Homeoffice Story: Benno Kriews, AXA IM

FundResearch TV dokumentiert im Rahmen der Web-Konferenz „Fonds im Fokus“ den derzeit nicht alltäglichen Alltag von Finanzprofis. Heute: Benno Kriews, Director Wholesale (CEFA) bei Axa Investment Managers.

28.05.2020 | 07:30 Uhr

Herr Kriews, wie sieht Ihr Tag aus?

Benno Kriews: Social Distancing hat derzeit zwei Seiten für mich. Einerseits ist es entspannender und gleichzeitig auch effizienter, von zu Hause aus zu arbeiten. Und es ist auch keine riesige Umstellung für mich. Bei AXA IM nutzen wir bereits seit eineinhalb Jahren das „mobile Working“-Konzept und ich genieße es, täglich meine kleine Tochter aufwachsen zu sehen. Zudem sind sowohl der Weg zur Arbeit als auch im Tagesverlauf der Weg zur Kaffeemaschine kürzer. Andererseits geht dadurch auch etwas verloren. Denn am Kaffeeautomaten im Büro trifft man Kollegen, von denen man im persönlichen Austausch auch Dinge erfährt, die man sich bei Videokonferenzen vielleicht nicht so erzählt. Es ist schon gut, dass nun im Alltag wieder mehr Bewegungsfreiheit herrscht. Wir sind eben doch soziale Tiere. Außerdem glaube ich, dass unser Immunsystem auch durch Austausch gestärkt wird.

Benno Kriews, Director Sales Germany, Client Group Core (CEFA)

Was hat sich in den vergangenen Wochen für Sie verändert?

Benno Kriews: Ich mache aufgrund der Restriktionen zwar weniger Sport im Fitnessstudio. Dennoch trainiere ich mehrmals die Woche auf dem Rennrad oder nutze im heimischen Garten das Spielequipment unserer Tochter als Trainingsgeräte wie Klimmzüge oder den Spielsand für zusätzliche Gewichte. Ich bin im Sportverein aktiv, spiele selbst Volleyball, organisiere aber auch mit. Wir haben bereits das Konzept für die Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs erarbeitet, sodass es von nun an endlich wieder mit Beach Volleyball losgehen kann. Die Hallen sind ja jetzt wieder offen. Wir müssen uns jetzt gut organisieren und weiterhin die Hygienemaßnahmen einhalten. 

Keine Warteschlangen, Regeln für Besucher und Zuschauer, Verhaltensregeln für die Umkleidekabinen und die Duschen. Es ist alles sehr bürokratisch und natürlich lästig.

Aber es ist doch im Sinne der Gesundheit Aller, oder?

Benno Kriews: Es ist schon okay, ich halte mich ja auch an die Vorschriften. Gleichzeitig denke ich, dass man, wenn man sich abwechslungsreich und gesund ernährt, in Maßen Sport macht und sich in diesen Zeiten ein wenig vorsichtiger verhält und vernünftigen Abstand hält, eigentlich normal weiterleben kann. Es ist schade, dass die Politik den Menschen offensichtlich weniger Eigenverantwortung zutraut und stattdessen das Verhalten in einen strengen Regelkatalog gegossen hat. 

Dafür waren jetzt über Wochen die Straßen frei und die Züge nicht voll. 

Benno Kriews: Hätte ich meine normale Reisetätigkeit fortführen können, dann hätte ich es vielleicht genossen. Normalerweise bin ich an drei Tagen in der Woche deutschlandweit unterwegs. Von den staufreien Straßen habe ich jetzt aber leider nichts gehabt. 

Wenigstens hat es der Natur gutgetan. Deutschland wird in diesem Jahr zum ersten Mal seine selbst gesetzten Klimaziele erreichen. Glauben sie, dass das ein Einmaleffekt bleiben wird? 

Benno Kriews: Wenn die Wirtschaft wieder hochfährt, werden natürlich auch die Schadstoffemissionen wieder steigen. Aber ich bin Optimist. So, wie viele meiner Kollegen jetzt sagen, sie könnten sich auch mehr Arbeit im Homeoffice vorstellen, so werden auch in anderen Bereichen neue Prioritäten gesetzt oder bestehende Trends zu ökologischerem Bewusstsein und Handeln nun beschleunigt. Die Wirtschaft befindet sich im Wandel. Nachhaltigkeit ist kein Nischenthema mehr. 

Woran machen Sie das fest? 

Benno Kriews: Es kommen in den Gesprächen, die ich mit Vermögensverwaltern und Vermittlern führe, immer auch irgendwann die Themen ESG und die UN-Umweltziele auf. Was sie bedeuten und wie sie in den Investmentstrategien und -prozessen angewendet werden. Wir verfolgen bei AXA IM das Thema Nachhaltigkeit bereits seit 20 Jahren mit besonderem Engagement. Lange Zeit mussten wir damit um Gehör bitten. Das ist mittlerweile völlig anders. Wir werden aktiv darauf angesprochen.

