BB Biotech Marktkommentar: Krebsmedizin verbessert Heilungschancen

Dr. Daniel Koller, Head Investment Management Team BB Biotech bei Bellevue Asset Management

Im Portfolio von BB Biotech ist die Onkologie unter den Krankheitsfeldern am höchsten gewichtet und könnte in naher Zukunft neben der mRNA-Technologie die grössten kommerziellen Durchbrüche versprechen.

09.12.2021 | 08:28 Uhr

Auf der Ebene der Indikationen stellt die Onkologie die mit Abstand meisten Portfoliogewichtungen von BB Biotech, gefolgt von den seltenen erblich bedingten Erkrankungen und den Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Im Bereich der Krebstherapien erzielten einige der Portfoliofirmen zuletzt bemerkenswerte klinische Fortschritte. Weil die öffentliche Wahrnehmung auch unter den Investoren in diesem Jahr den Durchbruch bei den Impfstoffen und Therapien gegen COVID-19 fokussierte, sind diese Erfolge bislang grösstenteils nur Branchenexperten bekannt.

Im Blickpunkt stehen hier Immunotherapien gegen hämatologische Tumore wie akute und chronische Leukämie, Lymphome oder das diffus grosszellige B-Zell-Lymphom (DLBCL). Unsere langjährige Investition in Incyte hat zusammen mit seinem Partner, der deutschen Biotechfirma MorphoSys, mit Monjuvi eine neue Behandlung von DLBCL auf dem Markt eingeführt. DLBCL wird bislang mit einer Kombination aus Antikörpern, Chemotherapien und Steroiden behandelt, wobei rund ein Drittel aller Patienten nicht darauf ansprechen. Mit 30% bis 40% aller Fälle ist DLBCL der häufigste Typ der Non-Hodgkin-Lymphome, gekennzeichnet von rasch fortschreitenden Lymphknotenvergrösserungen in Milz, Leber, Knochenmark. Zu den neueren Zweitlinientherapien zählt Monjuvi von MorphoSys und Incyte in Verbindung mit Lenalidomide, einen Wirkstoff aus der Gruppe der Immunmodulatoren, der bislang bei multiplem Myelom eingesetzt wird. Ziel in künftigen klinischen Studien ist es, Monjuvi in dieser Indikation als Standardtherapie zu etablieren.

In der Klasse der zellbasierten Therapien waren die früheren BB Biotech-Positionen Kite Pharma und Juno Therapeutics – beide wurden übernommen – die Pioniere bei den autologen Therapien der ersten Generation. Dabei wird das eigene Immunsystem mobilisiert, die Tumorzellen anzugreifen. Genetisch veränderte T-Zellen, die den Patienten entnommen und modifiziert zurückgeführt werden, erhöhen die Zahl der tumorspezifischen Zellen für eine Immunabwehr.

Die zweite CAR-T-Generation greift auf allogene T-Zellen zurück, die auf Basis der Gen-Editierung-Technologie zum Einsatz kommen. Präzision und Effizienz des Multiplex-Editierens mit CRISPR/Cas9 soll helfen, eine Verbesserung gegenüber der aktuellen Generation der Zelltherapien zu erzielen. Der Vorteil der allogenen Zellen von gesunden Spendern ist, dass sie sich schneller herstellen lassen, sofort verfügbar sind und eine höhere Wirksamkeit erzielen können. Die Investition in CRISPR Therapeutics hat eine CRISPR/Cas9-editierte CAR-T- Zelltherapie auf Grundlage des neuen Verfahrens der Genom-Editierung entwickelt. Erste klinische Studien bei lymphoiden Malignomen zeigten ein vollständiges Ansprechen auf die Therapie zwölf Monate nach einer einmaligen Infusion.

Fate Therapeutics setzt auf eine dritte Entwicklungsgeneration mit stammzellbasierten Kandidaten unter Verwendung von erneuerbaren iPSC-Masterzelllinien. Dabei handelt es sich um eine erneuerbare Zellquelle, die wiederholt für die kostengünstige Produktion verwendet werden kann. Die zwei Wirkstoffe FT516 und FT596-101 werden in Phase-I-Studien als Krebsimmuntherapien entwickelt und können mit allen zugelassenen Krebsantikörpern wie Rituxan oder Gazyva kombiniert werden. Macrogenics wiederum verfolgt mit Flotetuzumab einen Therapieansatz auf der Basis von monoklonalen Antikörpern gegen akute myeloische Leukämie, einer Blutkrebsform, bei der rund die Hälfte aller Patienten im Krankheitsverlauf rückfällig wird.

Den vollständigen BB Biotech Marktkommentar "Krebsmedizin verbessert Heilungschancen" finden Sie hier als PDF.

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