Bankhaus Herzogpark Marktblick August 2026

Michael Titz, Leiter Investment Office, Bankhaus Herzogpark
Marktrückblick

Neue Spielregeln der Fed – steigende Renditen fordern die Märkte

07.09.2026 | 10:02 Uhr

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Aktienmärkte blieben im August trotz zwischenzeitlicher Schwankungen erstaunlich widerstandsfähig. Unterstützt wurden sie weiterhin von hohen Unternehmensgewinnen und dem Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz.
  • Gleichzeitig wurde der Rentenmarkt zum wichtigsten Warnsignal. Langfristige Staatsanleiherenditen stiegen von den USA über Deutschland und Großbritannien bis nach Japan auf Mehrjahres- oder sogar Jahrzehntehochs. China bildet mit niedrigen Zinsen und schwacher Binnennachfrage derzeit die große Ausnahme.
  • Das US-Finanzministerium reagierte ungewöhnlich deutlich auf die steigenden langfristigen Renditen und kündigte eine Ausweitung seiner Rückkäufe älterer Staatsanleihen an. Die Ankündigung wirkte zunächst beruhigend, der Effekt blieb aber kurzlebig: Solche Eingriffe können Marktspannungen lindern, lösen aber weder hohe Defizite noch Inflationsrisiken.
  • Fed-Chef Kevin Warsh skizzierte erstmals umfassend seine geldpolitische Philosophie. Die Fed soll künftig weniger Hinweise auf zukünftige Zinsentscheidungen geben, stärker auf belastbare Trends achten und das Inflationsziel von zwei Prozent konsequent verteidigen.
  • Die Weltwirtschaft zeigt sich weiterhin tragfähig. In den USA verliert der Arbeitsmarkt allerdings an Dynamik. Gleichzeitig überraschte die europäische Industrie zum Monatsende positiv, während auch Teile der asiatischen Industrie von der hohen Nachfrage nach Technologie und KI-Infrastruktur profitieren.

Portfolioimplikationen: Robust aufstellen, Chancen gezielt nutzen


Das Umfeld bleibt für Anleger grundsätzlich konstruktiv, gleichzeitig steigt der Preis für Fehler. Hohe Aktienbewertungen treffen auf weltweit höhere langfristige Renditen, einen enormen Finanzierungsbedarf von Staaten und Unternehmen sowie eine US-Notenbank, die den Märkten künftig weniger Orientierung geben will. Ein Rückzug aus Risikoanlagen erscheint deshalb nicht angezeigt – eine bewusste Auswahl und Gewichtung der einzelnen Bausteine wird dagegen umso wichtiger.


Bei Aktien bleiben Unternehmen mit belastbaren Geschäftsmodellen, soliden Bilanzen und verlässlicher Profitabilität im Fokus. Neben Qualitäts- und Valueaktien bleiben auch ausgewählte Wachstumsunternehmen attraktiv. Gerade beim Thema künstliche Intelligenz sollte jedoch stärker darauf geachtet werden, ob hohe Investitionen tatsächlich in steigende Umsätze, Gewinne und Cashflows münden. Zu große Konzentrationen auf einzelne Gewinner oder Themen gilt es zu vermeiden.

Anleihen bieten attraktive laufende Erträge. Der August hat allerdings eindrucksvoll gezeigt, dass lange Laufzeiten bei steigenden Renditen erhebliche Kursverluste verursachen können. Vor dem Hintergrund hoher Staatsverschuldung, Inflationsrisiken und eines strukturell großen Kapitalbedarfs bevorzugen wir weiterhin kurze bis mittlere Laufzeiten und gute Bonitäten.

Auch Gold rückte im August wieder stärker in den Vordergrund. Nach der Schwäche der Vormonate profitierte das Edelmetall unter anderem von den Turbulenzen an den Anleihemärkten, zunehmenden Sorgen um die langfristige Tragfähigkeit staatlicher Verschuldung und einer wieder höheren institutionellen Nachfrage. Für uns bestätigt dies die Rolle von Gold als strategischen Stabilitätsbaustein – nicht als Ersatz für Aktien oder Anleihen, sondern als Ergänzung in einem Umfeld erhöhter finanzpolitischer und geldpolitischer Unsicherheit.

