WisdomTree: Die Zeit für europäische Small Caps ist gekommen

Die Zeit für europäische Small Caps ist gekommen

In den europäischen Wirtschaftsdaten mehren sich die Hinweise auf einen beginnenden Aufschwung, insbesondere Small Caps sind günstig bewertet.

08.11.2019 | 11:40 Uhr

Aneeka Gupta
Aneeka Gupta
Aneeka Gupta, Associate Director beim auf ETPs spezialisierten Vermögensverwalter WisdomTree.

Eine Analyse von Aneeka Gupta, Associate Director beim auf ETPs spezialisierten Vermögensverwalter WisdomTree.

Wirtschaftsdaten weisen auf einen beginnenden Aufschwung in Europa 

Die makroökonomischen Daten in Europa sind seit Anfang 2018 schwach. Schuld daran sind der globale makroökonomische Gegenwind im Zusammenhang mit den Handelskriegen zwischen den USA und China sowie inländische Strukturprobleme wie die Verschärfung der Emissionsvorschriften. Die Stimmung in Bezug auf europäische Aktien ist an ihrem schwächsten Punkt angekommen. Dieser Umstand bemisst sich an den Rekordabflüssen von 8,1 Mrd. US Dollar aus European Linked Exchange Traded Funds (ETFs) in den ersten 10 Monaten des Jahres 2019. Der Vertrauensverlust der Anleger ist wohl übertrieben. Seit Kurzem deuten die Wirtschaftsdaten in Europa auf eine Trendwende hin, insbesondere im Vergleich zu den makroökonomischen Daten in den USA.

Abbildung 1: Die europäischen Wirtschaftsdaten beginnen sich zu verbessern

Die europäischen Wirtschaftsdaten beginnen sich zu verbessern
Die europäischen Wirtschaftsdaten beginnen sich zu verbessern
Die europäischen Wirtschaftsdaten beginnen sich zu verbessern

Quelle: WisdomTree, Bloomberg, Stand 21. Oktober 2019 1Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.


Ein früher Anstieg der Small Caps Preisperformance könnte weitere Aufwärtsbewegungen in den Makrodaten signalisieren

Europäische Small Caps haben die jährliche Veränderung der Industrieproduktion in der Eurozone seit dem Jahr 2000 nachgezeichnet. Nachstehende Grafik (Abb. 2) veranschaulicht die jährliche Veränderung der Industrieproduktion in der Eurozone mit einer Verzögerung von 3 Monaten gegenüber der Wertentwicklung von Small- und Large-Cap-Titeln in Europa. Erwähnenswert ist der Industriesektor das höchste Sektorgewicht unter den europäischen Small Caps (22 Prozent) im Vergleich zu den Large Caps (11 Prozent)1. Die Verbesserung der Kursentwicklung von Small-Caps- versus Large-Caps-Titeln in Europa hat in der Vergangenheit eine Erholung der Industrieproduktion in der Eurozone signalisiert.

Abbildung 2: Aktienperformance im Vergleich zur Industrieproduktion in der EU (3 Monate Verzögerung)

Aktienperformance im Vergleich zur Industrieproduktion in der EU (3 Monate Verzögerung)
Aktienperformance im Vergleich zur Industrieproduktion in der EU (3 Monate Verzögerung)
Aktienperformance im Vergleich zur Industrieproduktion in der EU (3 Monate Verzögerung)

Quelle: WisdomTree, Bloomberg, Stand 30. September 2019. 1 Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.


Brexit und deutsche Steuersenkungen – weitere Katalysatoren für europäische Small Caps

