
Die Präsidentschaft von Donald Trump bleibt ein zentraler Faktor für die Kapitalmärkte. Davon ist Kay-Peter Tönnes, Gründer von Antecedo Asset Management, überzeugt.
22.06.2026 | 09:40 Uhr
Für Anleger wird damit bis Jahresende weniger die Konjunkturfrage zum dominanten Thema, sondern die Häufigkeit politischer „Einschläge“, die Kurse und Risikoaufschläge kurzfristig nach oben oder unten reißen können.
Tönnes beobachtet einen wachsenden innenpolitischen Druck auf US-Präsident Trump. In den Umfragen vor wichtigen Kongresswahlen sieht er einen spürbaren Rückstand, der sich nicht allein durch strukturelle Maßnahmen wie Wahlkreiszuschnitte aufholen lasse. „Trump muss an Stimmen zurückgewinnen – sonst verliert er politischen Einfluss“, sagt der Vermögensverwalter. Sollte das Repräsentantenhaus und im Extremfall auch der Senat kippen, werde der innenpolitische Gestaltungsspielraum deutlich kleiner: Haushalt, Gesetzgebung und die nächste Auseinandersetzung um die Schuldenobergrenze würden dann für Trump zur Hürde.
Gerade daraus leite sich die Marktrelevanz ab. Denn während innenpolitisch Blockaden droh(t)en, bleibt ein US-Präsident außenpolitisch handlungsfähig. Tönnes erwartet daher, dass Trump im Zweifel auf große, symbolträchtige Aktionen setze, um das eigene „Gewinner-Image“ zu stabilisieren – mit entsprechendem Überraschungspotenzial. „Bei Donald Trump muss man immer auf alles gefasst sein“, so Tönnes.
Aus Irritationen wird ein „strukturelles Risikofeld“
Wie stark Politik die Märkte bereits beeinflusst, zeigt nach Einschätzung von
Antecedo ein Blick auf die Volatilität: Ausschläge im VIX, oft als
„Angstbarometer“ bezeichnet, seien in den vergangenen Jahren wiederholt mit
konkreten politischen Ereignissen verknüpft gewesen. Wenn der VIX steige, falle
häufig der Aktienmarkt. „Das ist kein Einmaleffekt. Wenn politische Schocks
häufiger werden, wird aus einer kurzen Irritation ein strukturelles
Risikofeld“, so Tönnes. Hinzu komme, dass die Politik nur ein Teil eines
fragilen Gesamtbildes sei. Tönnes sieht eine „Welt mit mehr Risikofaktoren als
je zuvor“: historisch hohe Schuldenstände, eine hartnäckige Inflation sowie in
der Breite wenig dynamische Unternehmensgewinne. „Die Tech-Werte tragen viel,
aber zahlreiche Marktsegmente treten schon länger auf der Stelle.“
Antecedo hat ein eigenes Risikoscoring entwickelt, das die Wahrscheinlichkeit eines größeren Rückschlags in den kommenden 24 Monaten abbilden soll. Historisch liege die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen Rückgang von 15 Prozent oder mehr bei etwa sechs bis sieben Prozent. „Aktuell zeigen unsere Modelle einen Wert von mehr als 25 Prozent. Das ist das höchste Niveau, das wir je gemessen haben“, sagt der Anlagestratege. Das bedeute zwar keine Prognose mit Gewissheit, aber einen klar erhöhten Handlungsdruck im Risikomanagement.
Für Anleger leitet Antecedo daraus konkrete Leitplanken ab: eine flexiblere Aktienquote und konsequente Gewinnmitnahmen in Rallys, das Bereithalten von strategischer Liquidität oder selektiv längere Laufzeiten im Rentenbereich, schließlich Fondslösungen mit Options- bzw. Volatilitätsstrategien. „Wenn Korrelationen zwischen Anlageklassen in Stressphasen steigen, reicht Diversifizierung allein womöglich nicht. Dann braucht es Bausteine, die von Volatilität profitieren können“, so Tönnes.
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