Ein Kritikpunkt an dem Thema ist ja, dass es immer noch keine verbindlichen Kriterien für die Anlage gibt. Wie gehen Sie in den Gesprächen mit Ihren Kunden damit um? 

Benno Kriews: Wir sind auch gespannt, wie es mit der Regulierung in diesem Bereich weitergeht. Aber wir warten nicht auf den Gesetzgeber, sondern sind selber sehr aktiv. Wir haben am Beispiel unserer Factor-Investing-Strategie ein Modell entwickelt, mit dem wir in drei Schritten die nachhaltigen Assets auswählen, die in unsere Portfolios kommen.

Können Sie das näher erklären? 

Benno Kriews: Gerne. Nehmen wir als Ausgangsbasis die Aktienauswahl aus dem MSCI World Index, der ja aufgrund des Marktkapitaliserungsansatzes übermäßig in den am höchsten kapitalisierten Unternehmen konzentriert ist. Wir lösen dieses Problem durch eine stärkere Diversifikation bei den größten Aktien. Im zweiten Schritt kommen die Faktoren zum Tragen. Durch die Kombination von Aktien mit niedriger Volatilität und hoher Qualität in einem Portfolio erwarten wir ein besseres Risiko-/Ertragsprofil als mit jedem Faktor alleine. Im dritten Schritt filtern wir aus den übriggebliebenen Werten diejenigen heraus, die einen strengen Katalog an ESG-Kriterien erfüllen. Jedes einzelne Unternehmen wird dabei durchleuchtet und aufgrund einer Skala von eins bis zehn bewertet. Vorbildliche Unternehmen, für die Nachhaltigkeit Kernbestandteil des Geschäftsmodells ist, erhalten zehn Punkte. Unternehmen, die kein angemessenen Management von ESG Risiken zeigen, erhalten einen niedrigen Score von 0-2. So bleibt ein Aktienuniversum von rund 400 Werten übrig, wobei die aussichtsreichsten entsprechend übergewichtet werden – und zwar eben nicht nur in Hinblick auf Renditechancen, sondern auch im Hinblick auf ihre nachhaltige Entwicklung. 

Es ist aber mal wieder ein Beispiel für einen eigenen Hausstandard. Ist das der richtige Weg? 

Benno Kriews: Wenn es darum geht, in welchem Maß ein Unternehmen welchen Mix an nachhaltigen Zielen verfolgt und erreicht, sehe ich keinen pauschalen Standard, der da hilfreich wäre. Dazu ist die Wirtschaftswelt zu komplex. Wie wollen Sie vernünftig und einheitlich ein Stahlunternehmen mit einer Internetsuchmaschine vergleichen? Was aber schon hilfreich ist, ist eine einheitliche Blacklist. Außerdem ist es sinnvoll, auch auf die Entwicklung von Unternehmen zu achten. Ein Energieversorger, der aktuell vielleicht noch Atomkraft nutzt, seine Gewinne aber in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert, sollte nicht vom Kapitalmarkt benachteiligt, sondern gefördert werden. Die Europäische Union hat diese Maßgabe ja auch im Rahmen der EU-Taxonomie vorgeschlagen. Das ist der richtige Weg. 

Das klingt kompliziert. 

Benno Kriews: Ist es auch. Es ist eine sehr erklärungsbedürftige Materie. Viele meiner Kundengespräche drehen sich darum. Aber es ist eine Aufgabe, die sich lohnt.

Befüllen Sie auch die Kaffeemaschine im Büro mit Kaffee aus nachhaltigem Anbau?

Benno Kriews: AXA IM tut grundsätzlich viel in diesem Bereich. Tatsächlich wollen wir auch hier Vorbild sein. Wir beziehen unseren Büro-Kaffee von Fairtrade. 

Herr Kriews, vielen Dank für dieses Gespräch.

Fonds im Fokus - Videokonferenz
Fonds im Fokus - Videokonferenz

Mittwoch, 17.06.2020

AXA IM: Blick auf die Märkte und Factor Investing als nachhaltige Anlagestrategie

Nachhaltige Investments sind schon lange kein Nischenthema mehr, sondern stehen mittlerweile im Mittelpunkt des Interesses. Damit drängen sich neue Fragen auf: Spielt angesichts der neuen Bewertungskriterien der „Value-Faktor“ überhaupt noch eine Rolle? Welche Nachhaltigkeitskriterien erachtet man als optimale Ergänzung zu klassischen Risikoprämien am Aktienmarkt? Wie werden diese gemessen? Dr. Franz Wenzel von AXA IM erklärt im Interview, wie sich das Thema Nachhaltigkeit mit Faktorinvestments kombinieren lässt und auf welche Faktoren AXA IM den Schwerpunkt bei der Aktienauswahl legt.

Jetzt für die Videokonferenz am 17. Juni anmelden.


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