Nach der starken Entwicklung vieler Risikoanlagen im bisherigen Jahresverlauf bleibt schließlich Rebalancing wichtig. Erfolgreiche Positionen müssen deshalb nicht vorschnell verkauft werden. Übermäßige Gewichte sollten jedoch zurückgeführt werden, wenn einzelne Themen das Gesamtrisiko eines Portfolios zunehmend bestimmen. Im Ergebnis entsteht so eine robuste Aufstellung aus gut kalkulierbaren Ertragsbausteinen und gezielt eingegangenen Wachstumschancen.

Kapitalmärkte: Langfristige Renditen werden zum globalen Thema

Die auffälligste Entwicklung im August spielte sich nicht am Aktienmarkt, sondern am Anleihenmarkt ab. Anleger verlangen für langfristige Staatsanleihen zunehmend höhere Renditen. In den USA stieg die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen zeitweise auf mehr als 5,3 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007. Dabei handelt es sich aber keineswegs um ein rein amerikanisches Phänomen. In Deutschland erreichten zehnjährige Bundesanleihen Niveaus wie zuletzt 2011. Auch in Frankreich und Großbritannien erhöhten sich die Finanzierungskosten deutlich. Besonders bemerkenswert ist Japan: Dort näherte sich die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen der Marke von drei Prozent – ein Niveau, das nach Jahrzehnten niedriger japanischer Zinsen noch vor kurzem kaum vorstellbar gewesen wäre.

Die Ursachen unterscheiden sich im Detail, haben aber einen gemeinsamen Kern. Anleger müssen immer größere Mengen neuer Anleihen aufnehmen, während gleichzeitig Inflationsrisiken erhöht bleiben. Staaten finanzieren Verteidigung, Infrastruktur und andere Ausgabenprogramme. Parallel benötigen aber auch Unternehmen enorme Summen. Besonders der Ausbau von Rechenzentren und KI-Infrastruktur wird zunehmend über den Anleihemarkt finanziert. Allein die Emission von Unternehmensanleihen hoher Bonität erreichte in den USA im August einen Rekordwert. China ist derzeit die große Ausnahme. Schwache Binnennachfrage und niedriger Preisdruck ermöglichen dort weiterhin vergleichsweise niedrige Zinsen. Die chinesische Zentralbank versucht zudem, die Finanzierungskonditionen unterstützend zu halten.

Interessant war im August auch die Reaktion der US-Regierung. Nachdem die langfristigen Renditen stark gestiegen waren, ließ Finanzminister Scott Bessent die geplanten Rückkäufe älterer Staatsanleihen mit zehn bis 30 Jahren deutlich ausweiten. Vereinfacht gesagt kauft das Finanzministerium schwerer handelbare ältere Anleihen zurück und finanziert sich gleichzeitig über neuere Papiere. Ziel ist vor allem, die Funktionsfähigkeit und Liquidität des Marktes zu verbessern. Solche Rückkäufe sind nicht mit den früheren groß angelegten Anleihekäufen der Notenbank gleichzusetzen. Sie können jedoch kurzfristig einen ähnlichen Effekt auf einzelne Marktsegmente haben: Nach der Ankündigung gingen die langfristigen Renditen zunächst zurück – sogar europäische Anleihen profitierten zeitweise. Schon kurze Zeit später setzte sich der Aufwärtsdruck allerdings wieder durch.

Technische Eingriffe können also Stress begrenzen, aber die grundlegenden Ursachen steigender Renditen nicht beseitigen. Wenn Anleger wegen Inflation, hoher Verschuldung oder steigenden Kapitalbedarfs eine höhere Verzinsung verlangen, bleibt die Wirkung solcher Maßnahmen begrenzt. Bemerkenswert ist außerdem das unterschiedliche Rollenverständnis in Washington. Während Bessent versucht, die Funktionsfähigkeit des langen Endes des Anleihemarktes aktiv zu unterstützen, möchte Fed-Chef Warsh den Märkten grundsätzlich wieder mehr Eigenständigkeit geben.

