
Der Anstieg der Zinsen bei 30-jährigen US-StaatsanleihenC zeigt nach Einschätzung von Kay Tönnes, Gründer von Antecedo Asset Management, dass sich am Markt ein massives Misstrauen aufbaut.
09.09.2026 | 05:00 Uhr
Er verweist darauf, dass es selbst für den US-Anleihemarkt so etwas wie eine maximale Größe gebe, bis zu der der Rest der Welt bereit sei, US-Schuldtitel abzunehmen.
40 Billionen US-Dollar – so hoch war die Verschuldung der Vereinigten Staaten Anfang September. Die Entwicklung hat Folgen: „Der starke Schuldenanstieg seit dem Amtsantritt von Präsident Trump sorgt dafür, dass die Zinsen am langen Ende anziehen“, so Tönnes. Seit 2023 habe die US-Notenbank Fed damit begonnen, die Leitzinsen zu senken, weil die Inflation, die sich nach der Coronapandemie aufgebaut hatte, wieder rückläufig gewesen sei. In Folge seien die lang- und die kurzfristigen Zinsen im Gleichklang gesunken. „Die Entwicklung verlief zunächst wie aus dem Bilderbuch. Aber nach dem Amtsantritt von Donald Trump ist etwas gekippt. Die Zölle, die Kriege – damit ist Vertrauen verloren gegangen.“
Steigende Zinsen erhöhen die Schuldenlast
Dabei sei die hohe Schuldenlast in Zeiten niedrigster Zinsen noch kein großes
Problem gewesen, meint Kay Tönnes: „Wenn ich Nullzinsen habe und dazu
langlaufende Anleihen begeben kann, dann ist das ein Geschenk.“ Nun aber
sei die Inflation zurück, und mit ihr die Zinsen. „Das Finanzministerium hat
jetzt schon mehrfach interveniert, zuletzt mit der Ankündigung des „Treasury
Twist“ Ende August. Dabei sollen langlaufende US-Treasuries gegen kurzlaufende
T-Bills getauscht werden. Trotzdem liegt die Zinslast mittlerweile bei mehr als
einer Billion US-Dollar pro Jahr, mehr als der US-Verteidigungshaushalt. Für
die Märkte ist das Ganze ein Teufelscocktail.“
Angespannte Aktienmärkte
Eine große Staatsschuldenkrise wäre nicht zuletzt für die Aktienmärkte
gefährlich, meint Tönnes: „Wenn die Bonität des größten Schuldners der Welt in
Frage steht, ist das der Super-GAU.“ Zwar könne die FED notfalls den
amerikanischen Staat immer retten, doch die Konsequenzen wären unkalkulierbar.
Aber schon die steigenden Zinsen können seiner Meinung nach zu Problemen
führen, etwa durch Ausfälle im Private Debt-Bereich. Die Situation sei ohnehin
bereits angespannt, findet Tönnes. „Die Tech-Unternehmen haben gerade eine sehr
gute Berichtssaison hinter sich, viele haben ihre Prognosen angehoben. Die
Kurse von Unternehmen wie Microsoft oder Nvidia sind dann zwar auch gestiegen,
aber nicht in dem Maße, wie es aufgrund der Ergebnisse zu erwarten gewesen
wäre.“ Für ihn ein Zeichen dafür, dass die Investoren vorsichtig geworden
sind.
Der politische Druck steigt
Gleichzeitig sieht er die Gefahr, dass der politisch bedingte Druck steige.
„Wir hatten an den Aktienmärkten in den vergangenen zwei Jahren keine normale
Korrektur aus wirtschaftlichen oder Bewertungsgründen. Die Einbrüche waren alle
politisch getrieben: durch den Liberation Day, die Ankündigung des Zollkrieges
gegen China oder den Beginn des Krieges mit dem Iran.“ Da Donald Trump schon
auf das Ende seiner Amtszeit 2028 blicke, müsse er seine Nachfolge klären.
Deshalb seien Überraschungen wahrscheinlich, befürchtet Kay Tönnes.
Ölpreis als möglicher Entlastungsfaktor
Ein positives Szenario wäre es, wenn es der US-Regierung gelänge, die Straße
von Hormus wieder zu öffnen – entweder durch Verhandlungen oder auf
militärischem Wege. „Da dann vermutlich alle Anbieter wieder versuchen würden,
ihre Marktanteile zurückzugewinnen, stünden wir vor einer Ölschwemme. Der
Ölpreis könnte dann bis auf 40 US-Dollar je Barrel sinken, mit entsprechenden
Auswirkungen auf die Inflationsraten und letztendlich auf die Zinsen.“ Davon
würden dann auch die Aktien profitieren. Allerdings ist das Szenario eher
ungewiss. Eine misslungene militärische Operation könnte den Ölpreis ebenso
leicht auf 120 bis 150 US-Dollar hochtreiben.
Mit Optionen absichern
Kay Tönnes rät Anlegern vor diesem Hintergrund zur Vorsicht und dazu, etwa bei
Tech-Werten Gewinne mitzunehmen. Auch die Absicherung mit Optionen oder
Derivaten sei sinnvoll. Antecedo habe umfassend Positionen in langlaufenden
Optionen aufgebaut und sei so für jedes Marktumfeld gut aufgestellt. „Die
Optionsvolatilität, also der Preis für Absicherungen, ist im Moment noch
überraschend niedrig. Die Märkte sind also noch ziemlich entspannt“, stellt er
fest. „Aber das Umfeld aus hohen Schulden und politischer Unsicherheit zeigt,
dass etwas kommen wird.“
Diesen Beitrag teilen: