AB: Gesundheitsaktien - Vier Fragen für die Erholung

AB: Gesundheitsaktien - Vier Fragen für die Erholung

Trotz der enttäuschenden Erträge von Gesundheitsaktien während der Pandemieerholung findet sich immer noch eine Fülle von Wachstumspotenzial. Diese vier Fragen können Anlegern helfen, interessante Bereiche zu identifizieren.

17.06.2021 | 13:06 Uhr

Seit Beginn der Pandemie haben viele Anleger dem Gesundheitssektor große Aufmerksamkeit geschenkt. Doch seit der Erholung vom COVID-19-bedingten Crash im April 2020 und im bisherigen Jahresverlauf sind die globalen Gesundheitsaktien hinter dem breiteren Markt zurückgeblieben (Abbildung).

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Woher rühren die Fehlerträge? Erstens war der Sektor von einer Rotation in konjunktursensiblere Branchen betroffen, da sich die Anleger für eine konjunkturelle Wiederbelebung nach COVID-19 positionierten. Zweitens wurden unrentable kleinere Biotechunternehmen in diesem Jahr nach hohen, aber volatilen Gewinnen im Jahr 2020 abverkauft. Und schließlich haben steigende Zinsen die Gewinne von Wachstumsaktien im Allgemeinen – einschließlich des Gesundheitswesens – gedrückt, die tendenziell von niedrigeren Abzinsungssätzen profitieren. Unserer Ansicht nach untergraben diese Trends jedoch nicht die langfristige Attraktivität innovativer Gesundheitsunternehmen mit soliden Geschäftsgrundlagen. Die folgenden Fragen können helfen, den Weg zu attraktiven Chancen in diesem Sektor zu weisen.

1. Wie hat die Entwicklung von COVID-19-Impfstoffen die Gesundheitsbranche verändert?

Der Erfolg der mRNA-Technologie hat das Repertoire der Arzneimittelhersteller um eine wichtige Komponente erweitert. Wir haben aus der Pandemie gelernt, dass diese neue Technologie schnell hochskaliert werden kann, um einen hochwirksamen Impfstoff zu liefern. Sie wird nicht überall erfolgreich sein, wo sie eingesetzt wird. Aber wir können uns wahrscheinlich auf neue mRNA-getriebene Impfstoffe gegen Grippe freuen – und möglicherweise auch gegen Malaria, HIV und bestimmte Krebsarten.

Auch die Medikamentenentwicklung hat sich beschleunigt. Die Dringlichkeit der COVID-19-Impfstoffe löste Innovationen bei klinischen Studien aus, die breiter angewandt werden sollen. Wir glauben zum Beispiel, dass einige klinische Studien neue Technologien nutzen werden, um Probanden aus der Ferne zu überwachen, anstatt dass Patienten für Tests ins Krankenhaus kommen müssen. Auch die Regulierungsbehörden haben gezeigt, dass sie Bürokratie abbauen und Prozesse beschleunigen können. Die Zeit bis zur Markteinführung eines Medikaments könnte sich vom derzeitigen Standard von sieben bis zehn Jahren um etwa ein bis zwei Jahre verbessern.

2. Was bedeutet die Politik der Biden-Regierung für den so wichtigen US-Gesundheitsmarkt?

Es wurde viel darüber geredet, welche Politik Biden im Gesundheitsbereich umsetzen könnte, insbesondere bei der Preisgestaltung von Medikamenten oder der Krankenversicherung. Bislang gibt es keine Anzeichen für größere Initiativen im Gesundheitswesen. Selbst innerhalb der Demokratischen Partei gibt es erheblichen Widerstand gegen eine größere Reform der Medikamentenpreise wie etwa eine Referenzpreisgestaltung, welche die US-Medikamentenpreise an die Preise in Europa koppeln würde. Auch die Bemühungen, die Patente auf COVID-19-Impfstoffe auszusetzen, um die Kosten für Schwellenländer zu senken, stecken fest. Das setzt einen internationalen Konsens voraus, und Deutschland hat sich kürzlich dagegen ausgesprochen. Insgesamt erwarten wir also keine extremen politischen Veränderungen, was das politische Risiko für Anleger reduziert.

3. Identifiziert ein ESG-Fokus einzigartige Risiken oder Chancen für Unternehmen im Gesundheitswesen?

Die Integration von Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsfaktoren (ESG-Faktoren) in die Analyse von Unternehmen des Gesundheitswesens wird für Aktienanleger immer wichtiger. Wir sind der Meinung, dass Unternehmen, welche die Qualität der Gesundheitsversorgung verbessern, einen positiven Einfluss auf das gesamte System haben, wodurch sie in einer Zeit steigender Gesundheitskosten und verstärkter staatlicher Eingriffe gut für Wachstum positioniert sind.