Wirtschaftliche Lage: Industrie stabilisiert sich, der US-Arbeitsmarkt verliert an Tempo


Die Weltwirtschaft blieb im August insgesamt widerstandsfähig. Unter der Oberfläche verschoben sich jedoch die regionalen Schwerpunkte. In den USA sorgte vor allem der Arbeitsmarkt für Aufmerksamkeit. Im Juli gingen überraschend Arbeitsplätze verloren, zudem wurden die Zahlen der beiden Vormonate deutlich nach unten korrigiert. Die Arbeitslosenquote blieb mit 4,1 Prozent zwar niedrig, dies lag allerdings auch an einer sinkenden Erwerbsbeteiligung. Von einer ausgeprägten Arbeitsmarktkrise kann derzeit keine Rede sein – die Dynamik hat sich aber sichtbar abgeschwächt. Gleichzeitig bleibt die US-Wirtschaft an anderer Stelle bemerkenswert robust. Konsum und Unternehmensinvestitionen halten sich gut, wobei der Ausbau der KI-Infrastruktur einen markanten Beitrag zur Investitionstätigkeit leistet. Fed-Chef Warsh hob prominent hervor, dass mehr als die Hälfte des diesjährigen Wachstums der Unternehmensinvestitionen wahrscheinlich auf den KI-Ausbau zurückzuführen ist. Bei der Inflation gab es zunächst leichte Entlastung. Die US-Verbraucherpreise stiegen im Juli lediglich um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat, die Kerninflation lag im Jahresvergleich bei 2,5 Prozent. Andere Preismaße zeichnen allerdings ein weniger entspanntes Bild. Der von der Fed bevorzugte PCE-Index lag zuletzt deutlich höher. Für Warsh ist der Inflationskampf deshalb ausdrücklich noch nicht gewonnen.


Europa überraschte zum Monatsende positiv. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie der Eurozone stieg im August auf 52,7 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Besonders erfreulich war, dass erstmals seit längerem nicht nur alte Auftragsbestände abgearbeitet wurden, sondern auch die Neu- und Exportaufträge anzogen. Vor allem Deutschland gehörte zu den Ländern mit einer deutlichen Verbesserung. Von einem kräftigen europäischen Aufschwung sollte dennoch noch nicht gesprochen werden, die Richtung stimmt zuletzt aber wieder. Auch in Asien blieb das Bild differenziert. Ein privat erhobener Einkaufsmanagerindex für China stieg im August auf 51,5 Punkte und zeigte damit eine stärkere Industrieaktivität, insbesondere bei Exporten. Der offizielle chinesische Index blieb hingegen knapp unter der Wachstumsschwelle. Das passt zum bekannten Bild: Export- und Technologiebranchen entwickeln sich recht gut, während die chinesische Binnennachfrage ausgesprochen schwach bleibt.

Fokusthema: Kevin Warsh und die neue Logik der US-Geldpolitik

Jackson Hole in Wyoming (USA) ist traditionell ein Ort, an dem Notenbankchefs grundsätzlicher über Geldpolitik sprechen. Dass das Symposium ausgerechnet dort stattfindet, hat einen kuriosen Ursprung: 1982 sollte der begeisterte Fliegenfischer Paul Volcker mit dem Tagungsort zur Teilnahme bewegt werden.

Für Kevin Warsh bot das diesjährige Treffen auch eine besondere Gelegenheit. Er konnte gut 100 Tage nach seinem Amtsantritt erstmals umfassend erklären, wie er die Federal Reserve führen möchte. Seine Botschaft reicht dabei deutlich über die Frage hinaus, ob der Leitzins bei der nächsten Sitzung steigen oder unverändert bleiben wird.

Ein zentraler Punkt ist der Abschied von der sogenannten „Forward Guidance“. Darunter versteht man die Praxis, dass Notenbanken den Märkten relativ genaue Hinweise geben, wie sich die Zinsen in den kommenden Monaten voraussichtlich entwickeln werden. Warsh hält dieses Instrument außerhalb echter Krisenzeiten inzwischen eher für problematisch. Zu genaue Vorankündigungen könnten die Fed selbst daran hindern, schnell auf eine veränderte wirtschaftliche Lage zu reagieren.

