
Ende Februar 2026 eskalierte der Konflikt im Nahen Osten deutlich: USA und Israel starteten eine groß angelegte Militäraktion gegen den Iran, die sich gegen politische, militärische und infrastrukturelle Ziele richtete.
25.03.2026 | 08:17 Uhr
Der Iran reagierte mit massiven Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie US-Stützpunkte in der Region. Die zeitweise Schließung von Lufträumen und der Straße von Hormus sowie Angriffe auf Energieinfrastruktur haben die geopolitischen Spannungen weiter verschärft und bergen Risiken für die globale Öl- und Gasversorgung. Trotz erheblicher militärischer Verluste bleibt der Iran auch Wochen nach Beginn der Eskalation handlungsfähig. Gleichzeitig gibt es widersprüchliche Signale hinsichtlich möglicher Verhandlungen, sodass der weitere Verlauf des Konflikts weiterhin von hoher Unsicherheit geprägt ist. Kurzfristig dominieren geopolitische Faktoren – mittelfristig entscheidet die Geschwindigkeit einer möglichen Deeskalation über die Richtung der Märkte
Der zentrale Treiber für die Märkte bleibt der Ölpreis. Die Eskalation im Nahen Osten und die Störungen rund um die Straße von Hormus haben Brent zeitweise auf nahezu 120 USD getrieben und stabil über 100 US-Dollar verankert – mit unmittelbaren Auswirkungen auf Inflation und Wachstum. Die Kapitalmärkte reagieren entsprechend: Aktien unter Druck, insbesondere in Europa und Asien, steigende Staatsanleiherenditen und ein fester USD. Gleichzeitig verschieben sich die geldpolitischen Erwartungen deutlich. Während die US-Notenbank Fed derzeit keine Zinssenkungen mehr erwarten lässt, preist der Markt für die EZB inzwischen zwei Zinserhöhungen im Mai und im Juni ein. Edelmetalle wie Gold und Silber gerieten vor dem Hintergrund steigender Zinsen und eines stärkeren Dollars unter Druck, während der Bitcoin zulegen konnte. Die Wachstumserwartungen für Europa und Teile Asiens wurden bereits nach unten korrigiert, gleichzeitig dürfte die globale Inflation höher als bisher angenommen, ausfallen. Das Ausmaß der wirtschaftlichen Auswirkungen bleibt unsicher und hängt maßgeblich von der Dauer des Konflikts sowie der Stabilität der globalen Lieferketten ab.
Unsere Basisannahme bleibt ein zeitlich begrenztes militärisches Engagement der USA. Ein längerer Konflikt liegt weder im politischen Interesse von Donald Trump noch im Interesse der US-Bevölkerung. Hohe Kosten, steigende Staatsschulden und vor allem deutlich gestiegene Energiepreise belasten die US-Wirtschaft und erhöhen den politischen Druck – insbesondere mit Blick auf die anstehenden Zwischenwahlen. Vor diesem Hintergrund spricht vieles für eine rasche Deeskalation, auch da Israel allein die aktuelle Intensität des Konflikts kaum dauerhaft aufrechterhalten könnte.
Ob der Iran im Falle eines US-Deeskalationsversuchs die Schifffahrt in der Straße von Hormus wieder risikolos zulassen würde, kann kaum prognostiziert werden. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, da damit die eigenen Rohöllieferungen bspw. nach China wieder reibungslos aufgenommen werden können. Sollte die Sperrung länger als erwartet anhalten, wären die Folgen:
In einem solchen Szenario könnten die Notenbanken gezwungen sein, die Leitzinsen anzuheben. Gleichzeitig dürften staatliche Ausgaben zur Stärkung der Energieversorgung weiter steigen und – neben bereits erhöhten Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung – das Wachstum zusätzlich stützen, und zwar nicht nur in Deutschland.
Unsere konjunkturellen Szenarien für Deutschland aus heutiger Sicht:
Fazit: In beiden Szenarien erscheint mindestens eine Leitzinsanhebung der EZB wahrscheinlich. Trotz der positiven Gegenbewegung an den Börsen seit dem 23. März bleibt das Risiko erneuter Rücksetzer bei Aktien und wieder steigender Anleiherenditen bestehen – insbesondere im Risikoszenario und bei stärker als erwarteten Zinsschritten. Unser Basisszenario bleibt jedoch eine Deeskalation. Wir gehen davon aus, dass ein Großteil der negativen Effekte bereits eingepreist ist. Konkretisieren sich entsprechende Signale, dürfte dies deutliches Aufwärtspotenzial an den Kapitalmärkten freisetzen.
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Eva Fiedler
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