Die Gesundheitsversorgung kann verbessert werden, indem man die Kosten senkt, den Nutzen für die Patienten erhöht oder beides. Eine weitere Möglichkeit, den Wert zu messen, ist die Verknüpfung der Gesundheitsversorgung mit sozialen Determinanten der Gesundheit, wie etwa Wohnsituation, Alter, soziale Integration und Bildung, die dazu beitragen können, negative Folgen zu reduzieren. Die Zusammenarbeit mit qualitätssteigernden Unternehmen ist unserer Ansicht nach ein effektiver ESG-Rahmen für Investitionen in den Gesundheitssektor.

Durch die Konzentration auf wertschöpfende Ergebnisse hat UnitedHealthcare beispielsweise die Dauer der Krankenhausaufenthalte pro Fall um 40 % verkürzt und die Sterblichkeitsrate bei Patienten mit angeborenen Herzerkrankungen um 41 % gesenkt. Patienten, welche die Ressourcen des Unternehmens zur Kosten- und Wellnesstransparenz genutzt haben, zahlten fast 30 % weniger als Patienten, die das nicht taten. Edwards Lifesciences stellt Herzklappen her, die viel preiswerter sind als jene der Konkurrenz, was kürzere Genesungszeiten begünstigt und den Menschen hilft, länger zu leben. Diese Beispiele zeigen, wie ein wertorientierter ESG-Ansatz, der sich auf den Patientennutzen konzentriert, auch bessere Geschäftsergebnisse für Unternehmen schaffen kann – und die Erträge für Anleger unterstützt.

4. Welche neuen Trends im Gesundheitswesen sollten Anleger beachten?

Die Diagnostik ist ein spannendes Segment der Branche. Die Pandemie hat uns auf schmerzliche Weise gelehrt, dass eine ausgefeiltere Testinfrastruktur dazu hätte beitragen können, die Ausbreitung von COVID-19 zu verhindern. Daher wird es verstärkte Anstrengungen geben – vor allem vonseiten der Regierungen –, um präventive Diagnostikmöglichkeiten zu entwickeln. Wir werden erhebliche Investitionen in Überwachungs- und Nachverfolgungssysteme sehen.

Die Bemühungen, die medizinische Versorgung näher an den Wohnort zu bringen, nehmen zu. Je mehr Menschen ambulant behandelt werden können und je früher man eingreifen kann, desto besser ist es für den Patienten und für die Gesellschaft. Technologie wird auch breiter eingesetzt werden, zum Beispiel, um Patienten zu identifizieren, die ein Risiko für einen schlechten Ausgang haben, was helfen kann, die Reihenfolge der Versorgung zu bestimmen.

Auch die Datenanalyse wird immer häufiger eingesetzt, um die Ergebnisse auf innovative Weise zu verbessern. Zum Beispiel können sie Chirurgen helfen, ihre Fähigkeiten zu verfeinern, und zu verstehen, wo ihre Technik Verbesserungspotenzial aufweist.

Diese Trends schaffen einen guten Nährboden für Aktienanleger. Lassen Sie sich jedoch nicht von der Wissenschaft blenden; aufregende Medikamente in der Entwicklung und neue Technologien allein sind unserer Meinung nach kein guter Wegweiser für den Anlageerfolg. Die Konzentration auf die Fundamentaldaten der Unternehmen – Bilanzen, Wettbewerbsvorteile, Cashflows und Profitabilität – ist der beste Weg, um innovative Gesundheitsunternehmen zu finden, die gut positioniert sind, um den Anlegern in einer sich schnell entwickelnden Welt nach der Pandemie langfristige Erträge zu liefern.

Vinay Thapar ist Portfoliomanager und Senior Research Analyst für US Growth Equities und International Healthcare Portfolio bei AllianceBernstein (AB).

Ryan Oden ist ESG-Aktienresearchanalyst bei AllianceBernstein (AB).

In diesem Dokument zum Ausdruck gebrachte Meinungen stellen keine Analysen, Anlageberatungen oder Handelsempfehlungen dar, spiegeln nicht unbedingt die Ansichten aller Portfoliomanagementteams bei AB wider und können von Zeit zu Zeit überarbeitet werden.

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