Antecedo: America First!

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„Es läuft nicht richtig!“ wird sich der amerikanische Präsident Donald Trump sicher mehrfach vor dem kommenden Jahreswechsel gedacht haben. Die Wirtschaftsdaten sind am Ende des ersten Amtsjahres seiner zweiten Amtszeit eher schlechter, als bei seinem von ihm verachteten Vorgänger. Besonders die Inflation, die zu bekämpfen eines seiner wichtigsten Wahlkampfversprechen war, ist eher wieder am Ansteigen denn am Sinken.

16.12.2025 | 07:26 Uhr

Von außen betrachtet zeigt sich das Ansehen seiner Regierung bei den Amerikanern klar in den aktuellen Meinungsumfragen. Die erste Graphik zeigt den Anteil der Zustimmung zu Trumps Amtsführung (grüne Linie) und den Anteil der Ablehnung (rote Linie).

Real Clear Politics
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Gemessen an Trumps Zustimmungswerten am Ende seiner ersten Amtszeit sind diese Daten noch nicht einmal katastrophal, und Trump selbst kann nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren, aber am 3. November 2026 werden die Zwischenwahlen in den USA stattfinden. Hierbei wird das gesamte Repräsentantenhaus (erste Parlamentskammer), ein Drittel des Senats (2. Parlamentskammer) und 36 Gouverneure (Regierungschefs der Bundesstaaten) neu gewählt. In vielen Fällen wird der bisherige Amtsinhaber nicht mehr zur Wahl antreten, so dass diese Wahl auch zu einem Generationenwechsel in der amerikanischen Politik wird.

Bei den relativ geringen Mehrheiten, über die Trumps Partei vor allem im Repräsentantenhaus verfügt, ist diese Wahl viel mehr als nur ein Zwischenstand seiner zweiten Amtszeit. Denn sollte Trump diese Wahl deutlich verlieren und damit auch die Mehrheiten in den Parlamentskammern, dann wäre sein Handlungsspielraum in den ihm verbleibenden zwei Jahren nur noch gering.

Und viel schlimmer noch, ohne sein Image als Sieger und Garant für Wahlsiege würde sich seine eigene Partei vermutlich schon frühzeitig nach geeigneten Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2028 umsehen. Sein Ziel, als Übervater der Partei auch seine Nachfolge zu regeln und damit auch über seine Amtszeit hinaus Macht und Einfluss zu behalten, wäre so schon frühzeitig erledigt.

Das zu verhindern, hat Trump noch fast das gesamte Jahr 2026 Zeit. Und damit es nicht so kommt, braucht Trump
ökonomische Erfolge. Das ist die Hauptwährung in amerikanischen Wahlkämpfen. Die aktuellen Wirtschaftsdaten sind für amerikanische Verhältnisse eher durchwachsen und deutlich entfernt von den fantastischen Aussichten, die Trump im Wahlkampf versprach. Doch es lässt sich heute schon erkennen, mit welchen Maßnahmen hier die gewünschte Entwicklung erreicht werden soll.

Zuerst zu nennen ist hier die Zinspolitik. Begleitet von der unaufhörlichen Aufforderung des Präsidenten, mehr zu tun, hat die Fed bereits in diesem Jahr mehrfach die Zinsen gesenkt. Die positiven Auswirkungen hiervon werden wir in 2026 spüren können. Doch Trump wird dies vermutlich noch lange nicht reichen. Die folgende Graphik zeigt die aktuell eingepreiste Veränderung des amerikanischen Leitzinses im kommenden Jahr (blaue Linie). Die rote Linie zeigt die Entwicklung dieses Leitzinses, wie sie Donald Trump vermutlich gerne hätte. Er hat in seiner derzeitigen Amtszeit bisher immer nur deutlichere Zinssenkungen gefordert, ohne konkrete Zahlen zu nennen. In einem Interview im Wahlkampf hat er aber einmal den Bereich von 1,5% bis 2% Leitzins als fair bezeichnet.

Leitzinserwartungen USA
Leitzinserwartungen USA


Nun trifft Donald Trump nicht die Zinsentscheidungen, aber die Amtszeit des bisherigen Vorsitzenden der US-Notenbank, Jerome Powell, endet im Mai 2026. Dann darf Trump seinen Nachfolger nominieren, der dann durch den Senat, mit republikanischer Mehrheit, bestätigt werden muss. Wir können sicher sein, dass Trump niemanden auf diesen Posten setzen wird, der nicht seine Ansichten teilt. Und wir können sicher sein, dass Trump das Ziel verfolgt, mindestens zwei Gefolgsleute im Board der Fed zu installieren. Das ist nicht ganz einfach, denn der bisherige Fed-Chef scheidet nur als Vorsitzender aus, als stimmberechtigter Gouverneur dauert seine Amtszeit noch bis zum Dezember 2028. Doch zunächst muss Ende Januar der Gouverneursposten, den derzeit Stephen Miran innehat, neu besetzt werden. Miran, auch ein Anhänger Trumps, hat diesen Posten erst seit vier Monaten, da er als Ersatz für eine zurückgetretene Gouverneurin fungiert, deren Restamtszeit eben im Januar endet. Es wird interessant sein zu sehen, ob Trump Miran als Gouverneur behalten will oder einen anderen Gefolgsmann beruft.

Im Mai steht dann der echte Wechsel an der Spitze der Fed an. Da der Vorsitzende der Fed immer auch stimmberechtigt ist, aber nicht aus dem Kreis der Fed-Gouverneure kommen muss, kann es hier zu einer kuriosen Situation kommen. Denn der Präsident ist frei in seiner Entscheidung, wen er beruft, sofern der Senat zustimmt. Die Größe des Fed-Gouverneursrates ist aber auf sieben Mitglieder begrenzt. Wenn Trump einen Externen beruft, würde der Gouverneursrat aber aus acht Mitgliedern bestehen, den bisherigen sieben Gouverneuren und dem neuen Vorsitzenden. Wir gehen davon aus, dass Powell der Fed diese Kuriosität ersparen und zum Ende seiner Amtszeit auch als Gouverneur zurücktreten wird. Damit hätte Trump zwei Anhänger an der Spitze der Fed installiert.

Mit diesem Stimmenzuwachs und einem Gefolgsmann als Vorsitzenden hat Trump die Fed noch nicht völlig unter Kontrolle, aber seine Einflussmöglichkeit wird steigen und damit eine stärkere Betonung der Unterstützung des Arbeitsmarktes und weniger der Inflationsbekämpfung. Trump wird nicht alles bekommen, aber vermutlich niedrigere Leitzinsen, als sie heute eingepreist sind.

Dass der Arbeitsmarkt in den USA, trotz aller Behinderung der ausländischen Konkurrenz, dem Druck auf Firmen, in den USA zu investieren, und Liberalisierungsschritten in vielen Marktbereichen nicht überragend läuft, verdeutlicht die nächste Graphik. Diese zeigt die Anzahl der offenen Stellen in der US-Wirtschaft. Über sieben Millionen unbesetzte Stellen sind historisch gesehen ein durchschnittlicher Wert, und die Tendenz ist derzeit immer noch leicht fallend.

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