
Derrick Irwin, Senior Portfolio Manager und Co-Head of Intrinsic Emerging Markets Equity bei Allspring Global Investments, kommentiert die Auswirkungen der Lage im Nahen Osten auf die Finanzmärkte:
05.03.2026 | 12:05 Uhr
Mit Blick auf die Schwellenländer betrachten wir die jüngste Eskalation im Zusammenhang mit dem Iran in erster Linie als Quelle kurzfristiger Volatilität und nicht als grundlegende Veränderung des Investitionsumfelds in Emerging Markets. In der Vergangenheit haben geopolitische Schocks dieser Art tendenziell zu einer vorübergehenden Neubewertung der Risiken über die Energiemärkte und die Marktstimmung geführt, aber sie haben selten die mittelfristigen Gewinn- oder Bilanzentwicklungen beeinflusst, die letztlich die Renditetreiber sind.
Wir erwarten daher eher eine zunehmende Dispersion zwischen Ländern und Sektoren als eine breite Abwertung von Aktien aus Schwellenländern. Märkte mit großen externen Ungleichgewichten und einer hohen Abhängigkeit von Energieimporten sind kurzfristig anfälliger, während Energieexporteure und ausgewählte Unternehmen mit Rohstoffbezug teilweise profitieren könnten.
Das Risiko ist jedoch, dass die Märkte gegenüber Aktien aus Schwellenländern recht optimistisch waren und vor dem Wochenende die allgemeine Meinung vorherrschte, dass ein Angriff nur von kurzer Dauer sein würde. Sollte sich der Konflikt jedoch hinziehen, könnten Anleger beginnen, ihre optimistische Haltung gegenüber Schwellenländern und Risikoanlagen insgesamt in Frage zu stellen.
Wir sehen drei wichtige Indikatoren für Risiko: Öl, Dollar und Gold.
Ob die Bedeutung von China angesichts des aktuellen Konflikts steigen wird, ist aktuell noch schwer zu sagen. Während höhere Ölpreise einen leichten Gegenwind für China darstellen, glauben wir, dass die wichtigeren Treiber für chinesische Aktien weiterhin die Innenpolitik, die Erholung der Unternehmensgewinne und eine Stabilisierung des Vertrauens in die Unternehmen sind und nicht die geopolitische Lage im Nahen Osten. Chinas diversifizierte Energieversorgung, politische Flexibilität und das begrenzte direkte Exposure gegenüber dem Iran verringern das Risiko eines starken makroökonomischen Spillover-Effekts. Mit Blick auf Aktien sollten sich Auswirkungen eher indirekt über die globale Risikostimmung oder die Exportnachfrage als über die Fundamentaldaten der Unternehmen zeigen. Daher betrachten wir die Situation im Iran nicht als zentralen Faktor für die Entwicklung chinesischer Aktien im Vergleich zu den wichtigeren inländischen Faktoren, die letztlich für die Investitionsaussichten verantwortlich sind.
Wir konzentrieren uns weiterhin auf Bottom-up-Fundamentaldaten, Bewertungen und Bilanzstärke. Viele hochwertige Unternehmen aus Schwellenländern gehen mit einer konservativen Verschuldung, einer starken Cash-Generierung und eine geringe Abhänigkeit von Handelsströmen, die durch den Iran beeinflusst werden. Sofern die Spannungen nicht zu einer anhaltenden Störung der globalen Energieversorgung eskalieren, gehen wir davon aus, dass die Auswirkungen auf den Markt eher episodisch als strukturell sein werden. Phasen erhöhter Volatilität haben in der Vergangenheit Investitionschancen in resiliente Unternehmen zu attraktiveren Preisen geschaffen, insbesondere wenn das sogenannte Headline-Risiko den Blick auf die Fundamentaldaten der Unternehmen verschleiert.
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