BNP Paribas AM: Die Bemühungen der PRI für mehr Nachhaltigkeit in Kapitalmärkten

Auch die Kapitalmärkte sollen nachhaltiger werden

Ein Interview mit Fiona Reynolds, CEO der Initiative „Principles for Responsible Investment“ (PRI), über Fortschritte in der Entwicklung eines nachhaltigen globalen Finanzsystems und Prioritäten für Vermögensverwalter bei der Verwirklichung dieses Wandels.

03.06.2019 | 12:44 Uhr

  • Förderung einer langfristigen Sichtweise in einer schnelllebigen Welt
  • Das aktive Engagement in Unternehmen muss auf ein höheres Level angehoben werden
  • Kollektive Maßnahmen von Vermögensverwaltern können einen wirksamen Hebeleffekt mit sich bringen

Im Jahr 2005 lud der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan eine Gruppe der weltweit größten institutionellen Anleger ein, sich an einem Prozess zur Entwicklung der Grundsätze für verantwortungsvolle Anlagen (PRI) zu beteiligen.

Die Philosophie der PRI ist, dass ein wirtschaftlich effizientes, nachhaltiges globales Finanzsystem notwendig für die langfristige Wertschöpfung ist. Ein solches System wird langfristige, verantwortungsbewusste Investitionen belohnen und der Umwelt sowie der Gesellschaft insgesamt zugutekommen.

Um dies zu erreichen, unterstützt die PRI die Anpassung der Grundsätze und Zusammenarbeit bei ihrer Umsetzung. Darüber hinaus fördert sie eine gute Governance, Integrität und Rechenschaftspflicht sowie die Beseitigung von Hindernissen für ein nachhaltiges Finanzsystem, die innerhalb der Marktpraktiken, -strukturen und -regulierung liegen. Die PRI hat inzwischen über 2.000 Unterzeichner in 50 Ländern.

Hier spricht Fiona Reynolds, Geschäftsführende Direktorin der PRI und verantwortlich für ihre globalen Operationen im Vorstand, ausschließlich mit The Intelligence Report über die bisherigen Fortschritte und die noch bestehenden Herausforderungen.

Fiona, können Sie uns sagen, welche Rolle Finanz- und Vermögensmanagement beim Aufbau einer nachhaltigen Welt spielen müssen?

Ja, die PRI wurde geschaffen, um den Kapitalmärkten Nachhaltigkeit näherzubringen. Die Grundsätze wurden im April 2006 an der New York Stock Exchange auferlegt. Seitdem ist die Zahl der Unterzeichner von 100 auf über 2.300 gestiegen, die insgesamt ein Vermögen von insgesamt 83 Billionen USD verwalten.

Wir haben einen weiten Weg zurückgelegt, aber es bleibt noch viel zu tun. In einer kurzlebigen Welt, in der Quartalsergebnisse und der Vorrang der Aktionäre den Entscheidungsprozess dominieren können, ist es nicht einfach, eine langfristige Sicht zu verfolgen.

Die bisher erzielten Fortschritte liegen weder in der Größenordnung noch in dem erforderlichen Tempo. Der Wendepunkt wird dann sein, wenn wir nicht von verantwortungsbewussten Investitionen sprechen, sondern Investitionen intuitiv als solche verstehen… und uns über die Denkweise der Gewinnerzielung um jeden Preis hinausbewegen können.

Wir sind auf dem richtigen Weg. Eine wachsende Zahl von Anlegern versteht, dass die Interessen der Erde und Gewinne aufeinander abgestimmt werden müssen. Die treuhänderische Pflicht wird für das 21. Jahrhundert neu definiert. In der Vergangenheit waren einige institutionelle Anleger der Ansicht, dass Umwelt-, Sozial- und Governance-Fragen (ESG) für den Portfoliowert irrelevant seien und daher nicht mit ihren treuhänderischen Pflichten im Einklang stünden. Diese Annahme wird nicht mehr unterstützt.

Die Entscheidungen der Treuhänder beeinflussen die Investitionskette, die Vorgehensweise der Shareholder und letztlich wie Unternehmen gemanagt werden. Den Anlegern ist nun bewusst, dass die Unternehmen, in die sie investieren auf die Umwelt Rücksicht nehmen müssen.

