Janus Henderson Investors: Nachhaltiges Design von Konsumgütern

Janus Henderson Investors: Nachhaltiges Design von Konsumgütern

Letzten Monat untersuchte Ama Seery, Nachhaltigkeitsanalystin im Global Sustainability Equity Team, wie das Team nachhaltiges Design in seine Anlageentscheidungen einbezieht.

19.11.2020 | 08:32 Uhr

Im zweiten Beitrag der Reihe „Nachhaltiges Design“ geht Charlotte Nisbet, Analystin für Governance und Responsible Investment, näher auf dessen Rolle bei Konsumgütern ein.

Zentrale Erkenntnisse:


  • Der Bekleidungssektor ist für seine schädlichen Auswirkungen auf die Umwelt bekannt. Unter Verbrauchern wächst allerdings das Bewusstsein für die eigene Ökobilanz, sodass nachhaltige Produkte immer stärker gefragt sind.
  • Eine Kreislaufwirtschaft basiert auf folgenden Prinzipien: Abfall und Umweltverschmutzung vermeiden, Produkte und Materialien so lange wie möglich weitergebrauchen und natürliche Systeme regenerieren.
  • Unternehmen wie Nike, adidas und DS Smith haben einen zirkulären Ansatz für das Design und die Produktion ihrer Waren eingeführt, um dauerhafte und langlebige Produkte mit besserer Ökobilanz zu schaffen.


Das Janus Henderson Global Sustainable Equity Team ist überzeugt, dass nachhaltige Entwicklung und Innovation eng miteinander verknüpft sind. Das Team sucht nach Unternehmen aus verschiedenen Sektoren, die ihre Geschäftsmodelle angepasst und Geld investiert haben, um Umweltprobleme durch Entwicklung eines nachhaltigen Produkt- und Servicedesigns zu lösen.

Altes raus, Neues her

Die schädlichen Auswirkungen der Produktion im Bekleidungssektor auf die Umwelt sind seit Langem bekannt. Dazu gehören unter anderem die Ausbeutung nicht erneuerbarer Ressourcen, hohe Treibhausgasemissionen und ein übermäßiger Wasser- und Energieverbrauch. Inzwischen werden sich aber Verbraucher der Wirkung ihres persönlichen Verhaltens auf die Umwelt stärker bewusst. Entsprechend steigt die Nachfrage nach nachhaltigen Textilien. Die internationale Beratungsgesellschaft McKinsey hat herausgefunden, dass sich die Suche nach „nachhaltiger Mode" im Internet zwischen 2016 und 2019 verdreifacht hat.[1] Verglichen mit Standardbekleidung sollten nachhaltige Textilien länger halten, sicher und mit erneuerbaren Ressourcen hergestellt und recycelt werden, sofern dies ökologisch sinnvoll ist.

Obwohl ressourcenverschwendende Textilien nach wie vor dominieren, haben einige Textilfirmen ihre Geschäftsmodell umstrukturiert, um mit Hilfe eines zirkulären Designs bei der Entwicklung neuer Produkte von einer linearen stärker zu einer zirkulären Fertigung überzugehen. Das Konzept des zirkulären Designs ist mit der Idee einer „Kreislaufwirtschaft“ verbunden. Der Definition der Ellen McArthur Foundation zufolge, basiert eine Kreislaufwirtschaft auf folgenden Prinzipien: Abfall und Umweltverschmutzung vermeiden, Produkte und Materialien so lange wie möglich weitergebrauchen und natürliche Systeme regenerieren. Schätzungen gehen davon aus, dass 80% der Umweltauswirkungen eines Produkts während seines gesamten Lebenszyklus auf das Konto des Designs gehen. Das bedeutet, dass die Designphase entscheidend ist, um die ökologischen Auswirkungen wirksam so weit wie möglich zu verringern.[2] Kreativität war schon immer ein wichtiges Designelement. Nun ist die Bekleidungsindustrie jedoch mehr denn je gezwungen, traditionelle Ansätze zu überwinden und neue Wege zu erforschen, um nachhaltigere und zirkuläre Produkte zu entwickeln, die lange halten sollen.

