
In der Vergangenheit war es für Anleger schwierig, durch Wertpapierselektion signifikantes Alpha zu erzielen. Ein dynamischer neuer Ansatz zur Bonitätsbewertung könnte dies ändern.
23.10.2026 | 10:37 Uhr
Angesichts der Breite und Vielfalt des Unternehmensanleihenmarkts ist die manuelle Auswahl einzelner Wertpapiere mitunter ineffizient. Deshalb haben wir eine leistungsfähige neue Scoring-Methodik entwickelt, die systematisch quantitative und fundamentale Analysen nutzt, um neue Quellen für Outperformance (Alpha) zu generieren.
Die Komplexität und der schiere Umfang des Kreditmarkts unterstreichen die Herausforderungen, Alpha durch die Anleiheauswahl zu generieren. Das weltweite Universum an Unternehmensanleihen umfasst fast 20.000 Wertpapiere, was die Wertpapierauswahl sowohl zeitaufwendig als auch übermäßig subjektiv gestalten kann. Teilweise aus diesem Grund gelingt es vielen im Portfoliomanagement nicht, durch die Wertpapierauswahl nennenswertes Alpha zu erzielen, weshalb sie sich stärker auf Hebel wie Beta-Timing und Sektorrotation stützen.
Wir halten dies für eine vertane Chance. In jedem Markt – insbesondere jedoch im heutigen Umfeld – birgt die Wertpapierauswahl das Potenzial, signifikantes Alpha zu generieren. Historisch gesehen haben die erhöhte Volatilität und die Entkoppelung der Zinsregime, die wir derzeit beobachten, zu einer stärkeren Dispersion sowie zu idiosynkratischen Chancen auf Emittenten- und Wertpapierebene beigetragen.
Glücklicherweise können Anlageverantwortliche unseres Erachtens potenzielles Alpha generieren, indem sie quantitative Methoden mit fundamentaler Bottom-up-Analyse kombinieren. Die Herausforderung besteht darin, riesige Datenmengen effizient in bessere Anlageergebnisse umzuwandeln.
Unser Ansatz führt sowohl fundamentale als auch quantitative Inputs systematisch in ein proprietäres Scoring-Modell zusammen, das Anleihen nach ihrer Attraktivität bewertet. Wir nennen dies einen „Core Score“.
So funktioniert es.
Im Mittelpunkt der Core-Score-Methodik steht die traditionelle fundamentale Research-Analyse. Das Credit-Analyseteam führt eine gründliche Due-Diligence-Prüfung von Emittenten und Wertpapieren durch und bewertet verschiedene Szenarien für jede Anleihe – einschließlich eines Basisszenarios sowie positiver und negativer Szenarien. Diese Bandbreite an Szenarien fließt dann als Teil unseres Fair-Value-Modells ein, um die Attraktivität einer Anleihe im Verhältnis zur aktuellen Marktpreisgestaltung zu bestimmen. Dies bildet die Grundlage für das fundamentale Scoring jedes Wertpapiers.
Der zweite Teil des Prozesses umfasst quantitatives Research. Das Analyseteam filtert Anleihen anhand verschiedener prädiktiver Faktoren mit nachweisbarem Zusammenhang zur historischen Wertentwicklung, wie etwa Momentum, Relative Value oder Ausfallwahrscheinlichkeit. Sobald Wertpapiere durch eine Faktoranalyse bewertet wurden, wird jeder Anleihe ein quantitativer Score zugewiesen, der die Einschätzung unseres quantitativen Research-Teams hinsichtlich ihrer Attraktivität widerspiegelt.
Die fundamentalen und quantitativen Scores werden anschließend kombiniert. Das Ergebnis ist ein einheitlicher Core Score für jede Anleihe (Abbildung). Der Core Score prägt unser Verständnis des Ertragspotenzials einer Anleihe im Verhältnis zu ihrem Risiko und ermöglicht es dem Portfoliomanagement, unsere besten Ideen konsequent in Kundenportfolios umzusetzen. Wir sind davon überzeugt, dass dies die Wahrscheinlichkeit erhöht, durch die Wertpapierselektion Alpha zu generieren.

Was macht den Core Score so leistungsstark?
Nichts ersetzt fundierte fundamentale Analyse; doch die enorme Größe des globalen Anleihemarkts erfordert zudem einen quantitativen Prozess, der eine umfassende Abdeckung ermöglicht. Unser Core-Score-Modell macht Research skalierbarer und zielgerichteter – so können wir fundierte Entscheidungen zu vielen einzelnen Wertpapieren treffen. Letztlich sind wir davon überzeugt, dass die konsequente Identifizierung zahlreicher falsch bewerteter Wertpapiere mit starkem risikobereinigtem Ertragspotenzial einen intelligenteren Ansatz für das Management von Anleiheportfolios darstellt.
Da unsere Methodik datengestützt ist, arbeitet sie effizient und effektiv – vergleichbar mit täglichem Training, dessen kleine Fortschritte sich im Laufe der Zeit summieren. Der Core-Score wird täglich für jede Anleihe in einem Referenzindex aktualisiert – dies umfasst bestehende und neue Emissionen. Das ist von Bedeutung, da allein am US-Investment-Grade-Markt an einem beliebigen Tag mehr als 40 Tranchen von Dutzenden neuer Emittenten hinzukommen können – ganz zu schweigen vom Volumen globaler Emissionen.
Weniger sichtbar für Anleger ist die Flexibilität, die der Core-Score bietet – dazu zählt mehr Zeit für Analysten, um mit Emittenten* in Kontakt zu treten und einzigartige, zukunftsorientierte Erkenntnisse zu gewinnen, sowie die Fähigkeit, dynamischer auf Veränderungen der Marktpreise zu reagieren. Dies ist besonders wichtig in den heutigen schnelllebigen Märkten, in denen es entscheidend ist, Chancen zu nutzen, die andernfalls möglicherweise verpasst würden.
Ein Core-Score ist zwar in jedem Marktumfeld sinnvoll, wir halten ihn jedoch angesichts des aktuellen globalen Kreditumfelds und der erhöhten Volatilität für besonders relevant. Unserer Ansicht nach können es sich Anleger nicht leisten, idiosynkratische Chancen zu verpassen. Unserer Einschätzung nach könnte der Core Score opportunistischen Anlegern ein wirkungsvolles neues Instrument bieten, um Alpha zu erschließen.
*AB tritt mit Emittenten in Dialog, sofern AB davon ausgeht, dass dieses Engagement im besten Interesse seiner Kunden liegt.
Die in diesem Dokument zum Ausdruck gebrachte Meinungen stellen keine Recherchen, Anlageberatungen oder Handelsempfehlungen dar und spiegeln nicht notwendigerweise die Ansichten aller Portfoliomanagementteams bei AB wider. Die Einschätzungen können sich im Laufe der Zeit ändern.
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