Barius Capital: A Random Walk und der Teufel steckt im Detail

Baris Capital: A Random Walk und der Teufel steckt im Detail

Der DAX notierte am 19. Februar 2020 bei 13.789 Zählern, am 18. März 2020 bei 8.442 (-39%) und am 5. Juni bei 12.848 (+52%). Recht offensichtlich kann es keine fundamentalen Verschiebungen geben, die diese Ausschläge in den Aktienkursen rechtfertigen würden.

10.07.2020 | 08:15 Uhr

Ein begründetes und replizierbares Market Timing dieses Random Walks ist hier schier unmöglich, ganz zu schweigen von der nun anzunehmenden Positionierung im starken Widerspruch zwischen der Wirtschafts- und Aktienmarktentwicklung.

Im Februar 2020 hatte Covid-19 plötzlich enorme Unsicherheiten über den weiteren wirtschaftlichen Verlauf in der westlichen Welt eingeleitet. Blitzschnell mussten die Kapitalmarktteilnehmer ihre Annahmen revidieren. Unternehmen zogen reihenweise per ad-hoc-Meldung ihre Guidance für 2020 zurück. Investoren hatten es jedoch nicht so leicht, denn sie waren gezwungen, zu jeder Zeit die verfügbaren Informationen in eine Unternehmensbewertung, d.h. Aktienkurs, fließen zu lassen. Wenn nun nicht mal Manager mit „Insiderinformationen“ eine Vorhersage für 2020 treffen können und wollen, welche Erfolgsaussichten haben dann Investoren mit ihren Prognosen?  

Die Situation hatte signifikante Informations-Ineffizienzen erzeugt und es muss davon ausgegangen werden, dass auch in der näheren Zukunft weiterhin Annahmen signifikant angepasst werden müssen. Die anstehende Berichtssaison zum zweiten Quartal 2020 wird einer weiteren Weichenstellung gleichkommen und die Unternehmen werden Farbe bekennen müssen. Ließe sich der Monat März in den Q1-Zahlen noch leicht kaschieren, wird Q2 das volle Ausmaß der Beeinträchtigungen zeigen, obwohl sich durchaus noch zeitliche Verschiebungen abbilden lassen. So werden z.B.  bei Geschäftsmodellen mit langen Verkaufszyklen die Auswirkungen primär im mangelnden Auftragseingang sichtbar werden, weniger in den Umsätzen oder Gewinnen. Erfolgreiche Vertriebsabschlüsse bedingen oftmals die physische Präsenz der handelnden Parteien und wie schnell sich ausgebliebene Aufträge wieder hereinholen lassen oder nun nach vorne geschoben werden, bleibt abzuwarten.

Es gilt inzwischen als Fakt, dass Covid-19 die Digitalisierung der Geschäftsprozesse beschleunigt hat. Natürlich kommt dies allen voran den technologiegetriebenen, digitalen Geschäftsmodellen zugute. Aber auch einige personalintensive Unternehmen könnten eine strukturell leichte Margenverbesserung verspüren. Videokonferenzen und Home Office reduzieren nicht unerheblich die notwendigen Reise- sowie Raumkosten. Auch hier bleibt abzuwarten, wo sich das Pendel einschwingen wird, dennoch ist derzeit nicht davon auszugehen, dass frühere relative Kostenniveaus schnell wieder erreicht werden. Während sich Veränderungen bei den Reisekosten zeitnah umsetzen lassen, werden sie z.B. bei Bürokosten noch eine Weile brauchen.

Interessant war in den letzten Wochen auch zu beobachten, wie differenziert sich einige Unternehmen aus dem selben Sektor jedoch mit unterschiedlichen Abnehmerbranchen entwickelt haben. Die detaillierte Kenntnis des Umsatzmix sowie der Gewinn-Attribution war elementar. Wer hätte gedacht, dass ein Software-Unternehmen mit Produkten für die Gesundheitsbranche temporär Umsatz- und Gewinneinbußen hinnehmen muss, während eine italienische Bank im Geschäft mit lokalen Staatseinheiten mittelfristig höhere Gewinne vereinnahmen konnte?

Dieses Marktumfeld favorisiert klar den informierten Investor, der über ein tiefgehendes Verständnis der individuellen Marktnischen, Geschäftsmodelle und Wettbewerbsdynamiken verfügt und somit schnell Differenzen zwischen Unternehmensbewertungen und Marktgegebenheiten identifizieren kann. Der Teufel steckt in den Details und diese gilt es genau zu verstehen, um zeitnah Opportunitäten erkennen und erfolgreich nutzen zu können.

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