Vom Ende des linearen Designs

In einem früheren Artikel zu [ fast fashion ] haben wir diskutiert, wie adidas und Nike in Technologie und Abläufe investiert haben, um zirkuläre Geschäftsmodelle mit langlebigen Produkten zu entwickeln. Nike hat demnach einen Schuh auf den Markt gebracht, der seinen innovativen Ansatz für nachhaltiges Design veranschaulicht. Der Nike Air VaporMax 2020 Flyknit besteht gemessen am Gewicht mindestens zu 50% aus recyceltem Material. Das im Schuh verwendete recycelte Flyknit-Garn wurde gemessen am Gewicht aus etwa 67% post-industriellem Recyclingmaterial sowie verschiedenen recycelten Komponenten hergestellt.[3] Adidas hat gemeinsam mit Parley Ocean Plastic eine Produktlinie nachhaltiger High-Performance-Sportbekleidung entwickelt. Parley Ocean Plastic hat bei der Kooperation mit adidas neue Kunststoffe durch Plastikmüll aus dem Meer ersetzt.[4] Außerdem hat sich adidas verpflichtet, ab 2024 ausschließlich 100% recyceltes Polyester in seinen Produkten zu verwenden.[5]

Reebok setzt beim Thema Schuhe inzwischen ebenfalls auf Kreativität. So hat das Unternehmen Performance-Laufschuhe auf rein pflanzlicher Basis auf den Markt gebracht, die alle wichtigen Eigenschaften eines Laufschuhs wie Atmungsaktivität, Halt und Wasserbeständigkeit aufweisen, ohne dass tierische und erdölbasierte Produkte verwendet werden. Stattdessen werden für die Schuhe vier wichtige nachhaltige Materialien verwendet, darunter eine auf Algen basierende Innensohle, ein Schuh aus Eukalyptus und Rizinussamen und eine Außensohle aus Naturkautschuk.[v] Diese Marken zeigen, wie positiv sich ihre Investitionen in zirkuläres Design sowohl auf die Umwelt als auch auf die Modeindustrie auswirken können.

Langlebigkeit ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt im zirkulären Designprozess, da nachhaltige Einzelhändler auf Kleidung setzen, die lange hält oder die auch aufgrund der Produktqualität wieder verkauft werden kann. Eine Verlängerung der Lebensdauer von Kleidung um neun Monate könnte die Kohlenstoff-, Wasser- und Abfallbilanz um jeweils etwa 20 bis 30 % reduzieren.[6] Nike folgt seinem eigenen Leitfaden für zirkuläres Design. Dieser umfasst 10 Design-Grundsätze, darunter Konzepte wie „Refurbishment“ und „Haltbarkeit“, die dem Unternehmen helfen, sein Versprechen zur Entwicklung langlebiger Produkte näher zu kommen. Auch bei adidas wird der zirkuläre Designprozess durch einige interne Innovationen unterstützt. Sports Infinity ist ein 2015 von adidas und der Europäischen Kommission lanciertes Forschungsprojekt dessen Ziel es ist, Sportartikel herzustellen, „die niemals weggeworfen werden“.[7] Das Projekt bringt Experten aus Industrie und Wissenschaft zusammen, um herauszufinden wie ausrangierte Sportprodukte in Kombination mit überschüssigen Materialien aus anderen Industriezweigen verwendet werden können, um alte Fußballschuhe für die Herstellung neuer Fußballschuhe umzugestalten.

Wenn verpackt- dann nachhaltig

Ein weiterer wichtiger Aspekt im Konsumsektor ist die Verpackung. Der exponentielle Anstieg des Online-Einkaufs von Kleidung, Lebensmitteln bis hin zu Haushaltswaren und Büchern steht in direktem Zusammenhang mit der Zunahme von Verpackungsmüll. Dies hat sich durch die Folgen von COVID-19 verschärft, weil ein großer Teil der Verbraucher weltweit den Online-Handel, Lebensmittellieferungen und persönliche Schutzausrüstung (PSA) nutzt. Laut bisherigen Daten der Welthandels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen gelangen 75% der aufgrund der Coronavirus-Pandemie verwendeten Kunststoffe letztendlich unsere Deponien überlasten und ins Meer.[8] Die schädlichen Umweltauswirkungen werden auch in diesem Bereich unter die Lupe genommen, und Unternehmen müssen dringend entsprechende Lösungen anbieten. Eine kürzlich durchgeführte Studie von Morgan Stanley hat ergeben, dass 90% der Befragten bereits Produkte mit nachhaltiger Verpackung kaufen oder dies in Zukunft tun wollen.[9]

