
Die Midterm Elections in den USA haben zu einem Split Government geführt: Die Demokraten übernehmen die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses, während das Weiße Haus republikanisch bleibt.
05.11.2026 | 05:45 Uhr
Damit wird die politische Handlungsfähigkeit von
Präsident Trump spürbar eingeschränkt. Welche Auswirkungen dieser
Wahlausgang für die Börsen und für Anleger haben kann, führt Reinhard
Pfingsten, Chief Investment Officer der apoBank, aus:
„Aus Marktsicht ist damit das wahrscheinlichste Szenario eingetreten. Entsprechend
bleiben die Marktreaktionen bislang überschaubar. Nach anfänglichen
Kursverlusten an den asiatischen Aktienmärkten, insbesondere im
Technologiesektor, setzte im Handelsverlauf eine Erholung ein.
Die versöhnlichen Äußerungen Donald Trumps nach der Wahl, der seine
Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Demokraten betonte, haben die Sorgen
vor einer politischen Eskalation in Washington zunächst gedämpft und damit zur
Stabilisierung der Marktstimmung beigetragen.
Der Wahlkampf Richtung 2028 startet heute. Positiv zu bewerten ist dabei, dass
vor allem die gemäßigten, pragmatischen Senatoren wie Jon Ossoff in Georgia
ihre Wahlen beeindruckend gewonnen haben und damit das Risiko eines
Linksrucks der Demokraten mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die
Kapitalmärkte in den Hintergrund gerückt ist.
Größere fiskalpolitische Vorhaben werden künftig deutlich schwerer
umzusetzen sein. Für weitreichende Steuer-, Ausgaben- oder
Infrastrukturprogramme wird die Regierung auf die Zustimmung der Demokraten
angewiesen sein. Der politische Entscheidungsprozess wird zwar konfliktreicher,
gleichzeitig steigen jedoch die institutionellen Kontrollmechanismen.
Für den Anleihemarkt ist dies grundsätzlich positiv. Der Spielraum für
zusätzliche schuldenfinanzierte Programme wird kleiner, was den Druck auf
Staatsverschuldung und das Angebot neuer Staatsanleihen begrenzt.
Für Aktien ist das Umfeld grundsätzlich konstruktiv. Die Aussicht auf
politische Blockaden begrenzt das Risiko weitreichender Eingriffe in die
Wirtschaft und erhöht die Planungssicherheit für Unternehmen.
Gleichzeitig könnten die Demokraten versuchen, den regulatorischen Druck auf
den Technologiesektor zu erhöhen. Das könnte einzelne Unternehmen sowie
geplante Börsengänge im KI-Sektor, beispielsweise von Anthropic, stärker in den
Fokus der Investoren rücken.
Anleger dürften nach Abschluss der Wahlen wieder stärker auf die
wirtschaftlichen Fundamentaldaten achten. Konjunktur, Inflation, Geldpolitik
und Unternehmensgewinne bleiben die entscheidenden Treiber für die Entwicklung
der Kapitalmärkte. Die US-Wirtschaft zeigt sich weiterhin
widerstandsfähig. Ein robuster Arbeitsmarkt, ein stabiler Konsum und solide
Unternehmensgewinne bilden ein tragfähiges Fundament für Risikoanlagen.“
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