Neben dem attraktiven Carry, sprich einem höheren Ertrag aus den Zinszahlungen, warten sie mit historisch guten Fundamentaldaten auf. Nachranganleihen,
insbesondere Additional Tier 1-Anleihen von Banken sowie Restricted Tier 1-Anleihen
von Versicherungen, besitzen spezielle Risiken im Hinblick auf Kuponzahlung und
Verlustbeteiligung. Durch die strengen regulatorischen Anforderungen der
vergangenen Jahre haben sich die Bilanzkennzahlen in der Finanzbranche jedoch
deutlich verbessert. Banken und Versicherungen bieten daher aktuell gute
Voraussetzungen für eine Investition.
Banken
und Versicherungen überzeugen mit guten Bilanzkennzahlen
Kernkapitalquote
auf historischen Höchstständen: Die durchschnittliche Kernkapitalquote (CET1) der
europäischen Banken unter der Aufsicht der EZB stieg in den Jahren nach der
Finanzkrise 2008/2009 kontinuierlich an und befand sich mit 16,0% im ersten
Quartal 2024 auf einem Höchststand. Die Institute liegen damit deutlich über
den Kapitalmindestanforderungen der EZB, die jährlich in einem individuellen
Evaluierungsprozess (Supervisory Review and Evaluation Process – kurz SREP)
festgelegt werden und im Durchschnitt je nach Institut bei etwa 9 Prozent bis 11 Prozent CET1
liegen.
Asset
Qualität sehr resilient: Die
Non-Performing-Loan-Quote (NPL) der europäischen Banken hat sich im
Durchschnitt in den letzten Jahren ebenfalls stetig verbessert. Zuletzt lag sie
bei 1,9% und damit nur ein Zehntel- Prozent über dem bislang niedrigsten Wert von 1,8 Prozent im Jahr 2023. Die Qualität der Kreditportfolien erweist sich bislang als
äußerst resilient, in Anbetracht der Schwierigkeiten vor allem im
Immobiliensektor rechnet jedoch eine Mehrheit der befragten Banken laut
jüngstem Bericht der European Banking Authority (EBA) mit einer Abschwächung
der Kreditqualität in den nächsten 6-12 Monaten.
Profitabilität kehrt zurück: Deutlich verbessert hat sich zudem
die Profitabilität der Banken. Nach langen Jahren im niedrigen einstelligen
Bereich konnte sich der Return on Equity (RoE) seit Anfang 2023 wieder im
zweistelligen Bereich verfestigen. Zuletzt lag diese bei 10,6 Prozent. Einen wesentlichen
Treiber der verbesserten Profitabilität stellen dabei die deutlich gestiegenen
Zinseinnahmen dar, die wiederum von der verbesserten Zinsmarge profitieren.
Attraktive Renditen mit Financial Nachranganleihen
Mit dem deutlichen Anstieg der Zinsen seit Anfang 2022 sind Nachranganleihen
von Banken und Versicherungen nicht mehr nur in relativer Hinsicht attraktiver geworden.
Auch die absoluten Renditen, die derzeit in diesem Segment erzielt werden
können, sind sehr verlockend. Betrachtet man Nachranganleihen aus der Sicht der
Risikoaufschläge, so hat seit der kurzfristigen Krise durch den Kollaps der Credit
Suisse vor gut einem Jahr bereits eine deutliche Einengung der Spreads
stattgefunden. In Kombination mit dem zugrundeliegenden Swap-Zinssatz lassen
sich jedoch bislang bei AT1-Anleihen immer noch Renditen zwischen 6 Prozent und hohen
7 Prozent und bei Tier 2-Anleihen von Banken von ca. 4,5 Prozent bis 5 Prozent erzielen. Bei
Nachranganleihen aus dem Versicherungssektor handelt es sich fast
ausschließlich um Tier 2-Anleihen, die im Durchschnitt aktuell mit ca. 5 Prozent rentieren. In Abhängigkeit von der Gewichtung zwischen Tier 2- und AT1-Anleihen
von Banken sowie dem Grad der Beimischung von Versicherungs-Nachranganleihen
lässt sich somit ein Portfolio mit einer aktuellen Marktrendite zwischen ca. 5 Prozent und 5,5 Prozent konstruieren. Das durchschnittliche Rating solch eines Portfolios
würde mit BBB bis BBB- immer noch im Investmentgrade-Bereich liegen.
Kriterien der Emittenten- und Titel-Selektion
Im Investmentprozess für die Bottom-up-Selektion eines
Portfolios aus Nachranganleihen sollte die nachhaltige Fähigkeit des
Emittenten, über alle Konjunkturzyklen hinweg profitabel zu bleiben, das
wichtigste Kriterium sein. Die Beachtung dieses Prinzips hätte beispielsweise
eine Allokation in AT1-Anleihen der Credit Suisse ausgeschlossen.
