
Im letzten Teil der Thesenreihe, erklärt Christian Opelt, Senior Berater für Stiftungen und gemeinnützige Organisationen bei Bankhaus Herzogpark, inwieweit regulatorische Anforderungen und volatile Märkte die Anforderungen an Stiftungen erhöhen – die Organe jedoch nicht von der Verantwortung entbinden, Anlageentscheidungen regelmäßig zu überprüfen und weiterzuentwickeln.
09.06.2026 | 08:13 Uhr
Angesichts wachsender regulatorischer Vorgaben, höherer Marktvolatilität und zunehmend komplexer Anlageprodukte, wäre es verständlich, in eine Art wohlmeinende Lähmung zu verfallen. Die Komplexität ist real, die Anforderungen steigen und die Ressourcen vieler Stiftungen sind begrenzt. Doch genau hier liegt die entscheidende Weichenstellung: Komplexität ist kein Argument für Passivität, sondern ein Auftrag zur Professionalisierung. Stiftungsorgane, die sich auf die Komplexität berufen, um Anlageentscheidungen aufzuschieben oder Strukturen unreflektiert fortzuschreiben, werden ihrem treuhänderischen Auftrag nicht gerecht.
Was stattdessen gefragt ist, ist eine regelmäßige und strukturierte Überprüfung der eigenen Anlagestrategie. Mindestens einmal jährlich sollten Stiftungsgremien die wesentlichen Parameter der Vermögensanlage auf den Prüfstand stellen: Stimmen die Anlagerichtlinien noch mit den aktuellen Zielen überein? Hat sich die Risikotragfähigkeit verändert? Welche neuen Anlageklassen oder Instrumente könnten sinnvoll integriert werden?
Diese Durchschau sollte nicht als lästige Pflicht verstanden oder routinemäßig abgenickt werden. Im Abstand von drei bis fünf Jahren sollte zudem eine vertiefte Überprüfung erfolgen, an deren Ende die Anlagerichtlinien formell neu verabschiedet werden. Dieses Vorgehen diszipliniert – und stellt sicher, dass Entscheidungen informiert getroffen werden, statt aus Gewohnheit oder Unsicherheit. Externe Unterstützung durch Anlageberater oder spezialisierte Dienstleister kann dabei wertvolle Orientierung bieten, ersetzt aber nicht die eigene Urteilsbildung der Organe. Eine Stiftung, die ihre Anlagestrategie aktiv weiterentwickelt, zeigt damit nicht nur Kompetenz – sie zeigt Haltung. Sie demonstriert, dass sie bereit ist, Verantwortung ernst zu nehmen und dass nicht trotz der Komplexität, sondern gerade wegen ihr.
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