
Anleger können sich gegen starke Marktbewegungen wappnen, entscheidend sind Kosten und Risiken der Absicherung, meint Kay-Peter Tönnes, Gründer von Antecedo Asset Management.
05.11.2026 | 06:05 Uhr
Hohe Ölpreise, steigende Zinsen und geopolitische Spannungen: eine brisante Mixtur, und dennoch bleiben die Aktienmärkte erstaunlich stabil. Für Kay-Peter Tönnes, Geschäftsführer des Asset Managers und Risikospezialisten Antecedo, ist das kein Grund zur Sorglosigkeit: die starken Kursgewinne bei Technologiewerten und die Hoffnung auf eine begrenzte Eskalation stützen die Kurse. Zugleich zeigen niedrige Volatilitätsindizes, dass der Markt derzeit nur geringe Schwankungen einpreist. Dieser Gegensatz verdient Aufmerksamkeit.
„Wenn man mir zu Jahresbeginn gesagt hätte, der Ölpreis steht bei mehr als 100 Dollar und die Zinsen sind gegen die Erwartungen deutlich gestiegen, hätte ich Probleme an den Aktienmärkten gesehen“, sagt Tönnes. Die Stabilität erklärt er vor allem mit der Stärke des KI- und Technologiesektors sowie der Erwartung, dass die Risiken nicht eskalieren. Diese Gelassenheit könne sich aber schnell ändern, wenn politische oder geopolitische Ereignisse starke Kursbewegungen auslösen.
Straddle für Achterbahn-Börsen
Optionen können nach Tönnes’ Ansicht in solchen Phasen helfen, ein Portfolio
abzusichern. Seiner Einschätzung nach sind die Optionspreise im besprochenen
Marktumfeld niedrig. Allerdings sei zu bedenken: eine Put-Option, mit der man
sich gegen sinkende Kurse absichert, koste eine Prämie. Bleibt der erwartete
Rückgang an der Börse aus, sinke der Wert der Option bis zum Verfall auf null.
Anleger sollten Laufzeit, Kosten und Ausstiegsmöglichkeiten abwägen. So könne
etwa eine längere Laufzeit der Option sinnvoll sein, weil man dann mehr
zeitlichen Spielraum habe, sie vor dem Verfall zu verkaufen.
Wer nicht auf eine bestimmte Richtung setzen möchte, könne Put und Call auch kombinieren. Ein sogenannter Straddle könne von kräftigen Bewegungen nach oben wie nach unten profitieren, vorausgesetzt, der Markt bewege sich deutlich genug. Laufe er jedoch seitwärts, können beide Prämien verloren gehen. „Auf Dauer sollte man sich billigere Lösungen anschauen“, empfiehlt Tönnes. Für eine besondere, zeitlich begrenzte Unsicherheit kann die Strategie seiner Ansicht nach aber interessant sein; als regelmäßige Absicherung sei sie wegen der wiederkehrenden Kosten nicht automatisch geeignet.
„Zur Absicherung ganz klar Long Volatility“
Für Anleger, die Optionen nicht selbst einsetzen möchten, kommen
Fondsstrategien in Betracht. Tönnes unterscheidet Short- und Long-Volatilität:
Short-Volatilitätsfonds tendieren dazu, in ruhigen Märkten Erträge zu erzielen,
können aber bei stark steigender Volatilität leiden.
Long-Volatilitätsstrategien können von zunehmenden Schwankungen profitieren und
sich deshalb grundsätzlich als Ergänzung zur Absicherung eines Aktienportfolios
eignen. „Zur Absicherung ganz klar Long Volatility, wir machen ausschließlich
Long“, sagt Tönnes zum Anlageansatz von Antecedo.
Sein Fazit: Geringe Schwankungen sind kein Beleg für geringe Risiken. Welche Absicherung passt, hängt von Anlageziel, Zeithorizont und Risikobereitschaft ab. Optionsstrategien können ein Portfolio ergänzen, ersetzen aber weder eine klare Risikoplanung noch die genaue Prüfung der Produktkonditionen.
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