Bankhaus Herzogpark Marktkompass Stiftungen: Stiftungen sind langfristige Investoren – sie sollten sich auch so verhalten

Christian Opelt, Senior Berater für Stiftungen und gemeinnützige Organisationen bei Bankhaus Herzogpark
Stiftungen

Im vorletzten Teil der fünfteiligen Thesenreihe, erläutert Christian Opelt, Senior Berater für Stiftungen und gemeinnützige Organisationen bei Bankhaus Herzogpark, inwieweit die Langfristigkeit von Stiftungen es erlaubt, Marktzyklen auszusitzen und illiquide oder alternative Anlagen sinnvoll zu integrieren, insofern Transparenz und Risikotragfähigkeit gegeben sind.

02.06.2026 | 09:04 Uhr

These 4: Stiftungen sind langfristige Investoren – sie sollten sich auch so verhalten

Stiftungen haben gegenüber anderen Investoren einen strukturellen Vorteil: Zeit. Sie sind nicht gezwungen, auf kurzfristige Marktschwankungen zu reagieren. Sie unterliegen keinem „Börsenbarometer“ oder Aktionärskreis, der quartalsweise Rechenschaft fordert. Sie können Verwerfungen an den Kapitalmärkten aussitzen – wenn sie es wollen und wenn sie es strategisch vorbereitet haben. Genau diese Langfristigkeit ermöglicht es Stiftungen, Anlagen einzubeziehen, die für andere Investoren weniger geeignet wären. Neben einem höheren liquiden Chancenanteil (wie Aktien) kann auch Private Equity, Infrastrukturinvestments, Waldfonds, Sozialimmobilien oder wirkungsorientierte Kreditportfolios eine Rolle spielen. All das sind Anlageklassen, die eine gewisse Illiquidität mit sich bringen, dafür aber oft attraktive, stabile Erträge und eine geringe Korrelation zu den klassischen Kapitalmärkten bieten können.

Der Schlüssel liegt dabei in einer sorgfältigen Prüfung, ob Transparenz, Risikotragfähigkeit und Diversifikation gegeben sind. Illiquidität kann zum Problem werden, wenn Zahlungsverpflichtungen oder Projektaufwendungen einzuhalten sind. Hier jedoch sollte eine solide Finanzplanung für ausreichend Vorsorge tragen, dass entsprechende flüssige Mittel vorhanden sind. Zu beachten ist, dass nicht das gesamte Stiftungsvermögen liquide angelegt sein muss. Ein operativer Puffer, der möglichst ohne Verlust verfügbar sein muss, sollte etwa 6 bis 18 Monate der geplanten Ausschüttungen und Kosten abdecken. Der Auftrag lautet deshalb: den eigenen Zeithorizont bewusst als strategischen Vorteil nutzen. Stiftungen sollten ihre Anlageentscheidungen nicht an den Konventionen kurzfristig orientierter Kapitalmarktteilnehmer, sondern an ihrer eigenen, sehr langfristigen Perspektive ausrichten. Wer das tut, kann langfristig substanziell mehr Wirkung erzielen – für die Gesellschaft und für den Stiftungszweck. 

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