Der britische Verpackungsspezialist DS Smith hat sein Geschäft umgestellt, um Kunden mit nachhaltigeren Verpackungsprodukten zu versorgen. DS Smith bietet seinen Kunden in den drei Geschäftsfeldern Verpackung, Papier und Recycling nachhaltige Lösungen an. Sein Geschäftsmodell basiert auf dem Motto „Verpackung für eine Welt im Wandel neu definieren“. In der Verpackungssparte bietet DS Smith nachhaltige Verpackungslösungen aus Wellpappe an, bei denen die Fasern im Wellpappensystem bis zu 25 Mal recycelt werden können.

Daneben ist DS Smith im Bereich Lebensmittelverpackungen tätig. Kunststoff spielt bei der Verlängerung der Haltbarkeit von Lebensmittelprodukten in Regalen eine entscheidende Rolle. Da die Verringerung von Lebensmittelabfällen oberstes Gebot ist, muss unbedingt zwischen dem Bedarf an Verpackungen und deren Umweltfolgen abgewogen werden. DS Smith hat auf den Bedarf an Einweg-Plastikprodukten durch die Entwicklung von Kühlschrankverpackungen mit sorgfältig konzipierten Belüftungsöffnungen zur Frischhaltung der Produkte reagiert.

Unterstützt von seinen 700 Verpackungsdesignern implementierte DS Smith in Zusammenarbeit mit der Ellen MacArthur Foundation seine Circular Design Principles, um sicherzustellen, dass seine Produkte zunehmend nachhaltig designt werden. Inzwischen sind 98% der vom Unternehmen hergestellten Verpackungen wiederverwendbar oder -verwertbar und 100% des verwendeten Papiers stammen aus recycelten oder nach der Produktkettenzertifizierung zertifizierten Quellen. Das Unternehmen hat daneben zugesichert, eine Reihe von Umweltproblemen anzugehen, und sich unter anderem das Ziel gesetzt, bis 2025 ausschließlich wiederverwendbare oder recycelbare Verpackungen herzustellen.[10]

Konsumgüter belasten die Umwelt doppelt: Durch ihre Herstellung und den Konsum. Die Belastung der Umwelt durch den Konsum ist nicht mehr zu übersehen. Daher ist es begrüßenswert, dass Unternehmen das Design ihrer Produkte ändern, um Kunden zur Änderung ihres Konsumverhaltens zu motivieren. Durch bewusste Entscheidungen über die bei der Produktgestaltung verwendeten Materialien und Prozesse werden die endlichen Rohstoffe der Welt länger im Umlauf bleiben, statt auf Deponien zu landen. Dadurch werden unnötige Kohlenstoff-Emissionen vermieden und Wasserverschwendung reduziert.

Klicken Sie hier, um den ersten Beitrag der Reihe „Nachhaltiges Design“ zu lesen:
Die Bestandteile von nachhaltigem Design

[1]McKinsey & Company – Fashion’s new must-have: sustainable sourcing at scale, Oktober 2019

[2] Ellen McArthur Foundation: Was ist Kreislaufwirtschaft?

[3] Nike News: 5 Ways the Nike Air VaporMax 2020 Flyknit Celebrates Circular Design, 14. Juli 2020

[4] Adidas: Sustainability, Parley Ocean Plastic

[5] Climate Action news: Adidas reinforces sustainability commitment with use of recycled polyester, Januar 2020

[6] Reebok Blog: Reebok Takes You on a Run With its First Plant-Based Shoe, Januar 2020

[7] Wrap.org – Valuing Our Clothes: the cost of UK fashion, Juli 2017

[8] Adidas press release: Messi’s Boots Today, Recycled Into Yours Tomorrow, September 2015

[9] United Nations Conference on Trade and Development – Growing plastic pollution in wake of COVID-19: how trade policy can help, Juli 2020

[10] Morgan Stanley: Growing Demand For More Sustainable HPC Products and Packaging, 20. Juni 2020

[11] DS Smith Sustainability Report 2020: Redefining Packaging for a Changing World

Diesen Beitrag teilen: