Robeco: Quant-Strategien profitieren von gebündelten Kernkompetenzen in Sachen Nachhaltigkeit und Schwellenländer

In den Schwellenländern sind Unternehmen, die im Bereich Nachhaltigkeit am besten abschneiden, den Unternehmen der Industrieländer ebenbürtig. Unser Quant-Equity-Ansatz für die Schwellenländer zielt darauf ab, die Potenziale dieser Unternehmen zu nutzen.

04.08.2022 | 07:29 Uhr

In aller Kürze

  • Die Schwellenländer bieten im Bereich Nachhaltigkeit enorme Wachstumspotenziale
  • Nachhaltige Unternehmen in den Schwellenländern sind ebenso „grün“ wie in den Industrieländern
  • Unsere Strategie für nachhaltige Schwellenländeraktien zielt darauf ab, diese Anlagechancen zu nutzen


Viele Anleger glauben, dass nachhaltige Geldanlagen in den Schwellenländern schwierig sind, da die Unternehmen in diesen Ländern in Sachen ESG (Umwelt, Gesellschaft, Unternehmensführung) weniger gut aufgestellt sind als in den Industrieländern. Eine Reihe an Kennzahlen zeigt jedoch, dass die Unternehmen in den Schwellenländern, die in Sachen Nachhaltigkeit am besten abschneiden, mit jenen in den Industrieländern Schritt halten.

Angesichts der besseren Datenverfügbarkeit und -qualität bieten die Schwellenländer für nachhaltige Investoren beträchtliche Anlagechancen. Wir sind in der Lage, diese zu nutzen, indem wir mit unserem quantitativen Ansatz die richtigen Unternehmen identifizieren und maßgeschneiderte Lösungen entwickeln, die nicht nur die finanziellen, sondern auch die nachhaltigen Ziele unserer Anleger erfüllen.1

Nachhaltige Wachstumschancen

Die Schwellenländer bieten im Bereich Nachhaltigkeit erhebliche Wachstumspotenziale. Für diese „neue Realität“ sorgen beispielsweise Länder wie China und Indien, die bei der Umstellung auf saubere Energien begonnen haben, eine führende Rolle einzunehmen.

So liefert China heute 75 % der weltweiten Solarpaneele, während Indien als erstes Land weitreichende Normen für Leuchtdioden (LEDs) festgelegt hat, wodurch zwischen 2015 und 2030 voraussichtlich rund 277 Terawattstunden Strom eingespart werden können – das entspricht etwa 10 % der CO2-Gesamtemissionen Europas im Jahr 2020. Bezeichnenderweise ist der asiatisch-pazifische Raum die Region mit dem höchsten und größten Wachstum der Investitionen in kohlenstoffarme Energiequellen.

Trotz der beachtlichen Möglichkeiten sind nachhaltige Investitionen in den Schwellenländern jedoch auch mit spezifischen Herausforderungen verbunden. So bestehen etwa Bedenken hinsichtlich der mangelnden Beaufsichtigung und der fehlenden regulatorischen Standardisierung in verschiedenen Ländern. Zugleich gelten die Schwellenländer in Bezug auf Nachhaltigkeit mitunter immer noch als Nachzügler.

Als aktive Investoren finden wir in den Schwellenländern ein breites Spektrum an nachhaltigen Anlagechancen, um Schwellenländerportfolios mit einem sehr nachhaltigen Profil aufzubauen. Entscheidend ist die Frage, wie wir solche gut positionierten, nachhaltigen Unternehmen in den Schwellenländern ausfindig machen können.

Die Suche nach den nachhaltigsten Schwellenmarktunternehmen

Die Suche nach den nachhaltigsten Unternehmen in den Schwellenländern ist anspruchsvoll. Sie erfordert einen datengesteuerten Ansatz bei der Titelauswahl, da dieser ein breites Universum in den Blick nimmt. Letztlich geht es darum, ein Portfolio zu erstellen, das spezifische Beschränkungen und Anforderungen hinsichtlich der Nachhaltigkeit erfüllt. Daher verfolgen wir einen Ansatz, der verschiedene Nachhaltigkeitsaspekte und -maßnahmen in den Blick nimmt, darunter die ESG-Risiken, der ökologische Fußabdruck, der Wasserverbrauch, das Abfallmanagement und der Beitrag des Unternehmens zu den Nachhaltigkeitszielen der UN (SDGs).

Dabei führen wir eine Nachhaltigkeitsbewertung sowohl auf Länder- als auch auf Titelebene durch. Abbildung 1 zeigt die durchschnittlichen Nachhaltigkeits-Scores (ESG-Risiko-Score, CO2-Fußabdruck und SDG score) der einzelnen Länder in der Benchmark und zu Vergleichszwecken das Industrieland mit der besten und das Industrieland mit der schlechtesten Bewertung.

Dabei stellen wir fest, dass das schlechteste Land in den Industrieländern insgesamt immer noch besser abschneidet als das schlechteste Land in den Schwellenländern. Abgesehen von den SDG-Scores schneiden jedoch die besten Länder in den Industrieländern und die besten Länder in den Schwellenländern durchschnittlich gleich gut ab. So ist beispielsweise in den Industrieländern Israel mit einem Score von 25 das Land mit dem höchsten ESG-Risiko, während es in den Schwellenländern Peru mit einem Score von 35 ist. Am anderen Ende der Skala ist Kolumbien mit einem Score von 19 das Schwellenland mit dem geringsten ESG-Risiko, während es in den Industrieländern Italien mit einem Score von 18 ist.