Als nächstes sollte man dann die Kernkapitalquote und ihren
Abstand zur von der EZB geforderten Mindestkapitalquote betrachten. Dieser
Abstand dient als Puffer, bevor es bei einer AT1-Anleihe potenziell zu einem
Kuponausfall kommen könnte. Es ist sinnvoll, sich bei der Auswahl der
Emittenten auf die sogenannten „National Champions“ der jeweiligen Länder zu
konzentrieren. In Marktphasen mit erhöhter Unsicherheit („Risk-off“-Szenarien)
neigen Anleihen kleinerer Emittenten aufgrund geringerer Liquidität zu stärkeren
Kursverlusten. Ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl der jeweiligen
Titel ist die Höhe des Kupon-Re-Sets bei kündbaren Anleihen. Dies bezieht sich
auf den Risikoaufschlag, der zum Referenzzinssatz (üblicherweise der
5-Jahres-Swap-Satz) im Falle einer Nichtkündigung der Anleihe hinzugefügt wird.
Ein hoher Risikoaufschlag von mehr als etwa 400 Basispunkten für erstklassige
Emittenten und von mehr als 500 Basispunkten für Emittenten der nachfolgenden
Qualitätsstufe erhöht deutlich die Wahrscheinlichkeit, dass der Emittent die
Anleihe kündigen wird.
Versicherungen als Beitrag zur Diversifikation
International gut aufgestellte Versicherungsunternehmen
stellen im Rahmen eines Financial Nachrangportfolios eine gute Ergänzung zu europäischen
Bankinstituten dar. Im Gegensatz zum Nachrangkapital von Banken setzt sich dieses
Segment jedoch fast ausschließlich aus Tier 2-Anleihen zusammen, da
Versicherungen meist überkapitalisiert sind und auf die Emission von
sogenannten Restricted Tier 1- Anleihen überwiegend verzichten können. Die
Risikoaufschläge von Versicherungs-Nachranganleihen liegen historisch
betrachtet die meisten Zeiträume über denen der Bank Tier 2-Anleihen, was unter
rein fundamentalen Gesichtspunkten schwer erklärt werden kann.
Die generell
längeren Laufzeiten oder auch ein kleinerer Investorenkreis, der sich diesem
Segment widmet, könnten eine Rolle spielen. Man kann dies auch schlicht als eine
Opportunität betrachten, attraktive Risikoaufschläge von qualitativ
hochwertigen Versicherungsinstituten in ein Nachrang-Portfolio beizumischen.
Bei der Selektion der Einzeltitel sollte man sich daher ebenso wie bei den
Banken auf die „National Champions“ ihrer jeweiligen Heimatländer fokussieren. Innerhalb
der unterschiedlichen Ausrichtungen der Geschäftsfelder wären sowohl Rückversicherungen
als auch gemischte Sach-, Lebens- und Krankenversicherungen den
ausschließlichen Lebens- oder Krankenversicherungen vorzuziehen.
Ein wichtiges
Merkmal für die Qualität von Versicherungs-Nachrangtiteln stellt die Solvabilitätsquote
(SII) dar. Gut ausgestattete Versicherungen weisen fast ausschließlich
Solvabilitätsquoten von 200 Prozent und darüber aus. Der Kapitalpuffer bis zu einem potenziellen Kuponausfall,
der bei Versicherungen bereits im Tier 2-Bereich möglich ist, ist somit sehr
hoch. Die Wahrscheinlichkeit einer Kündigung der Anleihen an den jeweiligen
Kündigungszeitpunkten liegt bei Versicherungen nochmal etwas höher als bei
Nachranganleihen von Banken. Denn schließlich gehören eine gute Reputation und
Verlässlichkeit zu den wichtigsten nicht-ökonomischen Vermögenswerten eines
Versicherungsunternehmens.
Nischensegment Nachranganleihen – der Geheimtipp fürs
Portfolio
Grundsätzlich ist die Assetklasse Nachranganleihen für
alle Anleger interessant, die ihr Portfolio diversifizieren möchten – sowohl
für Institutionelle Investoren wie Stiftungen, Versicherungen oder
Versorgungswerke als auch für Vermögensverwalter, Sparkassen und Privatanleger.
Da mit der höheren Zinserwartung auch ein größeres Bonitätsrisiko einhergeht,
lohnt es sich in diesem Segment umso mehr, auf die Expertise eines erfahrenen
Fondsmanagements zu setzen.
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