INVIOS: Negativzinsen sind positiv – zumindest aus verhaltensökonomischer Sicht

INVIOS: Negativzinsen sind positiv – zumindest aus verhaltensökonomischer Sicht

Strafzinsen, Negativzinsen, Minuszinsen oder Verwahrentgelte, wie die Banken es nennen, belasten Sparer nun schon seit 2014. Immer mehr Banken ziehen diese Gebühren von immer kleineren Beträgen vom Guthaben ab.

01.07.2021 | 07:15 Uhr

„Damit sind Negativzinsen die sichtbarste Form der Geldentwertung“, sagt Nikolas Kreuz, Geschäftsführer der INVIOS GmbH. „Noch gefährlicher aber ist die Inflation.“

Mitte Juni stellten von rund 1.300 Kreditinstituten in Deutschland circa 400 ihren Kunden Negativzinsen beziehungsweise Verwahrentgelte in Rechnung. Viele davon schon ab 25.000 Euro, ist auf dem Vergleichsportal Verivox nachzulesen. Aber auch kleinere Summen werden nicht verschont: Zwölf Banken und Sparkassen nehmen schon Minuszinsen ab 10.000 Euro auf dem Konto und selbst bei 5.000 Euro schlagen derzeit schon zwei Institute zu. Dabei handelt es sich nicht etwa um relativ unbekannte Geldhäuser, sondern betrifft Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken.

„Am Anfang waren die Banken noch zögerlich, doch nun geben sie die Zinsen, die sie bei der Europäischen Zentralbank für das Hinterlegen von Geld bezahlen müssen, an die Sparer weiter. Diese Dynamik wird in der zweiten Jahreshälfte noch zunehmen“, sagt Kreuz. 2014 waren es noch -0,1 Prozent, aktuell liegen viele Banken schon bei -0,5 Prozent Zinsen. Doch das muss gar nicht schlecht sein: „Wenn Banken ihren Kunden Negativzinsen berechnen, wird der Vermögensverlust direkt sichtbar“, sagt Kreuz. „Unsichtbar, dafür umso dramatischer, ist die Schneise, die die Inflation ins Vermögen schlägt.“ Verhaltensökonomisch ist das jetzt ein Weckruf, über die eigene Kapitalanlage nachzudenken.

Die Negativzinsen schmerzen mehr, weil der Effekt sichtbar ist. Aus 100 Euro auf dem Konto werden bei einem Negativzins von 0,5 Prozent und unter Vernachlässigung eines Freibetrages nach 30 Jahren 86 Euro. Unterstellt man die von der EZB gewünschte Inflationsrate von zwei Prozent, werden aus den 100 Euro nach 30 Jahren weniger als 55 Euro. „Der verhaltensökonomische Nachteil der Inflation ist nur: Man sieht die unmittelbaren Auswirkungen nicht, da auf dem Bankkonto ja immer noch nominal 100 Euro abzüglich der Verwahrentgelte stehen“, sagt Kreuz.

„So betrachtet ist der um sich greifende Negativzins fast schon ein willkommener Auslöser, der dazu antreibt, sich mit seinem Kapital zu beschäftigen“, so Kreuz. „Mit dem positiven Nebeneffekt, einen viel größeren Wertverlust aus anderer Quelle zu vermeiden.“ Denn laut Bundesbank-Statistik wird das Geldvermögen der Deutschen unverändert von wenig bis gar nicht rentierlichen Anlageformen dominiert. Einer Studie der Postbank zufolge ist die beliebteste Anlageform der Deutschen das Sparkonto, wie 53 Prozent angeben, direkt gefolgt vom Girokonto (34 Prozent).

„Aus Sicht der Neuro-Finanz ist der Schmerz, den wir durch den Negativzins empfinden, ein schlechter Ratgeber“, so Kreuz. Er verleitet zu einer panikartigen Fluchtreaktion, viele stecken Geld in fragwürdige Investments, nur weil die ein paar Prozente mehr versprechen, oder gehen gleich in Kryptowährungen. „Von Null auf Bitcoin ist definitiv keine gute Idee“, sagt Kreuz. Gerade jetzt gehe es darum, sich nicht vom emotionalen, schnell arbeitenden Gehirnteil dominieren zu lassen, sondern den rationalen, dafür aber auch langsamer arbeitenden Teil des Gehirns einzusetzen. Es geht also darum, Struktur ins Portfolio zu bringen. Diversifikation ist nicht nur unter Risikoaspekten wichtig, sondern auch verhaltensökonomisch. „Ohne größere Risiken wird es nie eine höhere Rendite geben, aber eine breite Streuung glättet die Wogen, lässt ruhiger schlafen, denn das Angstzentrum wird nicht stimuliert“, sagt Kreuz.

Für Bankkunden kann es dabei durchaus sinnvoll sein, darüber nachzudenken, wie Beträge auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto besser angelegt werden können. Beispielsweise kooperiert INVIOS mit Banken, die keine Verwahrentgelte in Rechnung stellen, stattdessen ihren Kunden für monatlich verfügbare Einlagen sogar noch Zinsen zahlen und über die Einlagensicherungssysteme abgesichert sind. Allerdings heißt es auch dabei aufzupassen, dass die Bank nicht nur Anlageprodukte vermittelt, die für sie günstig sind. Auch Fonds bieten Lösungen, um dem Verwahrentgelt zu entgehen. „Ein gutes Beispiel dafür können kurzlaufende Rentenfonds mit Währungsbeimischung oder mit Bonitätsabstufungen im BBB-Bereich sein“, sagt Kreuz. „Sozusagen als Zwischenspeicher, bevor in längerfristige Investments mit höherem Risiko investiert wird.“

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