
Die wichtigsten übergeordneten Themen für das Jahr 2027 sind Resilienz, Dekarbonisierung, Künstliche Intelligenz und Private Debt.
04.11.2026 | 08:35 Uhr
Weitere Investmentchancen sehen wir bei Credit und Real Estate“, so Thomas Friedberger, stellvertretender CEO und Co-CIO bei Tikehau Capital, im aktuellen Ausblick des Unternehmens für das kommender Jahr. Nachfolgend finden Sie einen Kommentar mit einem Auszug seiner Thesen zur Dekarbonisierung. In den kommenden Wochen werden wir Ihnen weitere spezifische Kommentare zu den einzelnen Themen zur Verfügung stellen.
Vor dem Krieg in der Ukraine galt die Dekarbonisierung zwar als notwendiger
Schritt, um die im Pariser Abkommen festgelegten Klimaziele zu erreichen. Viele
Investoren verbinden mit ihnen jedoch geringere finanzielle Erträge.
Der Konflikt in der Ukraine und am Persischen Golf haben den Blick auf die
Dekarbonisierung grundlegend verändert. Die Spannungen haben die
strategische Bedeutung der Energieunabhängigkeit für alle großen
Wirtschaftsmächte weltweit deutlich gemacht. Dekarbonisierung und
Elektrifizierung sind daher zu einem Schlüsselfaktor bei der Verringerung der
Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und zu einem zentralen Thema beim Aufbau
von Resilienz und Souveränität geworden. Die Dekarbonisierung liegt nun im Interesse
aller Wirtschaftsakteure weltweit.
Mit seiner Dekarbonisierungsstrategie könnte China innerhalb weniger Jahre
mehrere Millionen Barrel pro Tag aus der weltweiten Ölnachfrage herausnehmen
und damit potenziell marginale Produzenten, wie kanadisches und
US-amerikanisches Schieferöl aus dem Markt drängen. Chinas
Dekarbonisierung bedroht mittelfristig daher potenziell die
Energieunabhängigkeit der USA.
Eine dekarbonisierte Stromerzeugung würde es den Vereinigten Staaten
hingegen ermöglichen, ihre Dominanz im Bereich der künstlichen Intelligenz
aufrechtzuerhalten. Es wird erwartet, dass sich der durch KI getriebene
Strombedarf bis 2030 mehr als verdoppeln wird, vor allem in den Vereinigten
Staaten. China hingegen hat die niedrigsten Stromerzeugungskosten aller
Industrieländer. Wenn die Vereinigten Staaten ihren Vorsprung im Bereich der
künstlichen Intelligenz bewahren wollen, müssen sie ihre Produktion von
dekarbonisiertem Strom steigern.
Darüber hinaus spricht auch das Wachstum der städtischen Bevölkerung, die sich
bis 2080 fast verdoppeln dürfte, für eine zunehmende Elektrifizierung. Denn
Städte benötigen Strom für Heizung, Klimatisierung, Verkehr und
Freizeitaktivitäten, insbesondere für digitale Freizeitangebote wie Social
Media, Gaming oder Medienplattformen. Die Elektrifizierung der
Endverbraucher in allen Bereichen, in denen Treibhausgasemissionen entstehen
(Landwirtschaft, Verkehr, Industrie und Gebäude), ist der einzige Weg, um die
im Pariser Abkommen festgelegten Klimaziele zu erreichen.
Die Dekarbonisierung ist bereits ein weitaus größerer Markt als der Markt
für fossile Brennstoffe: Die Investitionen in fossile Brennstoffe belaufen sich
auf rund 1 Billion Dollar pro Jahr, während die Investitionen in die
Dekarbonisierung bereits doppelt so hoch sind. Bezieht man zudem die
Investitionen mit ein, die erforderlich sind, um die bestehende Infrastruktur
so zu modernisieren, dass sie der globalen Erwärmung standhält, ist der
erforderliche Investitionsbedarf erheblich höher. Die Wachstumsaussichten für
die leistungsstärksten Unternehmen sind daher beträchtlich.
Während China zwischen 65 und 95 Prozent der vorgelagerten Lieferketten der
Energiewende (Windkraftanlagen, Solarzellen, Batterien, Elektrofahrzeuge)
kontrolliert, sind Anbieter von Energieeffizienzlösungen für Gebäude,
Landwirtschaft, Industrie und Verkehr hauptsächlich in Europa ansässig. Dies
liegt daran, dass in Europa frühzeitig strengere Vorschriften eingeführt
wurden, wodurch die Entstehung dieser Unternehmen begünstigt wurde. Europäische
Unternehmen, die sich auf Ingenieurdienstleistungen, Software zur Optimierung
des Stromnetzes oder die Instandhaltung der elektrischen Infrastruktur
spezialisiert haben, verzeichnen ein starkes Wachstum und expandieren nun
weltweit.
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