Sein zweites Argument ist für Anleger besonders interessant. Wenn Finanzmärkte ständig versuchen, die nächsten Aussagen der Fed vorherzusagen und die Fed wiederum Marktpreise als wichtigen Konjunkturindikator verwendet, entsteht nach Warshs Ansicht ein „Spiegelsaal“. Beide Seiten schauen zunehmend aufeinander statt auf die eigentliche wirtschaftliche Entwicklung. Die Notenbank möchte deshalb wieder unverfälschter erfahren, wie Investoren Wachstum, Inflation und Risiken beurteilen. Das bedeutet nicht, dass die Fed schweigen wird. Ihre Kommunikation soll aber weniger darauf ausgerichtet sein, den Märkten einen möglichst komfortablen Zinspfad vorzugeben.

Auch inhaltlich setzte Warsh klare Leitplanken. Das Inflationsziel von zwei Prozent bezeichnete er ausdrücklich als fixes Ziel. Kurzfristige Leitzinsen sollen wieder das wichtigste geldpolitische Instrument sein. Groß angelegte Anleihekäufe und andere außergewöhnliche Maßnahmen sieht er vor allem als Instrumente für echte Krisensituationen. Außerdem möchte er weniger auf einzelne Monatsdaten und stärker auf belastbare Trends achten.

Gleichzeitig zeigte seine Rede, dass Warsh technologischen Veränderungen große Bedeutung beimisst. Er sieht künstliche Intelligenz möglicherweise als neuen Produktionsfaktor, der Produktivität und Wirtschaftswachstum nachhaltig erhöhen könnte. Noch sei aber völlig offen, welche Unternehmen aus diesen Investitionen letztlich die höchsten Renditen auf das eingesetzte Kapital erwirtschaften. Damit berührt seine geldpolitische Analyse erstaunlich genau eine Frage, die auch die Aktienmärkte seit einigen Monaten beschäftigt.

Für Anleger dürfte die Konsequenz klar sein: Die Fed unter Warsh wird wahrscheinlich weniger Orientierung über den nächsten Zinsschritt liefern als unter seinen Vorgängern. Konjunkturdaten, Marktpreise und Veränderungen der Inflation könnten deshalb wieder stärkere unmittelbare Kursreaktionen auslösen. Die Rede wurde an den Märkten entsprechend als eher „falkenhaft“ interpretiert. Die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen nahmen anschließend zu.

Aktienmärkte: Gewinne bleiben der wichtigste Rückenwind

Trotz steigender Renditen und zeitweiser Nervosität blieb die Entwicklung an den Aktienmärkten im August stabil. Für Rückenwind sorgten weiterhin die Unternehmensgewinne. Nvidia lieferte Ende August erneut einen wichtigen Test für den KI-Investitionszyklus. Nachfrage und Wachstum blieben hoch und dämpften zunächst die Sorge, dass der Investitionsboom bereits deutlich an Dynamik verlieren könnte. Gleichzeitig nehmen die Unterschiede innerhalb des Technologiesektors zu: Anleger achten stärker darauf, ob hohe Investitionen tatsächlich in Umsatz, Margen und freien Cashflow übersetzt werden. Dieses Spannungsfeld dürfte die Märkte weiter begleiten. Nach Abschluss der Berichtssaison stiegen die Gewinne der „Magnificent Seven“ im zweiten Quartal um außergewöhnliche 118,5 Prozent zum Vorjahresquartal. Ein erheblicher Teil davon entfiel allerdings auf Bewertungsgewinne bei Beteiligungen von Alphabet und Amazon (vgl. BHHP Marktblick Juli).

Viel bemerkenswerter ist daher die Breite der Entwicklung: Auch die übrigen 493 Unternehmen des S&P 500 erzielten ein Gewinnplus von rund 32 Prozent. Zehn von elf Sektoren verzeichneten steigende Gewinne. Selbst der einzige rückläufige Sektor Health Care wäre ohne hohe Sonderbelastungen bei zwei Unternehmen um 18,1 Prozent gewachsen – ein weiterer Beleg dafür, warum wir gerade in dieser Branche eine breite Streuung gegenüber konzentriertem Stock Picking bevorzugen. Auch Europa konnte sich sehen lassen: Die Gewinne der Unternehmen im STOXX Europe 600 legten im zweiten Quartal um rund 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu – so kräftig wie seit 2022 nicht mehr. Zwar profitierte insbesondere der Energiesektor von den höheren Öl- und Gaspreisen, doch auch ohne diesen Effekt blieb das Gewinnwachstum zweistellig.

