TBF Global AM: Optimiertes Anleiheportfolio ersetzt klassische Rentenstrategien

TBF Global AM: Optimiertes Anleiheportfolio ersetzt klassische Rentenstrategien

In der Asset-Management-Industrie muss bezüglich defensiver Anleiheportfolios ein Umdenken stattfinden. Aus Euro-Sicht sind defensive Anleihe-Portfolios nahezu nicht mehr möglich.

02.12.2019 | 11:04 Uhr

Entweder müssen die Portfolios durch Aktien ergänzt werden oder die Währungen - und entsprechend natürlich die Währungsrisiken - dürfen nicht mehr außen vor gelassen werden”, meint Guido Barthels, Anleihenspezialist und seit August 2019 Anleihenmanager bei TBF Global Asset Management. Im Folgenden führt Barthels seine Einschätzungen aus und zeigt anhand des neu aufgelegten TBF BALANCED die Umsetzung in der Praxis.

Herr Barthels, die Rendite der 10-jährigen Bund war zwischenzeitlich unter -0.7% im August, handelt aktuell bei -0.5%.  Ein sehr großer Teil aller Anleihen im Euroraum handelt mit negativen Renditen.  Was bedeutet das für Sie?

Guido Barthels: Im aktuellen Marktumfeld ist es schwierig traditionelle und eher defensive Anleihefonds ertragreich zu verwalten. Das wird sich in der Zukunft nicht verändern und defensive Anleihefonds werden durchaus Probleme bekommen. Selbst die kürzlich begebene 30-jährige Anleihe des Bundes ist mit einem Nullkupon versehen.  Da verlieren die Investoren inflationsbereinigt in 30 Jahren mindestens 40%, wenn die Anleihe zurückbezahlt wird.  Selbst griechische 10-jährige Anleihen geben nur noch 1.5%, ein Staat, der noch 2012 einen Schuldenschnitt hatte. Verrückte Zeiten.  

Trotz der trüben Aussichten am Rentenmarkt haben Sie mit dem TBF BALANCED gerade erst einen Fonds aufgelegt, der insbesondere auch auf Anleihen setzt und mittelfristig fünf bis acht Prozent Rendite p.a. erzielen soll. Das ist erklärungsbedürftig!

Barthels: In unserem neuen Fonds TBF BALANCED beschreiten wir einen anderen Weg. Hier kaufen wir Fremdwährungsanleihen und haben uns entschlossen, die Währung dann generell nicht abzusichern. Zudem setzen wir auf eine Kombination aus Anleihen und Aktien. Die Anleiheseite verwalte ich klassisch Top-Down aus der Makro-Perspektive. Wir kaufen aktuell nur Staatsanleihen bzw. Anleihen von Supranationalen Gebilden wie der Weltbank mit kurzer Laufzeit in sogenannten Hartwährungen wie US-Dollar, kanadische Dollar, australische Dollar, aber auch norwegische Kronen und Singapour-Dollar. Kombiniert wird das Portfolio aber durch eine Bottom-Up-Allokation auf der Aktienseite. Dort steht das Stock Picking im Vordergrund. Insgesamt ist das Portfolio somit hochliquide aber durch die Währungen etwas volatiler – dafür aber auch mehr Ertrag.

Bedeuten Fremdwährungen nicht höheres Risiko, warum erfolgt keine Absicherung?

Barthels: Ja sicherlich, aber ohne Risiko können sie in der heutigen irren Zeit nun einmal kein Geld verdienen. Aufgrund der Verschiebung innerhalb der Kapitalmärkte in den vergangenen Jahren ist es für Euro-Investoren nicht mehr lohnenswert die Währungsrisiken abzusichern und nur in Euro zu investieren. Deswegen managen wir die Währungskomponente aktiv, um dort einen Mehrwert in der Allokation zu erzielen. Um das Risiko aber zu begrenzen, setzen wir Optionen ein, die sogar noch einen kleinen Zusatzertrag erwirtschaften.

Wie kann man sich letztgenanntes vorstellen?

Barthels: Die Währungen, in denen wir aktiv sind, haben keinen wirklichen Trend.  Die allermeiste Zeit bewegen sich die Wechselkurse gegenüber dem Euro in einer Handelsspanne.  Von Zeit zu Zeit wird diese Handelsspanne nach oben oder unten durchbrochen und dann etabliert sich wieder eine neue Handelsspanne.

Und Sie nutzen das?

Barthels: Ja genau.  Wir verkaufen Kauf- und Verkaufsoptionen mit den Ausübungspreisen, die die Ränder der Handelsspanne ausmachen. Ein sogenannter Strangle.  Dafür bekommen wir eine Prämie.  Einen Teil dieser Prämie nutzen wir dann, um dann die Extremrisiken zu beschränken in dem wir noch günstige Kauf und Verkaufsoptionen kaufen. Das Ganze heißt dann Iron Butterfly, ein eiserner Schmetterling.

Über den Euro haben Sie bisher noch kein Wort verloren. Welche Rolle spielt dieser im Rahmen der Strategie?

Barthels: Der Euro hat eine große Konzeptionsschwäche. Es gibt beispielsweise keine gemeinsame Fiskalpolitik. Deswegen ist der Euro teilweise ein Kunstgebilde. Wir erwarten mittelfristig, dass sich der Euro im Trend  gegenüber anderen Währungen weiter abschwächen wird.  Daher könnten Fremdwährungspostionen über einen längeren Betrachtungszeitraum zusätzlichen Ertrag durch Wechselkursgewinne erzielen.

Wer sind Ihre Investoren?

Barthels: Der TBF BALANCED wurde für Investoren konzipiert, die im heutigen Umfeld einen vernünftigen Ertrag bei überschaubarem Risiko erzielen möchten – dies aber bewußt ausserhalb des Euro. Wir sehen hier sowohl Privatanleger, die eine ausgewogene Altersvorsorge aufbauen möchten, wie auch Investoren, die eine Nicht-Euro-Position in Ihrem bestehenden Portfolio allokieren möchten. Interessant ist sicherlich noch anzumerken, dass sich TBF für eine Vollintegration von ESG-Kriterien in den gesamten Investmentprozess entschieden hat – dies betrifft somit den TBF BALANCED, aber auch alle anderen Fonds von TBF.

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