Ein aktives Engagement ist im Gange, sei es in sozialen Fragen oder in der Steuerpolitik, bei Ungleichheit und CEO-Entlohnung oder bei Gleichberechtigungsfragen. Auch bei den Klimathemen wurden starke Maßnahmen getroffen, sodass alles in die richtige Richtung läuft. Wir müssen die Nachhaltigkeitsintegration in den nächsten 12 Jahren beschleunigen, da wir noch weit von einem nachhaltigen Finanzsystem entfernt sind.

Welche aktuellen Trends und Aktivitäten unter den Vermögensverwaltern können Sie im Hinblick auf nachhaltige Anlagen erkennen?

Es gibt deutliche Anzeichen für eine Beschleunigung mit einer Reihe phantastischer Führungspersönlichkeiten unter den Vermögensverwaltern, zu denen auch BNP Paribas Asset Management zählt, insbesondere im Umweltbereich.

Nachhaltige Investitionen sind letztlich ein wirtschaftliches Gebot. Es ist heute einfach nicht möglich, als Vermögensverwalter im institutionellen Bereich der Vermögensverwaltung zu bestehen, wenn Sie nicht nachweisen können, wie Sie ESG-Themen in Ihren Anlageprozess integrieren.

Die Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG) sind der Fahrplan für eine bessere und nachhaltigere Zukunft. Mit 169 Zielen liefern sie einen umfassenden Entwurf für alle wichtigen Fragen. Sie befassen sich mit den globalen Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, einschließlich denen im Zusammenhang mit Armut, Ungleichheit, Klima, Umweltzerstörung, Wohlstand sowie Frieden und Gerechtigkeit.

Wir sollten bedenken, dass die nachhaltigen Entwicklungsziele bei einem weltweiten BIP von rund 115 Bilionen USD zusätzliche Investitionen in Höhe von 3,5 Bilionen USD pro Jahr erfordern. Dies sollte kontrollierbar sein, vor allem angesichts dessen, was die Erreichung der SDG  zur Freisetzung menschlichen und wirtschaftlichen Potenzials und Gewährleistung der Sicherheit des Planeten bedeuten würde.

Es reicht nicht mehr, nur über ESG zu sprechen oder Unterzeichner der PRI zu sein. Die Überwachung der Maßnahmen der Vermögensverwalter in Bezug auf Nachhaltigkeitsfragen verbessert sich stetig.

Es gibt Anzeichen für diese Trends durch das, was wir von führenden Unternehmen hören. Bei Firmenversammlungen gibt es detaillierte Nachfragen zur Nachhaltigkeit.

Und durch das gemeinsame Ziel ist die Vermögensverwaltungsbranche stärker?

Kollektive Maßnahmen sind unerlässlich, um Hebeleffekte zu erzielen und uns Gehör zu verschaffen. Alle PRI-Engagements sind kooperativ, um von der Verbreitung der verwalteten Vermögenswerte zu profitieren.

Nehmen wir das Beispiel Climate Action 100 +, die Investoreninitiative, die wir 2017 ins Leben gerufen haben, um sicherzustellen, dass die Unternehmen mit den weltweit größten Treibhausgasemissionen die notwendigen Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen. Mit 300 Anlegern, die Vermögenswerte in Höhe von 32 Billionen USD verwalten, ist es das bisher größte Engagement der Anleger.

Dieses Engagement hat dazu geführt, dass Anleger, die 10% aller BP-Aktien halten, den Climate 100+-Entschluss unterzeichnet haben und folglich von BP verlangen eine präzise Strategie auszuarbeiten um das Pariser Abkommen einzuhalten. Dies wird als größte Unterstützung  für die Klimaziele angesehen, die ein multinationaler Konzern je gezeigt hat.

Shell hat außerdem in einer gemeinsamen Erklärung mit Anlegern, die an der Initiative „Climate 100 +“ teilnehmen, die ersten Schritte zur Erfüllung der Verpflichtungen in Bezug auf den Klimawandel dargelegt. Glencore kündigte eine Begrenzung der Kohleproduktion an, um die CO2-Emissionen zu verringern.

So bringen die Anleger Veränderungen auf eine Art und Weise voran, wie sie es in der Vergangenheit nicht getan haben. Isolierte Maßnahmen sind ineffektiv. Die Vermögensverwalter müssen außerdem mit Regierungen und Behörden zusammenarbeiten, um bei der Entwicklung einer Regulatorik behilflich zu sein, die einen Rahmen für nachhaltige Investitionen schafft.


Diesen Beitrag teilen: