EdR AM Marktausblick: Die Aussichten sind gut, aber es lauern auch Fallstricke

Benjamin Melman, Global Chief Investment Officer von Edmond de Rothschild Asset Management

Benjamin Melman von Edmond de Rothschild Asset Management sieht in der steigenden Inflation die größte Gefahr für die Märkte in 2022. Der Global CIO Asset Management der französischen Fondsgesellschaft ist dennoch überzeugt, dass das neue Jahr interessante Möglichkeiten für Investoren bietet.

15.12.2021 | 07:55 Uhr

Nachfolgend finden Sie einige Aussagen aus seinem aktuellen Marktausblick:

„Die Omikron-Variante erinnert uns alle daran, dass die Corona-Pandemie weiterhin ein Risiko darstellt. Noch ist es zu früh, um die genauen Auswirkungen bemessen zu können. Jedoch könnte Omikron vor dem Hintergrund der für die Impfstoff-Anpassung benötigten Dauer sowie angesichts der Wahrscheinlichkeit, dass neue Behandlungsmethoden auch hiergegen wirken, im schlimmsten Fall die konjunkturelle Erholung verzögern.

Unsere Hauptsorge gilt jetzt den Inflationserwartungen der Anleger. Es gibt schon so lange keine Inflation mehr, dass die meisten Investoren nur noch den Begriff kennen. Und die Märkte nehmen die Vorstellung einer vorübergehenden Inflation offenbar gern in Kauf, weil sie zehn Jahre lang skeptisch waren, ob die Preise wirklich steigen können. Doch je länger die Inflation anhält, desto größer ist das Risiko, dass diese besondere Überzeugung der Anleger in Frage gestellt wird. Derzeit wird diskutiert, ob die Inflation mit einer vorübergehenden Unterbrechung der globalen Produktionsketten zusammenhängt (kurzfristige Inflation), oder ob sie im Wesentlichen auf einen Nachfrageüberhang zurückzuführen ist. Letzteres könnte in den USA der Fall sein und würde einen Anstieg der strukturellen Inflation bedeuten, der eine restriktivere Politik erfordert. Sollte die Inflation im kommenden Jahr trotz einer allmählichen Normalisierung der Versorgungsketten hoch bleiben, würden auch die Erwartungen der Anleger an das Handeln der Zentralbanken ins Wanken geraten.

Hierauf haben sowohl die Fed als auch die EZB reagiert, indem sie nach mehr Handlungsspielraum gesucht haben. Sie wollen in der Lage sein, die Geldpolitik bei Bedarf schneller zu straffen und das Tapering möglicherweise zu beschleunigen. Bemerkenswert finden wir es, dass Jerome Powell jetzt von einer dauerhaften statt einer vorübergehenden Inflation spricht. Das System der Gleichgewichte wird instabil, und es gibt nicht mehr so viel Spielraum.Unser Kernszenario ist, dass beide Zentralbanken es irgendwie schaffen werden, das absolute Minimum zu tun, um ein Abdriften der Inflationserwartungen zu verhindern. Wir halten es jedoch für sehr wahrscheinlich, dass die Märkte die Entschlossenheit der Notenbanken, die Inflation einzudämmen, auf die Probe stellen werden. Die Folge hiervon wird erhöhte Volatilität sein.

Jede Veränderung der Inflationserwartungen träfe sowohl die Anleihen- als auch die Aktienmärkte. Daher sind wir der Ansicht, dass die Diversifizierung der Anlageklassen in den Portfolios mangelhaft sein könnte, solange sich die Inflationserwartungen nicht stabilisiert haben. Vor diesem Hintergrund ziehen wir es vor, Risiken an den Aktienmärkten einzugehen, da diese im Gegensatz zu den Anleihemärkten bei einer Erholung ein stärkeres Aufwärtspotenzial besitzen. Auch Schwellenländer-Investments sind recht interessant bewertet, daher scheinen sie auf den ersten Blick Chancen zu bieten. Wir sind jedoch der Meinung, dass der beste Zeitpunkt für diese Möglichkeiten gekommen ist, wenn die Inflation und die Erwartungen der Zentralbanken besser bekannt sind.

Zudem konzentrieren wir uns weiterhin auf mittelfristige Themen, die durch die Corona-Krise noch interessanter geworden sind: Big Data und die sich beschleunigende Digitalisierung, Humankapital inmitten einer starken Mobilität des Arbeitsmarktes, Gesundheitswesen und Energiewende, die von enormen Investitionsströmen profitieren werden.“

Welche Regionen bei Aktien und welche Segmente innerhalb des Anleihenspektrums Benjamin Melman derzeit am spannendsten findet – und wo der Experte jetzt zu erhöhter Vorsicht rät – lesen Sie im vollständigen Ausblick in englischer Sprache.

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