S&P-500-Gewinne dürften um 15 % steigen

Stephen Dover, Chef-Marktstratege und Leiter des Franklin Templeton Institute
Aktienindex

Das starke Gewinnwachstum stützt unseren positiven Ausblick für Aktien. Der Gewinn pro Aktie des S&P 500 dürfte in diesem Jahr um etwa 15 % steigen.

15.07.2026 | 10:25 Uhr

Obwohl der S&P-500-Index in der ersten Jahreshälfte 2026 um fast 7 % gestiegen ist, ist sein erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis gesunken, was darauf hindeutet, dass das Gewinnwachstum – und nicht die Ausweitung der Bewertungskennzahlen – den Marktanstieg maßgeblich vorangetrieben hat. Mit anderen Worten: Die Anleger sind trotz höherer geopolitischer Risiken diszipliniert geblieben, und der US-Aktienmarkt erscheint uns nicht überbewertet.

Wir gehen davon aus, dass sich die Marktführerschaft in der zweiten Jahreshälfte 2026 über Large-Cap-Technologieaktien hinaus weiter ausweiten wird. Die sich verbessernden Gewinne machen US-Small- und Mid-Cap-Aktien, Schwellenländer und Japan attraktiver. Auch die Renditen seit Jahresbeginn deuten darauf hin, dass Anleger Unternehmen mit stärkeren Gewinnen zunehmend belohnen. So führte beispielsweise der Russell 2000 Value Index mit einem Plus von fast 17 % die wichtigsten Teilindizes an, gestützt durch ein Gewinnwachstum von mehr als 40 %.

Außerhalb der USA zeigt sich ein ähnliches Muster. Der MSCI Emerging Markets Index hat seit Jahresbeginn um fast 20 % zugelegt, gestützt durch ein Gewinnwachstum von bis zu fast 40 % in den Jahren 2026 und 2027. Dennoch bleiben die Bewertungen attraktiv. Während der S&P 500 Index bei etwa dem 21-fachen der erwarteten Gewinne notiert, wird der MSCI Emerging Markets Index bei etwa dem 13-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt und bietet derzeit eine Dividendenrendite von knapp 3 %.

Viele globale Anleger sind nach Jahren relativer Underperformance in Schwellenländern nach wie vor untergewichtet. Wir glauben, dass diese Untergewichtung einen potenziellen Rückenwind für Schwellenländeraktien schafft; schon eine moderate Verlagerung der Kapitalströme könnte die Renditen deutlich stützen.

Kurz gesagt: Wir bleiben für den Rest des Jahres 2026 gegenüber globalen Aktien positiv eingestellt. Steigende Gewinne dürften Chancen in einem breiteren Spektrum von Märkten bieten, insbesondere

in Bereichen, die in den letzten Jahren vernachlässigt wurden. In der zweiten Jahreshälfte bevorzugen wir US-Small- und Mid-Cap-Aktien, Value-Aktien und Finanzwerte, behalten aber gleichzeitig unser Kernengagement in KI-bezogenen Themen bei, in denen führende Unternehmen weiterhin von umfangreichen Investitionen und der Einführung neuer Technologien profitieren. Weltweit sehen wir unsere größte Chance am Aktienmarkt weiterhin in den Schwellenländern.

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