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Öl und Gas im Iran-Krieg: Wie kommen Lieferungen ans Ziel?

Öltanker fahren kaum noch durch die Straße von Hormus.

Nur noch eine Handvoll Schiffe durchfahren die Straße von Hormus jeden Tag. Welche Alternativen haben die Energie-Schwergewichte am Golf, um Kunden trotz des Kriegs zu beliefern?

17.03.2026 | 03:56 Uhr

Eine Seedrohne trifft den Öltanker, die Explosion reißt ein Loch in den Schiffsrumpf. Bald steigen hohe Flammen auf. Irans Angriff auf die «Safesea Vishnu» vor einigen Tagen ist nur ein Beispiel für die Gefahren, die im laufenden Krieg bei der Lieferung von Öl und Gas aus der Golfregion drohen. Welche Alternativen haben die betroffenen Länder, um ihre Lieferungen möglichst schnell ans Ziel zu bringen? Die wichtigsten Fragen:

Wie ist der Stand bei der Lieferung von Öl und Gas?

Die Lieferungen durch die Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit den Weltmeeren verbindet, sind fast komplett zum Erliegen gekommen. 129 Schiffe passieren den Seeweg normalerweise im täglichen Durchschnitt, zuletzt waren es am Tag nur noch eine Handvoll. Mindestens 16 Schiffe wurden laut der britischen Seefahrts-Behörde UKTMO bereits angegriffen.

Für Energie-Schwergewichte wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar hat mit der faktischen Blockade der Straße von Hormus ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen. Sie müssen andere Wege finden, um Kunden zu beliefern und noch größere Umsatzeinbrüche zu verhindern. Saudi-Arabien verschifft eigentlich 80 Prozent seines Rohöls über die Straße von Hormus, die Emirate etwa 65 Prozent. Katar transportiert auf diesem Weg etwa 93 Prozent seines verflüssigten Erdgases (LNG). 

Welche alternativen Lieferwege gibt es?

Der Fokus liegt nun vor allem auf zwei Pipelines: Saudi-Arabien betreibt die 1.200 Kilometer lange «Petroline», die von der riesigen Ölanlage Abkaik im Osten quer durch die Wüste führt zum Hafen Janbu im Westen am Roten Meer. Die Emirate haben ihrerseits eine 400 Kilometer lange Pipeline, die zum Golf von Oman führt, der etwas abseits der Straße von Hormus liegt. Diese beiden Pipelines sollen nun helfen, zumindest einen Teil des Öls umzuleiten.

Hilfreich könnte auch die Sumed-Pipeline weiter nördlich werden, die parallel zum Suezkanal in Ägypten verläuft und die das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet. Tankschiffe, die Öl am Hafen von Janbu laden, könnten es dann zu dieser 320 Kilometer langen Pipeline bringen und so helfen, die Liefer-Krise zu überbrücken. Für das Gas aus Katar, dem zweitgrößten LNG-Exporteur, gibt aktuell aber keine Alternative, um Weltmärkte zu beliefern.

Was sind die Hürden?

Die Umstellung von Schiffs- auf Pipeline-Transport ist beim Rohöl vor allem eine Frage der Kapazitäten. Die Pipelines in der Region können der Internationalen Energie-Agentur (IEA) zufolge nur etwa ein Viertel der etwa 20 Millionen Barrel Rohöl (je 159 Liter) transportieren, die sonst auf Tankern verschifft würde. 

Für Lieferungen, die über das Rote Meer umgelenkt werden, lauern zudem neue Gefahren. Denn die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz griff seit 2023 im Zuge des Gaza-Kriegs immer wieder Handelsschiffe an. Auch hier brach der Handel ein. Bisher haben sie sich im Iran-Krieg zurückgehalten und nur erklärt, der Finger sei «am Abzug». Neue Angriffe sind aber auch hier möglich.

Welche weiteren Gefahren drohen durch neue iranische Angriffe?

Irans Streitkräfte spielen militärisch ihren geografischen Vorteil in der strategisch wichtigen Straße von Hormus aus. Würde Öl künftig über andere Wege aus Saudi-Arabien exportiert, hätte die Führung in Teheran weitere Hebel für eine Eskalation. 2019 wurden saudische Ölanlagen mit Drohnen angegriffen. Der Angriff legte zeitweise etwa die Hälfte der saudischen Ölproduktion lahm. Offiziell bekannten sich die Huthi dazu. Die USA, Saudi-Arabien und mehrere europäische Staaten machten jedoch Irans Führung dafür verantwortlich.

Im aktuellen Krieg ist Saudi-Arabien bislang weitgehend von umfangreichen iranischen Angriffen verschont geblieben. Die Streitkräfte der Islamischen Republik konzentrieren sich stärker auf US-Ziele in den Golfstaaten, etwa in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Bahrain. Für einige Drohnenangriffe im saudischen Königreich wies Teheran die Verantwortung zurück. Das könnte sich im Kriegsverlauf jedoch noch grundlegend ändern.

Warum gibt es nicht mehr Pipelines?

Bahrain, Katar, Kuwait und der Irak haben anders als Saudi-Arabien keinen direkten Zugang zum Roten Meer. Pipelines dorthin - also weg vom Persischen Golf - wären teuer, wegen der Ländergrenzen politisch schwer umzusetzen und ebenfalls anfällig für Angriffe und Sabotage.

Saudi-Arabien und die Emirate bereiten sich zwar schon länger auf Störungen an der Straße von Hormus vor. Dass die Pipelines beider Länder nur einen Bruchteil der Kapazität auffangen können, sieht das Ingenieurs-Magazin ENR als Hinweis, dass die Länder mit einer Blockade des Seewegs über Wochen oder Monate und mit einem Kriegsszenario nicht rechneten. 

Der Irak sieht sich seinerseits gezwungen, den Betrieb einer Pipeline durch die Kurdenregion und zum türkischen Hafen Ceyhan wieder anlaufen zu lassen, um die es eigentlich seit Jahren Streit gibt.

Welche Auswirkungen haben die Lieferengpässe auf Europa?

Europa bezieht nur einen kleineren Teil seiner Öl- und Gas-Importe von Lieferungen durch die Straße von Hormus. Da Öl und Gas jedoch an weltweiten Börsen gehandelt werden, schlagen Preiserhöhungen auch auf Konsumenten in Deutschland durch. 

Anders sieht es für Europa zum Beispiel beim Treibstoff für Flugzeuge aus. Nach einer Analyse der US-Denkfabrik Atlantic Council wurden 39 Prozent der europäischen Kerosin-Importe im vergangenen Jahr durch die Straße von Hormus verschifft. 

Die arabischen Pipelines, wie auch die kürzliche Freigabe strategischer Reserven, zielten auf die Beruhigung der Rohölmärkte ab, sagt Arne Lohmann Rasmussen von der Beraterfirma Global Risk Management der Nachrichtenseite MEE. 

Linderung für die Energie-Krise könnten zusätzliche Lieferungen aus den USA schaffen. Kurzfristig könnte auch die Lockerung der US-Sanktionen für den Kauf von russischem Öl weitere Liefermengen an den Markt bringen. Speziell für Kerosin nennt der Datenanbieter Kpler längerfristig auch westafrikanische Produzenten wie Nigeria als mögliche Alternativen für Europa.

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