
Die wichtigsten übergeordneten Themen für das Jahr 2027 sind Resilienz, Dekarbonisierung, Künstliche Intelligenz und Private Debt.
14.10.2026 | 08:18 Uhr
Weitere Investmentchancen sehen wir bei Credit und Real Estate“, so Thomas Friedberger, stellvertretender CEO und Co-CIO bei Tikehau Capital, im aktuellen Ausblick des Unternehmens für das kommender Jahr. Nachfolgend finden Sie einen Kommentar mit den interessantesten Thesen zu Resilienz. In den kommenden Wochen werden wir Ihnen weitere spezifische Kommentare zu den einzelnen Themen schicken.
„Das Wirtschaftsmodell hat sich gewandelt. Die
vergangenen vier Jahrzehnte waren vom Streben der Unternehmen nach Effizienz
und der Überoptimierung von Wertschöpfungsketten und Kapitalstrukturen geprägt.
Nun richtet sich das Wirtschaftsmodell auf das Streben nach Resilienz aus.
Dieser Wandel beschleunigt die Entstehung einer multipolareren Welt. Dies hat
jedoch seinen Preis: Resilienz und Souveränität werden durch einen neuen Zyklus
massiver Investitionsausgaben (CAPEX) aufgebaut, der sich auf die „4Ds“
konzentriert: Defense, Dekarbonisierung, Digitalisierung und Deglobalisierung.
Insbesondere Europa wird erhebliche Investitionen tätigen müssen, um seine
Souveränität und Widerstandsfähigkeit zu stärken.
Die CAPEX werden durch eine Kombination aus öffentlicher Verschuldung (über
massive fiskalische Expansion) und privatem Kapital finanziert. Das Streben
nach Resilienz erhöht daher den Kapitalbedarf der Unternehmen. Diese werden
sich daher voraussichtlich verstärkt den börsennotierten und privaten Märkten
zuwenden: erhebliche Kapitalerhöhungen, Börsengänge, groß angelegte
Anleiheemissionen, eine Konvergenz privater Schuldtitel hin zum
Investment-Grade-Segment sowie bedeutende Transaktionen im Bereich Private
Equity, sowohl auf Primärmärkten als auch über Follow-on-Fonds. Wir sehen
Konsequenzen vor allem bei langfristigen Zinsen, der Portfolioallokation und
bei der Wertschöpfung im Private-Equity-Bereich.
1. Steilere Zinskurven, höhere langfristige Zinsen
Es ist unsere Einschätzung, dass die langfristigen Zinsen, trotz des
Einsetzens einer Korrektur nach wie vor zu niedrig sind. Der Anstieg der
langfristigen Zinsen dürfte bei Aktieninstrumenten (börsennotierte Aktien und
Private Equity) die Expansion der Bewertungskennzahlen künftig erschweren,
und die Wertschöpfung wird stärker vom Gewinnwachstum abhängen als von
steigenden Bewertungskennzahlen und der Refinanzierung von Schulden.
Was die Kreditspreads betrifft, bleiben wir positiv eingestellt, gehen
jedoch sowohl hinsichtlich der Qualität der Emittenten als auch der
Sektorallokation selektiv vor. In einem Umfeld moderateren Wachstums bevorzugen
wir Sektoren, die von strukturellen Wachstumstrends profitieren, insbesondere
solche, die zu größerer Widerstandsfähigkeit und Souveränität beitragen
(Industrie, Verteidigung, Energiewende, Gesundheitswesen, Technologie,
strategische Infrastruktur), sowie die Akteure, die deren Finanzierung
sicherstellen. In diesem Zusammenhang ziehen wir Kreditrisiko dem
Durationsrisiko vor, beispielsweise über variabel verzinsliche Instrumente,
liquide Kredite mit kurzer Laufzeit und nachrangige Finanzanleihen. Es ist
anzumerken, dass Staatsanleihen aufgrund eines reflationären Umfelds,
wie es seit den 1970er Jahren nicht mehr zu beobachten war, vorerst nicht
mehr die Rolle eines sicheren Hafens erfüllen, die sie jahrzehntelang
innehatten.
2. Notwendigkeit der Anpassung von Portfolios
Wir müssen daher bis in die 1970er Jahre zurückblicken, um eine ähnliche Phase
anhaltender Reflation wie heute zu finden. Damals betonten die besten Anleger,
dass der einzige Weg zu erfolgreichen Investitionen darin besteht, eine
„Sicherheitsmarge“ einzuhalten. Das „Value“-Investieren steht genau im Einklang
mit diesem konservativen Ansatz: Die Sicherheitsmarge in Bezug auf die
Bewertung ermöglicht es, sowohl den Druck auf die Gewinne aufgrund einer
Wachstumsverlangsamung als auch steigende Kosten aufgrund höherer Inflation zu
antizipieren. Eine Analyse der Kapitalströme im Jahr 2026 zeigt jedoch genau
das Gegenteil: Derzeit fließen sehr erhebliche Beträge in Sektoren und
Anlageklassen, die bereits hoch bewertet sind.
Allerdings bietet dieses Marktumfeld zahlreiche Chancen:
3. struktureller Wandel bei der Wertschöpfung im
Private-Equity-Bereich
In diesem neuen Umfeld müssen sich Unternehmen verändern in Bezug auf
Lagerbestände, Infrastruktur, Produktionskapazitäten und Unterstützung der
Lieferkette. Private Equity muss sich an diese neue Realität anpassen,
wahrscheinlich durch vermehrte Investitionen in anlagestarke Unternehmen in
Sektoren, die von resilienzbezogenen Investitionsausgaben (CAPEX) profitieren. Das
EBITDA-Wachstum allein reicht nicht mehr aus. In einer Welt mit erheblichen
Investitionsausgaben ist das Risiko einer Fehlallokation von Kapital höher und
die Streuung zwischen den besten Managementteams, die ihren Cashflow effektiv
einsetzen, und den schwächeren Teams größer. Das Konzept der Kapitalrendite
(ROIC) wird daher bei Private-Equity-Investitionen an Bedeutung gewinnen.
Gleichzeitig wird der Einsatz finanzieller Hebel stärker eingeschränkt sein.
Zinssätze, die darauf ausgelegt sind, die Inflation auszugleichen, sorgen für
höhere Fremdkapitalkosten. Die Ausweitung der Multiplikatoren wird durch das
Zinsumfeld eingeschränkt werden. Private-Equity-Akteure werden daher mit
geringerem Fremdkapitalanteil investieren und Vermögenswerte länger halten
müssen.”
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