Anleihen-Halbjahresausblick: Sechs Möglichkeiten, Volatilität für sich arbeiten zu lassen

Anleihen-Halbjahresausblick: Sechs Möglichkeiten, Volatilität für sich arbeiten zu lassen
Anleihen

Risiken wandeln sich, aber auch die Chancen. So können Sie davon profitieren.

10.07.2026 | 12:20 Uhr

er Iran-Krieg hat dem Anleihenmarkt, der sich noch nicht vollständig vom Inflationsdruck befreit hatte, einen Ölschock versetzt. Höhere Energiepreise haben die Sorgen über die Inflationsentwicklung neu entfacht, gerade als die Zentralbanken sich auf Zinssenkungen zubewegten. Das erzwingt eine Neubewertung dessen, was Anleger verlangen, um langfristige Anleihen zu halten. Diese Neubewertung spiegelt sich nun weltweit in höheren langfristigen Renditen und steileren Zinsstrukturkurven wider.

Da der Konflikt die Versorgung störte und das Risiko anhaltender Belastungen auf wichtigen Schifffahrtsrouten erhöhte, stiegen die Rohölpreise stark an, was sich auf die Inflationserwartungen auswirkte und den geldpolitischen Kurs verkomplizierte. Zentralbanken, die sich vorsichtig in Richtung einer Lockerung bewegt hatten, wägen nun den erneuten Preisdruck gegen ein schwächeres Wachstum ab, was die Aussichten für die Geldpolitik unsicherer macht.

Die Anpassung geht jedoch über die Inflation hinaus. Der Schock hat den Fokus der Anleger auf große Haushaltsdefizite und steigende staatliche Emissionen verstärkt, insbesondere am langen Ende, wo ein hohes Angebot auf eine begrenzte Nachfrage trifft. Unterdessen haben die die KI-Infrastrukturausgaben die Markterwartungen für das langfristige BIP-Wachstum – und den neutralen Zinssatz – in den USA erhöht. (Ob sich diese Erwartungen erfüllen, bleibt abzuwarten.)

Die Renditen sind stark gestiegen, auch wenn sich die kurzfristigen Wachstumserwartungen abgeschwächt haben, insbesondere in den USA. Während der Ölschock die kurzfristigen Inflationssorgen verstärkt hat, sind die längerfristigen Inflationserwartungen relativ stabil geblieben. Daher wurde der Renditeanstieg in erster Linie durch höhere Realrenditen angetrieben, da die Anleger eine höhere Kompensation für das Halten von Duration verlangen.

Gleichzeitig hat die Streuung deutlich zugenommen, insbesondere zwischen Ländern, die Ölexporteure oder Ölimporteure sind, zwischennEmittenten, die in der Lage sind, sich günstigere erneuerbare Energien zu sichern, gegenüber denjenigen, die von volatilen Kosten für fossile Brennstoffe abhängig sind, und zwischen Emittenten, die besser positioniert sind, um vom KI-getriebenen Investitionsboom zu profitieren, gegenüber denjenigen, die zurückbleiben.

Sechs Strategien zur Stärkung von Portfolios

Aus unserer Sicht erfordern diese Bedingungen Vorsicht, auch wenn eine breitere Streuung über Regionen, Sektoren und Unternehmen hinweg Chancen für Anleger schafft. Aktive Duration, globale Diversifikation und ein Gleichgewicht von Zins- und Bonitätsrisiken bleiben für die aktuell erhöhte Unsicherheit gut geeignet, da diese Strategien dabei helfen, aktive Anleger so zu positionieren, dass sie Volatilität abfedern und neue Chancen nutzen können, sobald diese sich ergeben.

Duration diversifizieren. Unserer Ansicht nach spricht das heutige Umfeld dafür, Anleihen in den Gesamtportfolios zu verankern – und das bedeutet, Duration zu halten. Doch legen Sie die Duration Ihres Portfolios nicht einfach fest und belassen Sie es dabei. Verlängern Sie die Duration, wenn die Renditen höher (und die Anleihekurse niedriger) sind und verkürzen Sie sie, wenn die Renditen niedriger (und die Kurse höher) sind. Und denken Sie daran, hohe Umlaufrenditen bieten ein Polster gegen Kursrückgänge.

Wir glauben, dass die Duration auch aus verschiedenen Regionen stammen sollte. Ein global diversifizierter Ansatz für die Duration kann eine solidere Grundlage für Anleiheportfolios bieten. Auch die Positionierung entlang der Zinskurve ist ein Instrument, das beeinflusst, wie Portfolios auf ein sich wandelndes Zinsumfeld reagieren.

