Regulierung – des einen Leid, des anderen Freud

Lukas Spang, Geschäftsführer der Tigris Capital GmbH

Die meisten von uns werden täglich direkt oder indirekt mit ihr in Berührung kommen – der Regulierung. Insbesondere als Folge der Finanzkrise 2008 wurden in der Finanzbranche zahlreiche Reformen eingeführt, um den Finanzsektor krisenfester zu machen. Eine der bekanntesten davon war die Einführung von MiFID II im Jahr 2018.

01.06.2022 | 07:10 Uhr

Aber auch andere Branchen wie die Energie- und Verkehrswirtschaft, die Telekommunikations- und die Landwirtschaftsindustrie gehören zu jenen, die durch eine starke Regulierung geprägt sind. In Deutschland beispielsweise hat sich die Zahl der Gesetze im Zeitraum zwischen Januar 2020 bis Februar 2022 von 1.668 auf 1.773 erhöht, die Zahl der Einzelnormen ist im gleichen Zeitraum sehr deutlich von 43.085 auf 50.738 angestiegen1 . Für viele Unternehmen bedeuten diese „Eingriffe“ des Staates durch Einschränkungen, Vorgaben bzw. Verbote Mehraufwand, Kosten oder gar Umsatzeinbußen bzw. Wegfall von Geschäft. Auf der anderen Seite können Firmen von der weiter zunehmenden Regulatorik durch den Gesetzgeber auch profitieren, wenn Sie beispielsweise Produkte oder Lösungen zur Einhaltung von Gesetzen anbieten.

Gerade auch im Small & Micro Cap Bereich, unserem Spezialgebiet, gibt es Firmen, die von der zunehmenden Regulatorik profitieren und mit denen wir uns im Rahmen unserer Titelauswahl näher beschäftigen. So wurde beispielsweise 2019 die Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zum Schutz von Personen, die Verstöße gegen das Unionsrecht melden, veröffentlicht2 . Diese sieht den Schutz von Hinweisgebern, sogenannten Whistleblowern, vor, die auf Missstände in Unternehmen oder Organisationen aufmerksam machen. Im Rahmen dessen mussten alle EU-Mitglieder bis zum 17.12.2021 diese Vorgaben für Unternehmen mit >250 Mitarbeitern in nationales Gesetz umsetzen. Betroffen sind davon rund 50.000 Unternehmen. Zwei Jahre später gilt dies dann auch für Unternehmen bzw. Organisationen mit >50 Mitarbeitern.

Die EQS Group AG aus München ist 2017 in diesen Markt eingestiegen und hat seitdem seine Marktposition organisch wie auch anorganisch massiv ausgebaut. Das Unternehmen bietet dafür seinen Kunden eine Softwarelösung an, mit der Mitarbeiter auf Missstände hinweisen können. Inzwischen sieht sich das Unternehmen als europäischer Marktführer mit rund 2.000 Kunden in diesem Bereich Ende 2021, darunter Großkonzerne wie Continental, die Deutsche Telekom oder die Deutsche Bahn. Doch der Großteil, der von der neuen Gesetzgebung betroffenen Unternehmen dürfte noch keine Lösung eingeführt haben, da von den 27 EU-Mitgliedstaaten bis Ende März erst 9 Länder dies in nationales Gesetz umgesetzt hatten. In Deutschland wurde Anfang April der Gesetzentwurf von Justizminister Marco Buschmann vorgelegt, über den im Juni abgestimmt werden soll. Während sich die eine EU-Vorgabe dabei aktuell in der Umsetzungsphase befindet, steht die nächste bereits vor der Türe. Mit der EU-Richtlinie Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) müssen Unternehmen mit >250 Mitarbeitern ab dem 01.01.2024 für das Geschäftsjahr 2023 erweiterte Nachhaltigkeitsberichtspflichten erfüllen3 . Auch für diesen Zukunftsmarkt plant die EQS die Entwicklung einer Softwarelösung, um auch hier möglichst viele Kunden zu gewinnen.

Ein weiteres Beispiel ist das Thema Nachverfolgung der Lieferketten, das im Lieferkettengesetz umgesetzt wird. In Deutschland wurde das Gesetz im Juni 2021 beschlossen, dass den Schutz von Menschenrechten in globalen Lieferketten vorsieht. Demnach müssen ab 2023 Unternehmen mit >3.000 Mitarbeitern und ab 2024 mit >1.000 Mitarbeitern entsprechende Sorgfaltspflichten einhalten4 . Im Februar dieses Jahres wurde von der EU-Kommission ein Vorschlag zur Ermittlung der Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf Menschenrechte und Umwelt angenommen, der noch vom EU-Parlament und EU-Rat gebilligt werden muss5 . Nach der Billigung haben die EU-Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit, die Richtlinie in nationales Gesetz zu überführen. Dieser Entwurf geht deutlich über den deutschen Gesetzesrahmen hinaus und betrifft in der EU tätige Unternehmen ab 500 Beschäftigte sowie mehr als 150 Mio. Umsatz. Insgesamt umfasst dies rund 17.000 Firmen. Davon möchte die aktuell noch recht kleine SHS Viveon AG profitieren, die derzeit mit dem Technologiepartner TIBCO eine entsprechende Softwarelösung entwickelt. Da Gesetze bleiben, bieten sich für Unternehmen in diesen Fällen Umsatzpotenziale über Jahre hinweg.

[1] https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/anzahl-gesetze-rechtsverordnungen-deutschland-antwort-der-bundesregierung/#:~:text=In%20Deutschland%20haben%20zum%20Stichtag,2.655%20Rechtsverordnungen%20mit%2036.850%20Einzelnormen.

[2] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32019L1937&from=EN.

[3] https://www.csr-berichtspflicht.de/csrd.

[4] https://www.bmz.de/de/entwicklungspolitik/lieferkettengesetz.

[5]https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_22_1145, https://www.eqs.com/de/compliance-wissen/blog/eu-lieferkettengesetz/.

Disclaimer: Die genannten Unternehmen EQS Group AG und SHS Viveon AG befinden sich im Tigris Small & Micro Cap Growth Fund.

Tigris Capital GmbH: Die Tigris Capital GmbH mit Sitz in München ist auf Dienstleistungen als vertraglich gebundener Vermittler für Fonds-Advisory spezialisiert, die sich auf den Nischenmarkt deutschsprachige Nebenwerte fokussiert. Die Gesellschaft wurde 2020 von Lukas Spang gegründet, der zugleich Geschäftsführer ist. Im Mai 2021 wurde mit dem aktiv gemanagten Tigris Small & Micro Cap Growth Fund der erste Fonds unter dem Haftungsdach NFS Netfonds initiiert, der eine Strategie ähnlich dem wikifolio "Chancen suchen und finden" fortführt. Lukas Spang verfügt hierdurch über Erfahrungen im Small & Micro Cap Kapitalmarktumfeld sowie über ein Netzwerk in diesem Marktsegment.

Fondsname Tigris Small & Micro Cap Growth Fund
ISIN DE000A2QDSG3 (I) DE000A2QDSH1 (R)
Fondsvolumen 13,7 Mio. €
Auflegungsdatum 03.05.2021
Fokus Small & Mico Caps DACH
Ansprechpartner Lukas Spang (spang@tigris-capital.de)

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