Am Horizont zeichnen sich einige Katalysatoren ab, die eine weitere Aufwärtsbewegung der Industrieproduktion in der Eurozone auslösen könnten, wie z. B. erstens eine Verbesserung der Leitindikatoren der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), zweitens eine weitere Lockerung der öffentlichen Finanzen durch Deutschland und drittens eine Entspannung in Bezug auf die mit dem Brexit verbundene Unsicherheit, denn die Wahrscheinlichkeit eines No-Deal-Brexits verringerte sich. Während das Gesetz zum Austritt am 22. Oktober „im Prinzip“ vom Parlament verabschiedet wurde, unterlag die Regierung hinsichtlich der schnellen Umsetzung. Die EU hat einer Fristverlängerung für den Brexit bis zum 31. Januar 2020 zugestimmt, damit Boris Johnson mehr Zeit hat, die Abgeordneten zur Ratifizierung des am 17. Oktober geschlossenen Abkommens zu bewegen. Zur Überwindung dieser Blockade hält Großbritannien nun am 12. Dezember Parlamentswahlen ab.Das Vereinigte Königreich (UK) ist der größte und älteste Small Cap-Markt in Europa und repräsentiert 33 Prozent des Small Caps-Universums in Europa. Der Weg, den Großbritannien bei seinem Austritt aus der EU gehen könnte, zeichnet sich mit immer deutlicherer Klarheit ab. Das ermöglicht eine weitere Aufwärtsbewegung bei europäischen Small Caps und eine größere Investitionsbereitschaft. Die nach Marktkapitalisierung nächstgrößte Small-Caps-Region ist Deutschland mit einem Anteil von 11 Prozent am europäischen Small-Cap-Markt1. Europas größte Volkswirtschaft wurde am härtesten vom Handel, der Wachstumsschwäche Chinas und den anhaltenden Handelskriegen zwischen den USA und China getroffen. Deutschland verfügt mit 29 Prozent des BIP der Eurozone über eine kontinentweite Lieferkette. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland in eine Rezession abrutscht und andere westeuropäische Volkswirtschaften mit nach unten zieht. Die Bundesregierung kündigte am 20. September 2019 bislang ein Klimaschutzpaket in Höhe von 54 Mrd. Euro an, mit dem das Emissionsreduzierungsziel bis 2030 erreicht werden soll. Dies wird voraussichtlich aus den vorhandenen Überschüssen des Energie- und Klimafonds finanziert, was einen geringfügigen fiskalischen Nettozuwachs von weniger als 1,6 Prozent des BIP bedeutet. Dies reicht bei weitem nicht zur Bekämpfung des Abschwungs der deutschen Wirtschaft aus. Wir erwarten, dass die jüngsten schwachen Wirtschaftsdaten aus Deutschland den deutschen Finanzminister Olaf Scholz dazu bewegen werden, sinnvollere finanzpolitische Anreizen einzuleiten.

Small Caps sind keine Wertefalle

Europäische Small Caps sind im Vergleich zu Large Caps attraktiv bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (P/E) von Small- versus Large-Caps-Titeln in Europa wird mit einem Abschlag von 7 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt seit 2007 gehandelt. Die geschätzte Dividendenrendite des MSCI Europe Small Cap Real Time Index von 2,97 Prozent entspricht dem langjährigen Durchschnitt seit 2007. Der Verschuldungsgrad bei Small Caps ist nur geringfügig höher als der der Large Caps Vergleichsgruppe. Dies bestätigt die Nettoverschuldung gegenüber dem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) mit dem Faktor 3,91 gegenüber 3,79. Aufgrund der verhaltenen Aussichten für Europa wiesen defensive Sektoren aufgrund ihres höheren Anteils an Large Caps eine Überbelegung auf.1 Weiterhin ebenfalls gut sind die Free-Cashflow-Renditen europäischer Small Caps mit einem Faktor von 3,62.

Abbildung 3: Small Caps gegen Large Caps Europäische Aktien werden mit einem Abschlag von 7 Prozent gegenüber ihrem langjährigen Durchschnitt gehandelt

Small Caps gegen Large Caps
Small Caps gegen Large Caps
Small Caps gegen Large Caps

Quelle: WisdomTree, Bloomberg, Stand 30. September 2019. 1 Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.


Interessanterweise hat sich die relative Gewinndynamik von Small-Cap- versus Large-Cap-Titeln in Europa in der zweiten Jahreshälfte 2019 allmählich verbessert, was sich deutlich in der Outperformance von europäischen Small-Caps niederschlägt. Europäische Large-Caps-Titel befinden sich dem gegenüber noch in einem Anfangsstadium.

Abbildung 4: Small-Cap- versus. Large-Cap-Kursentwicklung in Europa im Vergleich zur Veränderung der Gewinndynamik über 3 Monate in Prozent

Small-Cap- versus. Large-Cap-Kursentwicklung
Small-Cap- versus. Large-Cap-Kursentwicklung
Small-Cap- versus. Large-Cap-Kursentwicklung

Quelle: WisdomTree, Bloomberg, Stand 30. September 2019. 1 Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Maßstab für zukünftige Ergebnisse, und Anlagen können im Wert fallen.


Europäische Small Caps sind bekanntermaßen ineffizienter als Large Caps, sodass eine größere Wahrscheinlichkeit für die Alpha-Generierung besteht. Während die Stimmung in Europa weiterhin gedämpft ist, könnten günstige Bewertungen, eine positive Gewinndynamik in Verbindung mit einem sich langsam verbessernden makroökonomischen Hintergrund eine passende Gelegenheit für die Investition in europäische Small Caps schaffen.

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