Mal Butter, mal Kaffee, Orangensaft oder Wurst: Die Discounter Aldi und Lidl liefern sich derzeit einen besonders harten Wettkampf. Mal senkt der eine die Preise zuerst, mal der andere. Vor wenigen Tagen ärgerte Lidl seinen Konkurrenten und unterbot dessen kurz zuvor angekündigte Preissenkung für Schokoladenprodukte teilweise.
Preise sind für Kunden so wichtig wie wohl lange nicht mehr. Das zeigt auch eine Umfrage des Handelsforschungsinstituts IFH Köln: Gut 70 Prozent vergleichen beim Lebensmitteleinkauf stärker die Preise und greifen häufiger zu Sonderangeboten.
Besonders groß ist der Druck auf Aldi und Lidl. «Discount» - übersetzt Rabatt - ist schließlich ein Versprechen. Aldi gilt als dessen Erfinder und langjähriger Preisführer - ein Image, kein offiziell vergebener Titel. Herausforderer Lidl stellt diesen Anspruch infrage. «Eure Nr. 1. Der Preisführer lohnt sich», so wirbt der Händler. Doch wer ist tatsächlich billiger? Und macht es sich für Kunden überhaupt bemerkbar, wo sie einkaufen? Ein Überblick:
Wo ist es am günstigsten?
Die Vergleichsapp Smhaggle hat im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur die dominierenden Regalpreise der großen Lebensmittelhändler in Deutschland im Jahr 2025 analysiert. Untersucht wurden die Kernsortimente, etwa 2.000 Produkte, die bei allen Anbietern verfügbar und damit gut vergleichbar sind. Sonderangebote wurden nicht berücksichtigt.
«Egal ob Milch, Joghurt, Nudeln, Butter oder Salatgurke: Die Preise dieser Produkte sind bis auf wenige Ausnahmen auf den Cent gleich», sagt Smhaggle-Geschäftsführer Sven Reuter. Dies gelte sowohl für Eigenmarken als auch für Markenprodukte - unabhängig davon, ob es sich um Discounter oder Supermarkt handelt. Die Preise könnten regional und in von selbstständigen Kaufleuten geführten Märkten unter Umständen abweichen. Über die Smhaggle-App laden Nutzer laut Reuter täglich mehr als 10.000 Kassenbons hoch. So lässt sich die Entwicklung der Preise detailliert nachvollziehen.
Wie läuft das ab?
Meistens senken die Discounter als erste die Preise. Die anderen Händler wie Rewe, Edeka oder Kaufland ziehen anschließend schnell nach. Laut Reuter reagieren sie auf Preisänderungen innerhalb weniger Stunden oder ein bis zwei Tagen. Da die Preise anschließend wieder anbieterübergreifend nahezu identisch seien, könne von einer Preisführerschaft eines Händlers keine Rede sein, sagt Reuter.
Die Supermarktkette Rewe wirbt mit einem Versprechen. Auf der Internetseite heißt es: «Bei Rewe findest du 4.000 Produkte, die immer genauso günstig sind wie beim Discounter.» Die Verkaufspreise werden regelmäßig mit denen von Aldi und Lidl abgeglichen. Bei Edeka ist es ähnlich.
Wo wird am liebsten eingekauft?
Ein klarer Favorit lässt sich nicht ausmachen. Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur bevorzugen 32 Prozent der Menschen in Deutschland Supermärkte wie Rewe und Edeka, 29 Prozent ziehen Discounter wie Aldi und Lidl vor. 38 Prozent haben keine feste Präferenz. Die Gründe unterscheiden sich deutlich. Was den jeweiligen Kunden wichtig ist:
- Erreichbarkeit (Supermärkte: 62 Prozent, Discounter: 65)
- Frische Produkte wie Obst, Gemüse und Fleisch (52, 36)
- Eigenmarken (48, 55)
- Sonderangebote (43, 60)
- Große Auswahl an Lebensmitteln (42, 15)
- Preise (35, 77)
Beim Preis liegen die Discounter klar vorn. Supermärkte überzeugen mit der größeren Auswahl an Lebensmitteln. Andere Merkmale, mit denen sie sich abzuheben versuchen, spielen eine geringere Rolle. Nur jeweils 29 Prozent geben die Vielzahl an Markenprodukten oder die schöne Einkaufsatmosphäre mit größerem Platzangebot an, lediglich 21 Prozent freundliches Personal.
Was sagen Experten?
Die Unterschiede zwischen den Formaten verschwimmen zunehmend. Die Discounter setzen heute stärker auf Ambiente und Markenprodukte. «Die Qualität der Ware ist auch hoch», sagt Michael Gerling, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts EHI. «Die Supermärkte müssen sich anstrengen und an Erlebniswert drauflegen.» Sie sollten mit besonderen Angeboten punkten, wie etwa Gastronomie, Veranstaltungen, Bedientheken oder Regionalität.
Ein Unterschied ist bestehen geblieben: Discounter führen deutlich weniger Artikel. Aus Sicht von Carsten Kortum, Handelsprofessor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn, ist dies nicht zwingend ein Nachteil. Ganz im Gegenteil. «Auswahl ist grundsätzlich gut, zu viel kann aber auch überfordern», sagt er. «Viele Kunden fühlen sich wohl, wenn es übersichtlicher ist.» Das erleichtere die Kaufentscheidung.
Wer ist größer?
Die Discounter, zu denen auch Penny und Netto gezählt werden, liegen beim Umsatz vorn. Im Handel mit Produkten des täglichen Bedarfs kamen sie laut YouGov zuletzt auf einen Marktanteil von gut 38 Prozent, die Supermärkte wie Rewe und Edeka auf rund 28,5 Prozent. Der Rest entfiel unter anderem auf SB-Warenhäuser wie Kaufland, Fachhandel und Drogerien.
Größter Lebensmittelhändler in Deutschland ist laut EHI Edeka. Bei den Discountern setzt Lidl zwar mehr um als Aldi Nord und Aldi Süd jeweils, zusammen liegen die beiden Aldi-Unternehmensgruppen jedoch knapp vorn. Die Marktanteile verschieben sich seit Jahren zugunsten der Discounter. Experten begründen dies damit, dass Kunden wegen der hohen Inflation preisbewusster konsumiert haben. «Für Discounter sind schlechte Zeiten gute Zeiten», sagt Handelsexperte Gerling.
Laut YouGov kauften 44 Prozent wegen der gestiegenen Preise in den vergangenen Jahren häufiger bei Discountern ein. «Dabei zahlen sie dort für die gleichen Produkte nicht weniger als in Supermärkten. Die Discounter Aldi und Lidl haben zudem deutlich weniger Sonderangebote», sagt Smhaggle-Chef Reuter. Am besten sparen können Verbraucher demnach, wenn sie primär gezielt Aktionsprodukte kaufen.
























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