BNP Paribas: Chancen bei Emerging Market Bonds

Bryan Carter, Head of Emerging Market Bonds bei BNP Paribas AM

Emerging-Market-Anleihen haben sich wieder gut erholt. Bei einer kleinen, aber wachsenden Zahl von Schwellenländern könne es jedoch schon bald zu einem Zahlungsausfall kommen, führt Bryan Carter, Head of Emerging Market Bonds bei BNP Paribas AM, aus.

08.01.2019 | 09:41 Uhr

Emerging-Market-Anleihen haben sich nach der Korrektur im Jahr 2018 wieder gut erholt und sind dank ihrer guten Fundamentaldaten heute wieder attraktiv. In den meisten großen Emerging Markets ist die Inflation strukturell niedrig und die Leistungsbilanzen haben  sich durchweg verbessert. In Brasilien, Russland und Indien lässt sich erneut stärkeres Wachstum feststellen. Südafrika, Malaysia und Chile erscheinen wieder politisch stabiler. „Doch der Markt ist zweigeteilt. Bei einer kleinen, aber wachsenden Zahl von Schwellenländern könnte es schon bald zu einem Zahlungsausfall kommen – insbesondere, wenn die US-Zinsen weiter steigen“, warnt Bryan Carter, Head of Emerging Market Bonds bei BNP Paribas Asset Management.

Länder wie etwa die Türkei spüren die Auswirkungen steigender US-Zinsen aufgrund ihrer hohen US-Dollar-Schulden besonders. Die Krisenanfälligkeit des Landes ist angesichts der schwachen Fundamentaldaten keine Überraschung: „Die Auslandsschulden der Türkei sind hoch und das Land benötigt für sein Wachstum viel ausländisches Kapital. Der Inflationsdruck ist ebenfalls hoch und wird durch die Währungsabwertung noch verstärkt. Auch die Notenbank reagiert unsachgemäß und der Staat mischt sich in die Geldpolitik ein“, sagt Carter. Weitere Schwellenländer mit Schuldenproblemen, schwachen Leistungsbilanzen, hoher Inflation und größeren politischen Risiken werden ebenfalls unter Druck geraten. Das gilt besonders für ihre Währungen.

Wechselkursentwicklung gegenüber US-Dollar
Wechselkursentwicklung gegenüber US-Dollar

Krise? Welche Krise?

Wie können Anleger aber zuversichtlich für die Assetklasse sein, wenn sich schon abzeichnet, dass weitere Emerging Markets ähnliche Probleme bekommen wie die Türkei? Carter dazu: „Ganz einfach, weil es aus den folgenden fünf Gründen keine allgemeine Emerging-Market-Krise gibt:“

  1. Emerging-Market-Anleihen sind außerordentlich günstig bewertet und in den Kursen sind bereits viele Ausfälle und eine hohe Volatilität berücksichtigt. „2018 sah das noch anders aus“, so Carter.
  2. Die Markttechnik von Emerging-Market-Anleihen ist seit den jüngsten Mittelabflüssen deutlich besser geworden. Umfragedaten sowie Zahlen zu börsennotierten Derivaten zeigen eine Veränderung von einer Short-Position im US-Dollar im 1. Quartal 2018 zu einer großen Long-Position im US-Dollar an, insbesondere gegenüber Emerging-Market-Währungen. Die einschlägigen Portfoliomanager sind in Emerging-Market-Währungen untergewichtet und kaum fremdfinanziert.
  3. Trotz der internationalen Handelskonflikte bleiben Weltwirtschaftswachstum und Unternehmensgewinne recht stabil. „Unsere aktuellen Analysen der Emerging Markets lassen uns darauf vertrauen, dass sich das Wachstum stabilisiert hat und die Emerging-Market-Konjunktur heute so gut ist wie seit fast zehn Jahren nicht mehr“, sagt Carter.
  4. Die Lockerung der chinesischen Geldpolitik ist ein deutlicher Richtungswechsel, der für Marktliquidität sorgen dürfte.
  5. Die Sorge, dass steigende US-Renditen den Emerging Markets schaden, lässt nach. „Wir glauben, dass sich die US-Konjunktur abschwächt, die Inflation niedrig bleibt und die Fed ihren Zinserhöhungszyklus womöglich unterbrechen kann“, erklärt Carter.

Zwei wichtige Herausforderungen für Emerging´Market Bonds bleiben: internationale Handelskonflikte und ein weiterer Anstieg der US-Zinsen. „Wir glauben aber, dass beides jetzt weitgehend in den Kursen berücksichtigt ist“, so Carter. Erfreulich ist, dass viele Emerging-Market-Notenbanken auf die – schon vorgenommenen sowie erwarteten – Zinserhöhungen der Fed reagiert haben, um ihre Währungen zu stützen, die Inflation zu begrenzen und Mittelabflüsse zu verhindern. „Viele Schwellenländer können daher heute wesentlich besser mit steigenden Zinsen umgehen als früher, etwa während des Taper Tantrums 2013.“

Nachhaltigkeit ist für BNP Paribas Asset Management die Grundlage verantwortungsbewusster Langfristinvestitionen. „Für unsere Emerging-Market-Anlagen haben wir daher einen eigenen ESG-Rahmen entwickelt. Er berücksichtigt, dass der Markt zweigeteilt ist und bevorzugt tendenziell Länder mit hohen ESG-Punktzahlen“, erklärt Carter. Zugleich wird die Gewichtung jener  Länder begrenzt, die bei den langfristig wichtigen Themen Klimaschutz, Sozialpolitik und Qualität der Institutionen hinten liegen. „Wir glauben, dass dieser Ansatz ganz wesentlich dazu beiträgt, Investoren zu schützen und attraktive Erträge zu erzielen.“

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