Abbildung 1: Schwellenländer vs. Industrieländer – Länderstreuung der Nachhaltigkeits-Scores

Abbildung 1: Schwellenländer vs. Industrieländer – Länderstreuung der Nachhaltigkeits-Scores

Quelle: Sustainalytics, Trucost, Robeco. Das Anlageuniversum umfasst die Bestandteile des MSCI World- und des MSCI Emerging Markets-Index. Datenstand: März 2022.

Außerdem stellen wir fest, dass es nicht viele Länder gibt, die bei allen drei Messgrößen außergewöhnlich gut oder außergewöhnlich schlecht abschneiden. So erhält Peru beispielsweise eine schlechte ESG-Bewertung, hat aber einen niedrigen CO2-Fußabdruck und eine SDG-Bewertung im oberen Quartil. Auch Ägypten hat einen niedrigen CO2-Fußabdruck, schneidet aber bei den SDGs nicht sehr gut ab.

Dieses Ergebnis unterstreicht die Tatsache, dass die Korrelationen zwischen diesen drei Messgrößen gering sind (zwischen -30 % und +30 %, siehe Abbildung 2). Daran wird deutlich, dass es darauf ankommt, einen mehrdimensionalen Nachhaltigkeitsansatz zu verfolgen, mit dem verschiedene Aspekte bei der Assetallokation berücksichtigt werden können.

Abbildung 2 | Korrelation zwischen verschiedenen Nachhaltigkeitskennzahlen

Abbildung 2 | Korrelation zwischen verschiedenen Nachhaltigkeitskennzahlen

Quelle: Sustainalytics, Trucost, Robeco. Dargestellt sind die Rangkorrelationen der Scores einzelner Aktien. Datenstand: März 2022.

Wie nachhaltig sind Schwellenmarktaktien?

Neben der Streuung auf Länderebene untersuchen wir auch die Streuung auf der Ebene der einzelnen Aktien. Dies ist wichtig für die Auswahl der Unternehmen in einem Aktienportfolio. Wir teilen die Unternehmen in jedem Universum auf Grundlage ihrer Nachhaltigkeits-Scores in 20 Kategorien ein und zeigen in Abbildung 3 die durchschnittlichen Scores der oberen, mittleren und unteren Kategorien. Für die SDG-Scores stellen wir den Prozentsatz der Unternehmen für die sieben verschiedenen SDG-Werte (+3 bis -3) dar.

Im Einklang mit unseren Ergebnissen auf Länderebene beobachten wir auch auf Aktienebene Unterschiede zwischen Schwellenländern und Industrieländern, insbesondere bei den Unternehmen mit den schlechtesten Ergebnissen.


Abbildung 3 | Durchschnittliche Nachhaltigkeits-Scores pro Aktienkategorie in den Schwellenländern und in den Industrieländern

Abbildung 3 | Durchschnittliche Nachhaltigkeits-Scores pro Aktienkategorie in den Schwellenländern und in den Industrieländern

Quelle: Sustainalytics, Trucost, Robeco. Datenstand: März 2022.

Ähnlich wie auf Länderebene sind die am schlechtesten bewerteten Unternehmen in den Schwellenländern weniger nachhaltig als die Unternehmen in den Industrieländern. Die Unternehmen in den Schwellenländern, die am besten abschneiden, sind indessen in hohem Maße nachhaltig und erzielen ähnlich gute Werte wie die besten Unternehmen in den Industrieländern – oder sogar bessere, wenn man sie an den besten SDG-Scores misst.

Umfassende Datenqualität und -abdeckung in den Schwellenländern

Um ein Portfolio aufzubauen, das eine robuste Nachhaltigkeitsintegration aufweist, keinen Selektionsverzerrungen unterliegt und anpassbar ist, sind umfangreiche und hochwertige Daten zu den verschiedenen Nachhaltigkeitsaspekten entscheidend.

Dank der zunehmenden Nachfrage der Anleger nach Transparenz, strengeren Vorschriften für die Offenlegung, unserer Zusammenarbeit mit vertrauenswürdigen Datenanbietern und einem wachsenden Robeco-Team von Analysten für nachhaltige Anlagen haben wir in den letzten Jahren in den Schwellenländern eine ebenso umfassende Abdeckung erreicht wie in den Industrieländern.

Fazit

Die Anleger konzentrieren sich zunehmend auf nachhaltige Investitionen in den Schwellenländern. Angesichts der besseren Datenverfügbarkeit und -qualität bieten die Schwellenländer für nachhaltige Investoren beträchtliche Anlagechancen. Diese Unternehmen sind nicht nur nach den Standards der Schwellenländer nachhaltig, sondern erweisen sich auch als sehr ähnlich wie ihre Pendants in den Industrieländern. Die große Herausforderung besteht darin, solche nachhaltigen Unternehmen in den Schwellenländern zu finden.

Unsere Analyse bestätigt, dass wir in der Lage sind, diese Unternehmen mit Hilfe eines mehrdimensionalen Nachhaltigkeitsansatzes zu finden. Der quantitative Ansatz von Robeco zielt darauf ab, diese nachhaltigen Unternehmen zu identifizieren und von ihnen zu profitieren sowie maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln, um die individuellen Finanz- und Nachhaltigkeitsziele der Anleger zu erfüllen.

1 Dieser Artikel basiert auf einem ausführlicheren Beitrag der selben Autoren: „Marrying sustainability and emerging markets expertise in quantitative strategies“, Juni 2022.

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