PartnerLOUNGE: Freigabe strategischer Ölreserven – eine Fehlentscheidung?

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Die USA und weitere Länder haben die koordinierte Freigabe von 70-80 Mio. Fass Öl beschlossen. Ist dies eine strategische Fehlentscheidung oder sinnvolle Kontrolle der Ölpreise? Lesen Sie mehr im aktuellen Marktkommentar der Earth Resource Investment Group.

03.12.2021 | 07:32 Uhr

Eine strategische Fehlentscheidung oder sinnvolle Kontrolle der Ölpreise?

Finden Sie hierzu einen Marktkommentar der Earth Resource Investment Groupvon Zarko Stefanovski und Dr. Joachim Berlenbach

Die USA und weitere Länder, unter anderem Südkorea, Japan, Indien, China und dem Vereinigten Königreich, haben die koordinierte Freigabe von 70-80 Mio. Fass Öl beschlossen (davon fallen allein auf die USA 50 Millionen Fass Öl). Dieses zusätzliche, kurzfristige Ölangebot war weniger als die vom Markt erwarteten 100 Millionen Fass Öl, die schon im Ölpreis eingepreist waren. Als Konsequenz der Ankündigung von US-Präsident Biden stieg der Ölpreis daher an (sowohl die Marke Brent als auch die Marke WTI), entgegen der von der US-Regierung beabsichtigten Wirkung.

Wir halten die strategische Freigabe von Ölreserven eher für ein politisches Manöver der US-Regierung als für eine grundlegende Veränderung des Gleichgewichts auf dem Rohölmarkt. Die angekündigten Ölmengen sind viel zu gering, um wesentliche Auswirkungen auf den Ölmarkt zu haben, der täglich 100 Mio. Barrel Öl verbraucht. Dabei verbrennen allein die USA pro Tag etwa 21 Mio. Fass Öl. Konkret stieg die US-amerikanische Erdölnachfrage im August 2021 auf 21,3 Millionen Barrel pro Tag und übertraf damit das Niveau vom August 2019, der zu den stärksten Monaten des vergangenen Jahrzehnts gehörte. In anderen Worten decken die von der strategischen US-Reserve freigelassenen 50 Millionen Fass Öl nur etwa 2.5 Tage Verbrauch ab.

Dabei ist zu beachten, dass die USA bereits seit Anfang 2021 18 Mio. Fass Öl aus ihrer strategischen Reserve freigelassen haben, sodass ein Teil der 50 Mio. Fass Öl, die in den kommenden Monaten freigegeben werden sollen, bereits zur Freigabe verpflichtet sind. Die verbleibenden 32 Mio. Fass werden Ölraffinerien oder Händlern auf Swap-Basis angeboten, was bedeutet, dass diese Mengen zwischen 2022 und 2024 zurückgegeben werden müssen, um die strategische Reserve wieder aufzufüllen. Unseres Erachtens nach, ist diese Art der staatlichen Intervention keine Lösung für steigende Ölpreise, die in erster Linie durch strukturelle Unterinvestitionen in die Öl- und Gasversorgung über die letzten Jahre bei gleichzeitig steigender Nachfrage verursacht werden (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Investitionen in Ölprojekte sind über die letzten Jahre deutlich gefallen. Grund hierfür war ein fallender Ölpreis und fehlende Investitionen in fossile Energieträger durch nachhaltig orientierte Anleger

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Quelle: BMO Capital Markets, Wood Mackenzie

Während der Ölmarkt zwar nicht frei von kurzfristigen Risiken ist, wie z. B. Produktionsengpässe durch COVID oder die Aufhebung der Sanktionen für Ölexporte aus dem Iran, ist das aktuelle Angebots-/Nachfragegleichgewicht sehr angespannt. Die Nachfrageerholung nach der COVID Pandemie ist deutlich robuster als erwartet (Abbildung 2). Auch kältere Temperaturen in der anstehenden Wintersaison werden die Nachfrage nochmals erhöhen.

Abbildung 2: Die OECD[1]-Gesamtölvorräte liegen deutlich unter dem 5-Jahres-Durchschnitt, was auf eine hohe Ölnachfrage hinweist. Der Ölmarkt befindet sich aktuell nicht im Gleichgewicht

Abbildung 2-3-12

Quelle: IEA

[1] OECD: Organisation for Economic Co-operation and Development

Fazit:

Wir sind überzeugt, dass sich die Ölnachfrage in den nächsten Quartalen weiter steigen wird, während die freien Kapazitäten der OPEC+ in einem angespannten Markt schrumpfen. Längerfristig gesehen ist es daher wahrscheinlich, dass auch die Ölpreise weiter steigen werden, trotz der enormen Bemühungen von Politikern, Interessengruppen und eines ESG-fokussierten Marktes, den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen zu beschleunigen. Die seit mehreren Jahren viel zu geringen Investitionen in Upstream-Kapazitäten, die robuste Ölnachfrage und der Druck der Investoren auf höhere Kapitalerträge statt Ausbau der Produktionskapazitäten deuten auf eine zunehmende Angebotslücke hin (Abbildung 3).

Abbildung 3: Szenarien für die weltweite Ölnachfrage und BMO-Prognose für die Angebotslücke (linke Achse in Mio. Fass Öl pro Tag)

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Abbildung 4-3-12

Zarko Stefanovski (MSc Geology, MSc Finance) - Analyst

Zarko Stefanovski ist seit 2012 Berater und Energieanalyst für den Earth Exploration Fund UI und den Earth Sustainable Resources Fund. Er weist jahrelange Erfahrung im Energiesektor, der Aktienanalyse- und Bewertung und im Portfoliomanagement auf.

Dr. Joachim Berlenbach (PhD Geologie, MBA) - Gründungspartner und CEO

Dr. Joachim Berlenbach ist Berater des Earth Exploration Fund UI, des Earth Gold Fund UI und des Earth Sustainable Resources Fund. Er ist ausgebildeter Geologe und arbeitete elf Jahre lang in der südafrikanischen Gold- und Platinbergbauindustrie und wurde 2001 und 2002 als bester südafrikanischer Goldanalyst sowie als bester internationaler Goldanalyst ausgezeichnet.

Weitere Informationen zur aktuellen Rohstofflage erhalten Sie von Dr. Joachim Berlenbach bei der diesjährigen Fondstique, der digitalen Anlegermesse der Fondsboutiquen. Unter dem Titel „Kommt der Rohstoffsuperzyklus?“ startet die Diskussionsrunde am 7. Dezember 2021 um 9:45 Uhr mit Dr. Joachim Berlenbach und Volker Schilling. Melden Sie sich noch rechtzeitig an und erfahren Sie mehr zum Thema: Gold, Silber, Kupfer, Öl, Uran – eine Rohstoff-Standortbestimmung! Zur Anmeldung (hier klicken)

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