ländern politische Hindernisse für grenzübergreifende Fusionen auftun, da die Regierungen ihre nationalen Bankensysteme verstärkt werden schützen wollen. In Europa etwa mit seinem (vom Vereinigten Königreich abgesehen) ausgeprägten Bankennationalismus scheint eine inländische Konsolidierung wahrscheinlicher.

Darüber hinaus könnten sich die Banken einem neuerlichen Wettbewerb durch Schattenbanken und neue digitale Wettbewerber ausgesetzt sehen, die das traditionelle Geschäftsmodell der Banken bereits vor der Pandemie in Frage stellten. In den USA haben Finanztechnologie-Unternehmen (sogenannte Fintechs) wichtige Erfolge im Hypotheken- und Privatkreditgeschäft erzielt. Und in den Schwellenmärkten dominieren inzwischen die „BigTechs“ – große digitale Plattformen wie Alipay in China – einige Marktsegmente, darunter das der Zahlungssysteme.

Der aus den Lockdown-Maßnahmen zur Bekämpfung von COVID-19 herrührende rasche digitale Wandel legt nahe, dass das Tempo der Veränderungen im Bankensektor alle überraschen könnte. Diese Beschleunigung wiederum könnte auch die Einführung verschiedener Formen digitaler Währungen u. a. durch die Notenbanken vorantreiben.

Durch einen weiteren Abbau der Eintritts- und Ausstiegsbarrieren des Marktes für Finanzdienstleistungen wird die Digitalisierung den Wettbewerbsdruck steigern und die Rentabilität der etablierten Banken kurzfristig begrenzen. Ihre langfristigen Auswirkungen jedoch sind weniger klar und von der sich letztlich durchsetzenden Marktstruktur abhängig.

Ein mögliches Ergebnis ist, dass einige dominante Plattformen – womöglich einige der derzeitigen digitalen Riesen sowie zusätzlich einige neu aufgestellte etablierte Banken – den Zugang zu einem fragmentierten, unterschiedliche finanzielle Ökosysteme bevölkernden Kundenstamm kontrollieren werden. In diesem Fall würden die Kunden ihre Bedürfnisse auf einer Plattform anmelden, und die Finanzdienstleister würden um deren Erfüllung konkurrieren. Der Grad der Plattformrivalität und das Kundendienstniveau würden von den Kosten des Wechsels von einem Ökosystem zum anderen abhängen: Je höher sie sind, desto weniger konkurrenzbetont wird der Markt sein.

Die Bankenregulierer haben sich bereits der postpandemischen Welt angepasst, indem sie den Umsetzungszeitplan für die Eigenkapitalanforderungen gelockert haben. Darüber hinaus wird die digitale Disruption ihnen auferlegen, die Förderung von Wettbewerb und Innovation gegen die Notwendigkeit des Schutzes der Finanzstabilität abzuwiegen.

Hierfür müssen die Regulierungsbehörden Wettbewerbsgleichheit sicherstellen und die prudenzielle Regulierung und die Wettbewerbspolitik mit Datenrichtlinien koordinieren. Dies wird die Bewältigung komplexer Zielkonflikte zwischen der Stabilität und Integrität und der Effizienz und Wettbewerbsorientierung des Systems sowie dem Datenschutz erfordern.

Die Pandemie und ihre Folgen werden die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems und der nach der Krise von 2007-2009 umgesetzten Regulierungsreformen auf die Probe stellen. Der erste Bericht der Bankeninitiative der IESE Business School vom letzten Jahr kommt zu dem Schluss, dass diese Maßnahmen den Bankensektor solider gemacht haben, aber dass insbesondere in Bezug auf die Schattenbanken noch mehr getan werden muss.

Die Reaktion auf die aktuelle Krise wird die Grenzen der Interventionen der Notenbanken austesten. Dies gilt besonders für Europa, wo sich die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung mittelfristig zu einem wichtigen Thema auswachsen könnte. Auch wird die Krise die Bankenunion der Eurozone, die ohne eine gemeinsame Einlagensicherung unvollständig bleibt, auf die Probe stellen.

Die Banken haben eine Chance, ihr in der Öffentlichkeit angeschlagenes Image zu verbessern, indem sie bei der Abmilderung der aktuellen Wirtschaftskrise eine konstruktive Rolle spielen. Doch da COVID-19 die Digitalisierung und Neustrukturierung des Sektors beschleunigen wird, könnte ihre Zukunft bald unsicherer werden.

Xavier Vives

Xavier Vives ist Professor für Volks- und Finanzwirtschaft an der IESE Business School und Mitverfasser (zusammen mit Elena Carletti, Stijn Claessens und Antonio Fatás) des Berichts The Bank Business Model in the Post-Covid-19 World.

Copyright: Project Syndicate

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