Bankhaus Herzogpark Marktkompass: Verantwortung beginnt bei der Struktur, nicht bei einzelnen Investments

Christian Opelt, Senior Berater für Stiftungen und gemeinnützige Organisationen bei Bankhaus Herzogpark
Stiftungen

Im dritten Teil der fünfteiligen Thesenreihe erläutert Christian Opelt, Senior Berater für Stiftungen und gemeinnützige Organisationen bei Bankhaus Herzogpark, inwieweit Anlagerichtlinien, Governance-Strukturen und Risikomanagement entscheidender sind als die Auswahl einzelner nachhaltiger Produkte.

26.05.2026 | 09:41 Uhr

Dabei entfalten ESG-Kriterien ihre größte Wirkung, wenn sie in eine konsistente Gesamtstrategie eingebettet sind und nicht isoliert betrachtet werden.

These 3: Verantwortung beginnt bei der Struktur, nicht bei einzelnen Investments

Die Debatte um verantwortungsvolles Investieren dreht sich oft um die Frage: Welches Produkt ist das richtige? Welcher Fonds trägt das überzeugendste ESG-Label? Welcher Anbieter wirkt am glaubwürdigsten? Diese Fragensind legitim, greifen jedoch zu kurz, wenn die grundlegende Grundstruktur der Vermögensanlage nicht stimmt.

Eine Stiftung, die ein einzelnes Impact-Investment tätigt, ohne klare Anlagestrategie, ohne definierte Risikobudgets und ohne Governance-Strukturen, die Zuständigkeiten und Kontrolle regeln, hat damit noch keine verantwortungsvolle Vermögensanlage etabliert. Verantwortung beginnt deshalb bei der Struktur. Konkret heißt das: Stiftungen brauchen Anlagerichtlinien, die Ziele, Risikotoleranz, Assetklassen und werteorientierte Kriterien klar definieren. Sie brauchen Governance-Strukturen, die festlegen, wer über welche Entscheidungen befinden darf und wie die Kontrolle sichergestellt wird. Und sie brauchen ein Risikomanagement, das nicht nur auf dem Papier existiert, sondern regelmäßig gelebt, überprüft und bei Bedarf angepasst wird.

Governance gehört zu den substanziellsten Fragen im Stiftungsmanagement – denn ohne robuste Strukturen scheitern selbst exzellente Anlagestrategien an Interessenkonflikten, Entscheidungsblockaden oder mangelnder Rechenschaftspflicht. Governance ist ein System wechselseitiger Checks, in dem die proaktive Verwaltung von Interessenkonflikten, insbesondere dort, wo Organmitglieder eigene Interessen haben können, zwingend berücksichtigt werden muss. Erst in diesem Rahmen entfalten ESG-Kriterien, Impact-Investing-Ansätze und wirkungsbezogene Auswahlkriterien ihre volle Kraft: nicht als Feigenblatt, sondern als integraler Bestandteil einer konsistenten Strategie, die zeigt: Diese Stiftung handelt so, wie sie spricht.

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