Hohe Unternehmensgewinne quer durch den Markt rechtfertigen weiterhin einen konstruktiven Grundton. Gleichzeitig steigen mit höheren Anleiherenditen die Anforderungen an Aktien: Wenn „sichere“ Anleihen wieder attraktive laufende Erträge bieten, müssen insbesondere hoch bewertete Unternehmen entsprechend überzeugendere Wachstumsperspektiven liefern.

Worauf Anleger in den kommenden Monaten achten sollten

Der September verdient besondere Aufmerksamkeit. Historisch ist er der schwächste Monat für den US-Aktienmarkt: Seit 1928 verlor der S&P 500 im Durchschnitt rund ein Prozent und schloss weniger als die Hälfte aller Septembermonate im Plus. Das ist keine Prognose. Saisonale Muster allein sind kein ausreichender Grund für Anlageentscheidungen. Die Ausgangslage mahnt dennoch zu etwas mehr Disziplin.

Nach der starken Sommerentwicklung ist das Marktbild technisch weit gelaufen, während einzelne Bewertungen, höhere Renditen oder die veränderte Kommunikation der Geldpolitik die Fehlertoleranz verringern. Ungünstigerweise deuten jüngste Positionierungsdaten – etwa die BofA-Fondsmanagerumfrage oder Daten der US-Vereinigung aktiver Investmentmanager (NAAIM) – auf hohe Investitionsquoten und eher geringe Barbestände hin.

Hinzu kommt ein dichter Daten- und Ereigniskalender mit Arbeitsmarkt-, Inflations- und Notenbankterminen. Mit dem erwarteten Börsengang des KI-Unternehmens Anthropic steht zudem ein viel beachteter Stimmungstest für Erwartungen und Bewertungen im Techsektor bevor. Unsere Botschaft: Das spricht anhaltend für Rebalancing und keinen Rückzug. Risiken müssen dort reduziert werden, wo Positionen stark gelaufen sind, ohne eine grundsätzlich konstruktive Aufstellung infrage zu stellen.

Fazit: Weniger Leitplanken, mehr Eigenverantwortung

Der August hat gezeigt, dass steigende Renditen längst kein rein amerikanisches Thema mehr sind. Anleger verlangen weltweit höhere Renditen für langfristige Staatsanleihen. Inflation, Staatsverschuldung und der enorme Kapitalbedarf von Staaten und Unternehmen erhöhen damit die Finanzierungskosten – selbst dort, wo die jeweiligen Notenbanken ihre kurzfristigen Leitzinsen gar nicht verändern. Gleichzeitig bleiben Wirtschaft und Unternehmensgewinne erstaunlich widerstandsfähig. Die europäische Industrie zeigt erste echte Lebenszeichen, der KI-Investitionszyklus läuft weiter und die Aktienmärkte verfügen damit weiterhin über fundamentale Unterstützung.

Kevin Warsh setzt vor diesem Hintergrund auf eine Fed, die weniger verspricht und den Märkten wieder mehr Eigenverantwortung überlässt. Für Anleger ist das ebenfalls eine passende Leitlinie. Sinnvoll erscheint eine Portfoliostruktur mit robusten, gut kalkulierbaren Bausteinen auf der einen und gezielt ausgewählten Wachstumschancen auf der anderen Seite. Gerade nach einem starken Sommer und vor dem saisonal schwierigen September sollten Risiken bewusst gesteuert werden, ohne langfristig attraktive Trends vorschnell zu verlassen.

Nicht jede Schwankung verlangt eine Reaktion. Aber in einem Umfeld höherer Zinsen und weniger geldpolitischer Leitplanken wird eine belastbare Portfoliostruktur wichtiger denn je.


Quelle Performance: FactSet, Angaben bei Aktienindizes als Gesamtertrag inkl. Dividenden. Daten per 31.08.2026 in lokaler Währung, sofern nicht anders angegeben. Die Balken für Gold und Silber wurden zur besseren Übersichtlichkeit verkürzt dargestellt.

Quellen Marktbericht: Aktuelle Nachrichtenlage, Marktreaktionen und ökonomische Einschätzungen für August 2026 sowie bis Redaktionsschluss 2. September 2026 veröffentlichte ergänzende Daten; insbesondere Bloomberg, Reuters, FactSet, Federal Reserve, EZB und S&P Global.

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