Staatsanleihen bleiben die reinste Quelle für Zinssensibilität und sind weiterhin essenziell für die Liquidität. Aber Anleger können unserer Analyse zufolge auch über Verbriefungsmärkte wie Agency Mortgage-Backed Securities Duration aufbauen, die sowohl Duration als auch Zusatzrenditen bieten und im Allgemeinen weniger anfällig für energiebedingte Verwerfungen sind.

Eine ausgewogene Positionierung einnehmen. Unserer Ansicht nach bietet eine ausgewogene Positionierung über Zins- und Bonitätsmärkte hinweg eine robustere Kombination aus Widerstandsfähigkeit und laufendem Einkommen. Zu den effektivsten Strategien gehören solche, die Staatsanleihen und andere zinssensible Vermögenswerte mit wachstumsorientierten Bonitätsanlagen in einem einzigen, dynamisch verwalteten Portfolio kombinieren.

Diese Kombination hilft, Extremrisiken zu mindern und das Engagement gegenüber makroökonomischen Treibern zu diversifizieren. Die Kombination diversifizierender Anlagen macht es einfacher, das Zusammenspiel von Zins- und Bonitätsrisiken zu steuern und sich bei veränderten Marktbedingungen rasch stärker auf Duration oder Bonität auszurichten.

Fokus auf Qualitätsanleihen. Seit der Eskalation des Konflikts sind die Risikoaufschläge (Spreads) von extrem engen Niveaus leicht gestiegen, bleiben aber begrenzt. Allerdings betrachten wir das Renditeniveau als einen zuverlässigeren Indikator für zukünftige Erträge als Spreads allein. Und die Renditen sehen in vielen bonitätssensiblen Sektoren überzeugend aus.

Selektivität ist unserer Ansicht nach entscheidend. Geopolitische Entwicklungen und strukturelle Themen wie der KI-getriebene Investitionszyklus schaffen branchenübergreifend Chancen, Unsicherheit und Streuung. Wir halten es für sinnvoll, zyklische Branchen, Unternehmen mit CCC-Rating – auf die der Großteil der Ausfälle entfällt – und verbriefte Schuldtitel mit niedrigerem Rating unterzugewichten, da diese am anfälligsten sind. Die Mischung renditestärkerer Sektoren über das gesamte Ratingspektrum hinweg – einschließlich Hochzins-Unternehmensanleihen, Schwellenländeranleihen und verbriefter Vermögenswerte – sorgt für eine weitere Diversifizierung.

Volatilität von Aktien mit Hochzinsanleihen dämpfen. Historisch haben Hochzinsanleihen Erträge erzielt, die mit denen von Aktien vergleichbar sind, jedoch bei deutlich geringerer Volatilität – und sie haben Aktien in Phasen unterdurchschnittlichen Wachstums in der Regel übertroffen. Unserer Ansicht nach sind Hochzinsanleihen daher eine sinnvolle Ergänzung für Anleger, die die Aktienvolatilität verringern möchten, ohne auf wesentliches Ertragspotenzial zu verzichten.

Einen systematischen Ansatz nutzen. Das aktuelle Umfeld verstärkt auch das potenzielle Alpha durch Titelauswahl. Aktive und systematische Ansätze im Anleihenbereich können Anlegern dabei helfen, diese Gelegenheiten zu ihrem Vorteil zu nutzen. Systematische Strategien stützen sich auf eine Reihe von prädiktiven Faktoren, die durch traditionelle Anlagen nicht effizient erfasst werden. Da systematische Ansätze von anderen Faktoren für die Wertentwicklung abhängen, stellen ihre Erträge unserer Ansicht nach eine Ergänzung für traditionelle aktive Strategien dar.

Gegen die Inflation absichern. Wir sind der Meinung, dass Anleger eine Aufstockung ihrer Allokationen in Inflationsstrategien in Betracht ziehen sollten, angesichts des Risikos künftiger Inflationsschübe und der zersetzenden Wirkung der Inflation.

Diszipliniert bleiben in einem von Umbrüchen geprägten Umfeld

Wir glauben, dass diese Strategien in Summe eine widerstandsfähigere Basis für festverzinsliche Anlagen schaffen. Unserer Ansicht nach bieten diversifizierte Durationsquellen, ausgewogene Zins- und Bonitätsengagements sowie ausreichende Liquidität einen Rahmen, der Unsicherheit absorbieren kann und zugleich flexibel genug bleibt, um neue Chancen schnell zu nutzen, sobald sie entstehen.


Die in diesem Dokument zum Ausdruck gebrachte Meinungen stellen keine Recherchen, Anlageberatungen oder Handelsempfehlungen dar und spiegeln nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams bei AB wider. Die Einschätzungen können sich im Laufe der Zeit ändern.

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